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Rintelns geheimer Bunker

Erinnerungen an den Kalten Krieg Rintelns geheimer Bunker

Die Luft ist feucht und stickig. Die drei kleinen Räume mit der spartanischen Einrichtung, die offensichtlich auf einen Notfall ausgerichtet ist, sind beklemmend.

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Ein kleiner Notausstieg führt aus dem Schutzraum wieder ins Freie vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude.

Quelle: Tobias Landmann

Rinteln. Allein die Vorstellung, dort – unterhalb des ehemaligen Bahnhofsgebäudes – auf engstem Raum tage-, vielleicht wochenlang, leben zu müssen, mag Anflüge von Klaustrophobie auslösen. Aber das wäre der Preis für den Schutz, etwa vor einem Atomangriff. Zumindest für die Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die Ende der siebziger Jahre im Zuge des Neubaus einen Luftschutzbunker in den Rintelner Bahnhof integrierte. Auf diese Weise sollten die Eisenbahner sicherstellen, dass der Bahnverkehr auch im Ausnahmezustand aufrechterhalten wird.

 Fritz Wenthe (75) hat jahrelang am Bahnhof in der Gepäckabfertigung gearbeitet und kennt den Bunker noch aus der Zeit, in der er einsatzbereit war. Einsatzbereit heißt, dass die dort verstauten Lebensmittel regelmäßig durch neue ersetzt wurden, wenn das Haltbarkeitsdatum der alten abgelaufen war. Heute zeugen nur noch leere, unter den zwölf Pritschen, den Schlafplätzen, verstaute Kanister von den einstigen Trinkwasserreserven. „Das war damals Pflicht, dass es in bestimmten öffentlichen Gebäuden solche Bunker gab“, erzählt Wenthe. Der Neubau des einstigen Rintelner Bahnhofs wurde in den Jahren 1975 bis 1978 errichtet, also mitten im Kalten Krieg, als die Gefahr eines Atomkriegs unmittelbar zu bestehen schien. Daher der Luftschutzbunker – von dem bis vor Kurzem kaum jemand in der Weserstadt wusste, nicht einmal die heutige Stadtverwaltung.

 Erst bei der Vertragsunterzeichnung zwischen dem heutigen Eigentümer des Bahnhofsgebäudes, der Grundstücksverwaltung „Rostek“, und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), die dort in Kürze mit der Tafel und dem Kleider-Shop einzieht (wir berichteten), wurde der Bunker öffentlich. „Wir sind wohl die einzige Tafel mit einem eigenen Luftschutzbunker“, witzelte DRK-Kreisverbandsvorsitzender Bernd Koller.

 Platz für 22 Menschen bietet der Bunker, konkret für den Bahnhofsvorsteher, die Fahrdienstleiter vom Stellwerk und andere Eisenbahner, die den Bahnbetrieb aufrechterhalten. „Für Mitarbeiter wie mich war der Bunker nicht gedacht“, erzählt Wenthe lachend. Im Ausnahmezustand hat die Gepäckabfertigung keine Priorität.

 Betreten wird der Bunker durch eine Schleuse im Keller. Im Ernstfall werde die gepanzerte Stahltür von innen verriegelt, sodass man nur noch durch den Notausstieg, eine kleine Luke, nach draußen gelange, schildert Wenthe. „Zum Einsatz ist der Bunker aber nie gekommen.“

 Aber so ganz stimmt das eigentlich nicht. Klaus Wittig (62) ist Fahrdienstleiter im Stellwerk an der Mindener Straße. Er sagt: „Wir haben immer noch einen Schlüssel für den Bunker.“ Tatsächlich befinde sich die Stromzufuhr für das Stellwerk und die Bahnsteige noch dort unten. „Wenn am Bahnsteig die Uhren gestellt oder die Beleuchtung eingestellt werden müssen, dann machen wir das da unten“, sagt Wittig. Aber es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser Steuermechanismus in das Betonhäuschen verlegt werde, das vor einiger Zeit neben dem Stellwerk gebaut worden ist.

 Bei der Deutschen Bahn war auf Anfrage unserer Zeitung indes nichts darüber zu erfahren, wie der Bunker früher oder noch heute genutzt wird.  pk

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