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Schüler horten kleine Schätze

Rinteln / Recycling-Kurs am Gymnasium Ernestinum Schüler horten kleine Schätze

72 Millionen alte Handys schlummern in Schubladen – voller Gold, Silber, Kupfer und anderer wertvoller Rohstoffe, ummantelt von Kunststoff. Diesen Schatz kann man heben, wenn man weiß wie. Recycling heißt das Zauberwort.

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Gymnasiasten lernen technische Schritte beim Recycling: Andreas Czymai erklärt die Funktion des Magnetabscheiders.

Quelle: tol

Rinteln (dil). Und wie das geht, darüber haben zwei Mitarbeiter der Universität Clausthal gestern rund 150 Gymnasiasten am Ernestinum aufgeklärt. Ihr Ziel: Schüler für den Wert der alten Mobiltelefone sensibilisieren und eine möglichst große Breitenwirkung erzielen. Rund 20 Gymnasiasten sollen zudem eine Woche in Clausthal von Wissenschaftlern lernen, um später als Multiplikatoren bei weiteren Schülern für ein Mitmachen zu werben.

 Fünf Stationen mit Darstellungsmodellen von Rohstofftrennung als Vorstufe des Recyclings haben Jochen Brinkmann und Andreas Czymai von der Kontaktstelle Schule/Uni aus Clausthal im Ernestinum vorgestellt. Chemielehrer Günter Böhm hatte dafür die mathematisch-naturwissenschaftlichen Klassen angesprochen. 60 Oberstufen- und 90 Mittelstufenschüler machten mit.

 Wie moderne Technik Gold, Silber, Kupfer, seltene Erden, Silizium und andere Wertstoffe aus Elektroschrott lösen kann, war zu sehen. Allemal besser, als dass ungeschützte Arbeiter in Ghana auf Elektroschrotthalden das Material mit den Händen auseinanderreißen. In Clausthal wird an modernen Methoden geforscht, in enger Zusammenarbeit mit der Industrie. Recycling ist ein Wirtschaftszweig mit großem Potenzial.

 Ein bisschen Potenzial will eine Schülerfirma am Ernestinum abschöpfen (wir berichteten), deren Mitarbeiter noch vor den Osterferien durch die Klassen des Gymnasiums gehen und für das Projekt Handyrecycling werben sollen. Böhm: „Schon in der 5. Klasse hat fast jeder ein Handy – und später mindestens ein altes in der Schublade.“

 Der stellvertretende Schulleiter Lars Büttner betont: „Wir wollen das Projekt auf ganz breite Beine stellen.“ Böhm ergänzt: „Aber erst mal müssen wir Kristallisationskerne bilden, im nächsten Schuljahr werden wir das Projekt dann vergrößern. Heute soll sich erst einmal eine Auswahl von Schülern mit dem Thema vertraut machen.Und im übernächsten Jahr ziehen wir dann eine erste Bilanz der Aktion. Der Erfolg ist abhängig von der Resonanz der Schüler.“

 „Für eine Tonne Gold muss man 200000 Tonnen Erde bewegen“, klärte Czymai auf. „Recycle ich eine Tonne Gold aus Elektroschrott, brauche ich davon nur 70000 Tonnen.“ Aber solche Mengen zusammenzutragen, erfordert viel Basisarbeit. Siebe, Magnetabscheider, Wasserspülmethoden und chemische Prozesse besorgen später die Materialtrennung.

 „Die Schüler sollen sehen, was sie hier lernen, ist nutzbares Wissen“, sagt Böhm. Und die Universität hofft, dass einige Schüler so zu begeistern sind, dass sie später Ingenieurwissenschaften studieren. Brinkmann: „Gerade an Ingenieuren fehlt es doch unserer Wirtschaft.“

 Nächstes Jahr soll das Thema Recycling beim Uni-Tag im Gymnasium mit Vorträgen und Workshops vertieft werden. Diesmal war nur der Auftakt. 2013 wird die Uni Clausthal dann auch wieder ihre Studiengänge vorstellen.

 Wie man an möglichst viele Handys kommt, erscheint auch Böhm nicht leicht. „Für viele Schüler haben die ja immer noch einen Wert, und bei uns erhalten sie nichts dafür. Aber Hauptsache ist, sie landen nicht eines Tages einfach nur in der Mülltonne.“

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