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Rinteln im Licht

Posse um Straßenlaternen Rinteln im Licht

Licht an. Licht aus. Licht an. Jetzt wieder Licht aus. Zumindest in den Ortsteilen? Auf diese fünf Sätze könnte man die Posse um die Schaltzeiten für die Straßenbeleuchtung in Rinteln reduzieren.

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Blick an den Extener Fasanenweg bei Dunkelheit: Die Laternen sind angeschaltet. In manchen Dörfern werden Rufe laut, die Beleuchtung abzustellen, um Kosten zu sparen. tol

Von hans Weimann Rinteln. Stand der Dinge bis zum Jahr 2007: In der Kernstadt und der Nordstadt brannten die Straßenlaternen bis zum Morgengrauen. In den Ortsteilen nicht. Warum das plötzlich Thema in der Kommunalpolitik geworden ist, dazu gibt es eine Anekdote. Angeblich soll Dieter Horn, Ortsbürgermeister von Engern, nach einer Firmenfeier im „Zollhaus“ in Todenmann zu Fuß durch die Nordstadt nach Hause gewandert sein. Dabei soll er festgestellt haben, in der Nordstadt brennt nachts das Licht. In Engern ist es duster. Für die Ortsteile wurde das damit eine Frage der Gleichbehandlung.

 Die Diskussion um die Schaltzeiten endete allerdings mit einem überraschenden Ergebnis: Die Lampen in den Ortsteilen wurden keineswegs ebenfalls nachts angeschaltet, sondern den Rintelnern jetzt nachts generell überall das Licht abgedreht. Begründung: Strom sparen. Ausnahme: die Bundesstraßen. Dort sei es eine Frage der Sicherheit.

 Die Proteste ließen nicht lange auf sich warten. Vor allem der Seniorenrat sah strauchelnde Rentner auf dem Nachhauseweg in Hecken oder tiefe Schlaglöcher fallen, die dunklen Gassen zum Eldorado für Einbrecher werden.

 Doch der Rat blieb hart, Stromsparen hatte oberste Priorität. Gut acht Jahre lang. Dann kamen die Flüchtlinge in die Prince Rupert School und mit ihnen der Sinneswandel. Bürgermeister Thomas Priemer versprach unter dem Eindruck der Sorgen von Bürgern noch in der ersten Bürgerversammlung, das Licht werde nachts in der Nordstadt wieder angeschaltet. Es blieb nicht bei der Nordstadt. Das Licht ging in ganz Rinteln wieder an. Auch in den Ortsteilen.

 Eine Gleichbehandlung, die nicht allen Ortsteilen gefällt. Die wollen wieder ihren Sonderstatus. Doch diesmal gegen Bares. Der Ortsrat Krankenhagen-Volksen machte das neue Fass zuerst auf. Der Ortsrat Möllenbeck folgte: Wie wäre es, so die Dörfler, wenn man zumindest in den Ortsteilen nachts wieder die Straßenlampen ausschalten würde und das dabei eingesparte Geld den Vereinen zur Verfügung stellen würde? Möglich, dass Vereinsvorstände schon auf die Sanierung ihrer Etats hoffen.

 Bei den Stadtwerken will man jetzt rechnen. Doch eine solche Rechnung könnte für Ernüchterung sorgen. Es dürften dabei nämlich pro Ortsteil kaum mehr als hundert Euro, wenn überhaupt, herauskommen. Dass das Einsparpotenzial so gering ist, hat mehrere Ursachen.

 Nach dem Modellversuch „Licht aus“ meldete Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Peterson 2009 noch eine Einsparung von rund 200000 Kilowattstunden für die ganze Stadt Rinteln – gleich 30000 Euro Stromkosten weniger.

 Doch in den vergangenen Jahren hat sich eine Menge geändert. Technisch. Die Straßenbeleuchtung ist sukzessive modernisiert und mit Energiesparlampen ausgestattet worden, teilweise mit LED-Licht wie an der Konrad-Adenauer-Straße, an neuen Straßen sowieso.

 Thomas Sewald, Technikchef bei den Stadtwerken, erläutert: Die Leuchtkraft, für die man früher 120 Watt pro Lichtpunkt gebraucht hat, liefern heute bereits 18 Watt. 95 Prozent aller Leuchten seien bereits energetisch saniert. Warum also nicht überall LED? Weil man dafür auch neue Leuchtkörper braucht. Stattdessen werden jetzt im Rahmen der jährlichen Instandhaltung defekte Straßenlampen gegen LED ausgewechselt. Ein weiterer Grund, warum das Einsparpotenzial bei einer Nachtabschaltung der Ortsteile überschaubar ist: Würde man die Straßenbeleuchtung wie früher um 2 Uhr morgens ausschalten und um 5 Uhr wieder einschalten, sprechen wir gerade mal über drei Stunden Stromeinsparung; geht das Licht um Mitternacht aus, über fünf Stunden.

 Technisch zumindest ist alles möglich. Wie Sewald betonte, gebe es genügend Schaltstellen, dass man jede Ortschaft auch einzeln schalten könnte, wenn es gewünscht wird. Was für die Ortsräte die Option bietet, nach Gusto abzustimmen. Das würde dann beispielsweise bedeuten: In Möllenbeck ist es nachts duster, in Engern brennt Licht. Von Hans Weimann

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