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Sachverständiger überprüft Schießstände aller Rintelner Vereine

Unterschätzte Gefahr Sachverständiger überprüft Schießstände aller Rintelner Vereine

Es ist früh am Morgen. Die Sonne scheint durch die Bäume, und Martin Klages aus Hildesheim ist froh, dass er den Schießstand der Bürgerschützen – versteckt im Eichenwäldchen in der Nordstadt – gefunden hat. Ihn erwarten schon die Vorstandsmitglieder Rainer Thielke, Oliver Sperlich und Joachim Weiss.

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 Schießstände, wie hier der Schießstand der Bürgerschützen, müssen mit Zäunen und in Abständen mit Warnschildern gesichert sein.

Quelle: wm

Rinteln (wm). „Tolle Lage, ein schönes Gelände haben sie hier“, lobt Klages und holt Kamera und Notizblock aus seinem VW-Polo. Klages ist anerkannter Sachverständiger nach „Paragraf 12, Absatz 4, Nummer 2 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung für Schießstände“, und die Bürgerschützen sind seine letzte Station in Rinteln. Alle anderen Vereine, die Schießsport betreiben, hat er schon besucht: die Kyffhäuser Deckbergen/Steinbergen, die Schützen in Todenmann, Krankenhagen und Hohenrode sowie die Einwohnerschützen in der Südstadt.

 Eine Stunde lang schaut sich Klages den 50-Meter-Schießstand an, stapft über die nasse Wiese bis zum Kugelfang. Er kämpft sich, die drei Bürgerschützen im Schlepptau, durch das Unterholz rund um die Schießanlage und entdeckt Überraschendes: Eine alte Flakstellung aus dem Zweiten Weltkrieg, das Betonfundament und Eisenteile sind noch gut erhalten.

 Am Ende hören die drei Vorstandsmitglieder in etwa das Gleiche, was Klages allen anderen Vereinsvorständen in Rinteln auch erzählt hat: Sie müssen nachbessern; Handwerksarbeit ist gefragt; es muss investiert werden.

 112 Seiten umfassen die neuen Schießstandrichtlinien, veröffentlicht im Bundesanzeiger, die für Klages das Maß der Dinge sind. Und er nimmt seinem Job ernst, wie er im Gespräch schnell klar macht: „Viele halten mich für pingelig, aber das muss sein.“ Schießsport sei mit Risiken verbunden. Im Sommer wurde ein 70-jähriger Schütze auf einem Schießstand im Kreis Dithmarschen verletzt und in Westerwald eine 20-Jährige. Dabei ist noch nicht einmal ein Fehlschuss oder fahrlässiger Umgang mit der Waffe das einzige Risiko. Das lauert auch unauffällig in Sand oder Kies oder auf einer Plastikplane: Nitrozellulose, die Rückstände der Treibladungen, die beim Abfeuern nicht vollständig verbrannt werden.

 Und Klages erzählt: In Wallerhorst auf einem Schießstand haben sich 1995 Pulverreste entzündet. Es gab vier Tote. Einfach weil die Schützen versäumt hatten, regelmäßig den Pulverstaub zu beseitigen. Allerdings handelte es sich dort um einen Großkaliberschießstand, da fällt mehr Pulverstaub an als beim Kleinkaliber.

 Im Eichenwäldchen weiß man das. Dieser Unfall ist jedem Schießsportleiter noch präsent. Die Plastikplane am Schießstand wird deshalb immer gesäubert. Für andere Rückstände gibt es eine beschriftete Tonne.

 Was Klages bei den Bürgerschützen zu bemängeln hat, ist überschaubar und deckt sich im Wesentlichen mit dem, was er auch auf den Schießständen der anderen Vereine verbessert haben will: Stromleitungen müssen vor Querschlägern geschützt werden. Ist ein Geschossfang länger als fünf Meter, muss eine Belüftung eingebaut werden, damit die Schützen keinen Pulverdampf einatmen. Zudem müssen die Bretter an der Decke dick genug sein, um Fehlschüsse aufzufangen. Das Notlicht über der Tür flackert, also muss ein Neues her und ein neues Schild, das Schützen mahnt, Gehörschutz zu tragen.

 Alles in allem ist Klages zufrieden mit dem Schießstand im Eichenwäldchen. Er habe schon ganz anderes gesehen: „Da lief man im Notausgang genau vor die Flinten.“

 Auch bei den Einwohnerschützen in der Südstadt, schilderte Simone Sprick, werde man sich jetzt an die Arbeit machen. Auch dort gilt es, eine Liste abzuarbeiten. Schallschutz ist jedoch nicht das Problem, obwohl der Schießstand im Wohngebiet liegt, weil die Schießzeiten eingeschränkt sind.

 Umfangreicher werden die Arbeiten nur bei den Kyffhäusern in Deckbergen/Steinbergen. 16 Seiten lang sei die Liste, schildert Sonngard Vocht. Das liege auch daran, dass in den vergangenen Jahren nichts mehr investiert worden sei. Der dickste Brocken ist der Geschossfang, der komplett neu aufgebaut werden soll. Doch alles sei machbar, es brauche nur seine Zeit.

 In Todenmann wird außer Kleinkaliber und Luftgewehr auch mit dem Bogen geschossen. Diese Anlage, schildert der stellvertretende Vorsitzende Jörg Möller, sei aber nicht überprüft worden, weil Bogen nicht als Waffe gelten. Auf allen Schießanlagen wird nur mit Kleinkaliber oder Luftgewehr oder Luftpistole geschossen. Das macht die Sicherheitsrichtlinien noch übersichtlich. Eine ganz andere Welt sind Großkaliberwaffen. Die definiert sich in Joule, der physikalischen Einheit für Energie. Danach muss ein Kleinkaliberstand für 200 Joule gesichert sein, ein Großkaliberstand für 1500 Joule.

 Als einziger Verein in Rinteln hatten die Bürgerschützen einen Großkaliberstand, einen Pistolenstand. Dieser wurde vor etlichen Jahren geschlossen – genauso wie der Kleinkaliberstand auf 100 Meter. Doch ganz aufgeben habe man die Idee noch nicht, Pistolenschießen wieder anzubieten, schilderte Weiss. Aber das ist eine andere Baustelle, bestimmt nicht vor zwei Jahren zu realisieren. Als in Rinteln über die Auslagerung der Sportstätten am Steinanger diskutiert worden ist, hatte sich für die Sportschützen für ein paar Wochen eine völlig neue Dimension eröffnet: die Möglichkeit, eine moderne Schießanlage zu bauen. Doch das ist inzwischen Schnee von gestern. „Daran denkt niemand mehr“,“ sagt Weiss.

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