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Rosen gegen das Vergessen

Rintelner erinnern an Auschwitz-Befreiung Rosen gegen das Vergessen

70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – das haben 19 Schüler des Gymnasiums Ernestinum gestern zum Anlass genommen, sich mit dem Gedenken zu befassen.

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 Rosen zur Erinnerung: Zwei Gymnasiasten legen hier ihre Blumen am Grabstein der Familie Brill nieder. Die übrigen Schüler tun später das Gleiche an anderen Grabstellen.

Quelle: tol

Rinteln. „Fünf Minuten für sechs Millionen“ hieß der offizielle Titel der Aktion in mehreren Städten, doch mit Vorbereitung und Durchführung wurden daraus in Rinteln Stunden. Erst ins Stadtarchiv, dann zum jüdischen Friedhof und schließlich zu den Stolpersteinen in der Innenstadt, die an Schicksale von einstigen jüdischen Mitbürgern erinnern. Mit der Niederlegung von Rosen an den Gräbern und Stolpersteinen zeigten die Schüler ihre Anteilnahme, machten damit auch andere auf den Gedenktag aufmerksam.

 So unvorstellbar groß die Zahl der Opfer der Nazi-Gräueltaten ist, noch näher gehen einem oft die Einzelschicksale. Auf dem jüdischen Friedhof zeigten Schüler die Bilder von Mitgliedern der Familie Heinemann – alles vergrößerte Fotos von Kennkarten, die in der NS-Zeit über jüdische Mitbürger geführt wurden.

 Schüler Tim Gerwonde hatte über das Schicksal der jüdischen Familie Blach nachgeforscht und trug vor: Selma Blach, 1881 in Rietberg als Selma Rosenthal geboren, war mit Robert Blach verheiratet und brachte zwei Söhne zur Welt – Herbert (geboren 1903) und Kurt (geboren 1908). Sie wuchsen im Haus Klosterstraße 36 auf. 1931 starb Robert Blach. Seine Frau wurde später erst nach Gelsenkirchen und dann nach Münster deportiert, 1942 ins Sammellager Hannover-Ahlem und von dort am 31. März 1942 ins Warschauer Getto gebracht, wo sie wenig später für tot erklärt worden ist.

 Herbert Blach, ein kluger und wissensdurstiger Junge, bekam nach dem Studium seinen Doktortitel der Wirtschaftswissenschaften verliehen, hatte Diplome als Kaufmann und Handelslehrer erreicht. Während des Studiums lernte er wahrscheinlich Edith Nathan kennen, heiratete diese und floh mit ihr am 30. Juli 1933 nach Frankreich. Dort blieben sie bis zur Weiterflucht 1939 in die Niederlande, wohin Kurt Blach wohl schon 1936 geflüchtet war. Im Mai 1940 wurden Herbert Blach von der Hochschule für Wirtschaft in Berlin die akademischen Titel aberkannt.

 Während Kurt Blach die Flucht nach Singapur gelang, wurden Herbert und Edith Blach aufgespürt, gefasst und am 15. Juli 1942 ins Sammellager Westerbork deportiert. Von da aus ging es nach Auschwitz, wo Edith am 18. August und Herbert am 19. Oktober für tot erklärt wurden. Kurt Blach hat nach dem Tod seiner Familie dafür gesorgt, dass deren Namen in den Grabstein seines Vaters Robert eingraviert wurden.

 Am Grabstein von Gustav Rosenthal erklärte Geschichtslehrer Thomas Weißbarth, dass dieser als letzter Jude dort 1960 bestattet worden sei. Er hatte als Sohn einer Mischehe das KZ Theresienstadt überlebt. Sein Sohn Kurt habe 1934/35 das Gymnasium Ernestinum besucht, sei als Nicht-Arier aber diskriminiert worden, berichtete Schülerin Johanna Sümenicht.

 Nachdem sie mitgebrachte Rosen an einigen Grabsteinen niedergelegt hatten, gingen die Schüler mit ihrem Lehrer weiter zu vier Stolpersteinadressen in der Innenstadt. Auch dort riefen sie die Schicksale der jüdischen Familien in Erinnerung und legten Rosen nieder. dil

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