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Rintelner drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis

Prozess um Bluttat vor dem "Salam" beginnt Rintelner drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis

Im Oktober ist es an der Mühlenstraße in Rinteln zu einer gewaltvollen Auseinandersetzung zwischen zwei jungen Männern gekommen, bei denen einer mit Messerstichen tödlich verletzt wurde. Die Bückeburger Staatsanwaltschaft hat jetzt gegen den zur Tatzeit 25-jährigen Messerstecher Anklage vor dem Landgericht Bückeburg erhoben – wegen des dringenden Tatverdachts auf Totschlag.

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Rinteln/Bückeburg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen 26 Jahre alten Angeschuldigten vor, am Abend des 10. Oktobers einen 27-Jährigen mit einem Messer getötet zu haben. Der tödlichen Verletzung ist nach derzeitigem Ermittlungsstand „eine heftige – auch körperliche – Auseinandersetzung“ zwischen den beiden Männern vorangegangen. Dies teilt die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung mit.

Zu den Hintergründen der Tat habe die Staatsanwaltschaft ermittelt, dass der Ursprung des Konflikts in der persönlichen Beziehung zwischen den beiden Männern zu finden sei. „Im Falle einer Verurteilung wegen Totschlages droht dem Angeschuldigten eine Freiheitsstrafe von fünf bis fünfzehn Jahre“, konkretisiert der Erste Staatsanwalt André Lüth die Folgen einer möglichen Verurteilung. Der Pressemitteilung zufolge sind in der Anklageschrift 19 Zeugen und zwei Sachverständige „als Beweismittel“ aufgeführt. Das Landgericht Bückeburg hat nun zu entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird oder nicht. Sollten die Richter des Landgerichts die Wertung des Ergebnisses der Staatsanwaltschaft teilen, wird es zu einer Hauptverhandlung vor der Großen Strafkammer als Schwurgericht kommen. Der Angeschuldigte befindet sich nach wie vor in Untersuchungshaft. „Weitere Einzelheiten zur Tat sind der Beweisaufnahme des Gerichtes vorbehalten und können daher nicht genannt werden“, teilt Staatsanwalt Lüth mit.

Unmittelbar nach der tödlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern waren die Ermittlungen eingeleitet worden, in dessen Folge der Rintelner noch am selben Abend festgenommen wurde.

Einer der leidtragenden Außenstehenden ist Zakaria Ballout, der an der Mühlenstraße den libanesischen Imbiss „Salam“ betreibt, vor dem sich die Auseinandersetzung mit tödlichem Ausgang zutrug. Seitdem bangt Ballout, der nach der Tat Erste Hilfe leistete, um seine berufliche Existenz.
Der Gastronom steckt in der Bredouille. Die Messerstecherei ereignete sich unmittelbar vor seinem Imbiss. Seitdem, klagt der Deutsche mit libanesischen Wurzeln, bleiben ihm die Kunden aus (wir berichteten). Viele dächten, er habe etwas mit dem Konflikt der beiden Männer zu tun gehabt, andere hätten Angst und würden deshalb nicht mehr im „Salam“ essen, berichtete Ballout damals. Inzwischen sind zwei Monate vergangen.

Gestern Mittag, gegen 13.30 Uhr, also zur Hauptgeschäftszeit im „Salam“, was übrigens „Herzlich willkommen“ bedeutet: gähnende Leere. Ein Mitarbeiter platziert das Radio neu, aber Kunden? Keine Spur. Das komme seit der Messerstecherei vor seinem Imbiss leider öfter vor, sagt der 32-jährige Ballout kopfschüttelnd. Anfangs sei es besonders schlimm gewesen, erst allmählich seien wieder Kunden in seinen Laden gekommen.

„Nach dem Zeitungsbericht ist es spürbar besser geworden“, sagt Ballout mit Blick auf den Artikel vor zwei Monaten. Damals hätten daraufhin viele, vor allem Deutsche, den Imbiss besucht, um ihm ihre Unterstützung zuzusichern. „Da kamen viele Leute, auch von bekannten Unternehmen und Firmen, und sagten mir persönlich: Wir unterstützen dich.“ Bis heute würden sie regelmäßig ihre Mittagsbestellungen bei ihm aufgeben. Das mag auch darauf zurückzuführen sein, dass sich Ballout während des Handgemenges sogar um Schlichtung bemüht habe.

Seine Schlichtungsversuche blieben zwar erfolglos, doch als der 27 Jahre alte Rintelner niedergestochen wurde, sei es Ballout gewesen – einst Sanitäter bei der Bundeswehr –, der Erste Hilfe geleistet und den schwer blutenden Mann ins Krankenhaus gefahren habe, wo er wenig später an den Folgen der Messerattacke starb.

Daraufhin brodelte die Gerüchteküche. War Ballout in den Streit der beiden Männer involviert? „Nein“, sagt er. „Ich kannte die beiden bis zu diesem Moment doch gar nicht.“

Trotzdem bleiben viele seiner ehemaligen Kunden seitdem seinem Imbiss fern. Das spiegele sich auch in seiner Kasse wider. Einbußen von bis zu 50 Prozent habe er zu verkraften. Lange halte er das nicht mehr durch, sagt der Imbissbesitzer.
Aber Ballout hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Inzwischen kämen auch wieder mehr Schüler, die einen wesentlichen Teil seiner Kundschaft bildeten, zum Döneressen zu ihm. 

pk

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