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Schlichte Ornamente statt bunter Bilder

Rinteln Schlichte Ornamente statt bunter Bilder

An den Fenstern der Stadtkirche St. Nikolai nagt der Zahn der Zeit. Im Herbst sollen sie erneuert werden.

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Kirchenvorstandsmitglied Heidegret Eikmeier hat sich an die Erforschung der Geschichte der Fenster gemacht.

Rinteln. Als am 4. April 1945 die Rintelner Weserbrücke gesprengt wurde, zerbarsten auch die Fenster der Stadtkirche St. Nikolai. Bis 1955 gab es eine Notverglasung, dann hat ein Marburger Glaskünstler mit Rintelner Wurzeln bis 1960 im Chorraum die fünf großen Fenster durch eine auf den ersten Blick schlichte Lösung mit Ornamentfenstern ersetzt, aber auch kleinere erneuert.

An diesen großen Fenstern nagt nun der Zahn der Zeit, Rost an den Eisenverankerungen gefährdet die Stabilität des Sandsteinmaßwerks. Im Herbst werden sie ausgebaut und saniert. Kirchenvorstandsmitglied Heidegret Eikmeier hat sich an die Erforschung der Geschichte dieser Fenster gemacht.

Eikmeier ist 2012 in die Redaktion des Gemeindebriefes „Einblicke“ der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden St. Nikolai, Johannis, Krankenhagen und der Kapellengemeinde Todenmann eingetreten. Die im Jahr 2008 pensionierte Lehrerin (Realschule und Orientierungsstufe) legte nach einem Besuch in der Josua-Stegmann-Kapelle Todenmann eine Serie über wenig bekannte Kostbarkeiten in Rintelner Kirchen auf.

Das Jubiläum „777 Jahre St. Nikolai“ nimmt sie nun zum Anlass, ein Jahr lang den Fokus auf die Stadtkirche zu legen – und ganz besonders auf die Fenster. Ohnehin ist sie mit Harald Scheibe, der auch für die Fotos zuständig war, Hauptautorin der Festschrift.

In einem ersten Beitrag für „Einblicke“ hat sie sich des kleinen Rundbogenfensters mit Darstellung von David und Goliath über dem Südportal gewidmet. Dieses wurde 1956 von der Glaskünstlerwerkstatt Klonk bei Marburg in einem VW Käfer nach Rinteln gebracht. Das erzählte ihr am Telefon Jakobus Klonk, Sohn des 1984 verstorbenen Glaskünstlers Eberhard Klonk.

Warum Klonk senior vom Kirchenvorstand damals ausgewählt wurde, will Eikmeier noch näher erforschen. So viel ist klar: Eberhard Klonks Vater war ab 1894 Zeichenlehrer am Gymnasium in Rinteln, bis er 1898 nach Marburg versetzt wurde. Sein Sohn verbrachte sein erstes halbes Lebensjahr noch in der Weserstadt. Als 1933/34 eine Renovierung von St. Nikolai anstand, lieferte Eberhard Klonk Entwürfe für die Neugestaltung der großen Chorfenster: biblische Darstellungen in bunten Farben.

„Die Entwürfe hängen heute noch im Gemeindebüro von St. Nikolai an der Wand“, erzählt Eikmeier. „Und sie sind ein Schatz, denn die meisten Entwürfe Klonks sind bei der Bombardierung Düsseldorfs im Archiv der dortigen Kunstakademie zerstört worden. Immerhin etwa 300 Kirchenfenster hat er gestaltet. Szenen aus den Entwürfen für Rinteln habe ich in der Herforder Münsterkirche gefunden, eingebettet in die dortigen großartigen Fenstergestaltungen. In Rinteln wurden sie abgelehnt, weil ihre Farbenpracht wohl zu sehr vom Altarbild abgelenkt hätte und die Kosten vielleicht auch zu hoch waren.“

Auch Anfang der fünfziger Jahre erinnerte sich der Kirchenvorstand dieser ja schon vorliegenden Entwürfe, war aber erneut dagegen. Er beauftragte aber immerhin Klonk mit einer Alternative. Für den Chorraum sollten es nun schlichte Ornamente sein, die auch Eikmeier auf den ersten Blick lange für unscheinbar hielt. „Doch bei bestimmten Lichteinwirkungen entfalten sie ihren besonderen Reiz, und man sollte sich ihnen aus verschiedenen Perspektiven nähern, dann ist es immer wieder anders“, schwärmt sie heute.

Aber Eikmeier hat auch die anderen Fenster im Visier: 1. David und Goliath über dem Südportal, 2. Moses und Jesaja über dem Nordportal, dazu dort das Rundbogenfenster, 3. die Fische-Darstellung über dem Westeingang des Kirchturms und die Rosette über dem Südportal. Mindestens zwei Beiträge will sie in diesem Jahr noch darüber für „Einblicke“ schreiben, vielleicht noch mehr im nächsten Jahr.

Bei ihren Nachforschungen wurde Eikmeier fündig in Aufzeichnungen des langjährigen Stadtarchivars Kurt Klaus, in alten Berichten der Lokalzeitung und in dem Buch „Das malerische Rinteln“ vom einstigen Journalisten und Heimatforscher Walter Maack, erschienen 1978 im Verlag C. Bösendahl. „Und schon Maack hat darin bedauert, dass 1955 nicht die älteren Entwürfe von Klonk bei der Fenstererneuerung zum Zuge kamen“, sagt Eikmeier.

Ihr Wunsch wäre es, den 82-jährigen Jakobus Klonk zu einem Besuch in diesem Jubiläumsjahr in St. Nikolai zu bewegen: „Dann könnte dieser sich die von ihm mit eingebauten Fenster vor dem nächsten Ausbau zur Sanierung noch einmal ansehen, so wie er sie kannte.“ dil

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