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Diebstähle in der Gastronomie Sehr beliebt: Decken mit Logo

Etwas Schwund ist immer – das können die meisten Gastronomen in der Rintelner Altstadt bestätigen. Es geht um die Gäste und um das, was sie gerne mitgehen lassen. Eine Hochburg des Klauens ist die Weserstadt zwar nicht, doch ungeschoren kommt kaum ein Gastronomiebetrieb davon.

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RINTELN. In der Eisdiele „Rialto“ verschwindet immer mal wieder eine der Speisekarten mit ihren Hochglanzfotos der Eisbecher. „Ob sich da vielleicht Konkurrenten Anregungen holen wollen?“, fragt Inhaber Ivano Polese halb im Spaß. Er nimmt das gelassen, ebenso wie die Tatsache, dass ständig Eislöffel verlustig gehen. Ärgern tut er sich allerdings über Gäste, die seine Servicetheke als Selbstbedienungstheke missverstehen. „Manche greifen einfach so in das Glas mit den Kaffee-Keksen“, sagt er. „Dabei müsste man eigentlich nur fragen.“

Gegenüber, im Restaurant „Bodega“, kann die langjährige Angestellte Jazzi eine ganze Liste von geklauten Sachen aufstellen. Aschenbecher mit Reklame-Aufdruck sind der Renner unter den Diebstählen.

Auch Toilettenpapier gehört zum Diebesgut

„Und wir müssen immer gut auf die Rinteln-Decken aufpassen, da sind schon so einige verschwunden“, sagt sie. Die kleinen „Bodega“-Dessertteller, auf denen sie früher die Rechnungen präsentierten, nutzen sie schon gar nicht mehr, so beliebt waren diese zum Mitgehenlassen. „Auch von unseren guten Teelicht-Leuchten sind schon welche gestohlen worden“, so Jazzi. Und sie frage sich immer noch, wie jemand es geschafft hat, ein leuchtendes Display aus dem Laden zu schmuggeln.

Auch Kellnerin Alex aus der „Marktwirtschaft“ staunt manchmal über die Diebes-Energie von einzelnen Gästen. „Rinteln-Gläser“ gehen ebenso weg wie Toilettenpapier-Rollen und die künstlichen Blumen im WC, wo sogar mal ein ganzes Glas mit bereitgestellten Tampons verschwand. Auch von der hübschen Tischdeko in Form von Flaschen mit LED-Blümchen wurde bereits eine eingesteckt. „Immerhin – die meisten Leute fragen, wenn sie gern einige von den besonderen Bierdeckeln hätten“, sagt Alex.

„Bei uns klauen sie alles, was nicht niet- und nagelfest ist“

Im „Stadtkater“ heißt es, dass die Gäste weder an den Rinteln-Decken noch den Rinteln-Gläsern sonderlich interessiert seien. Höchstens Zubehör zum Kaffee, wie beispielsweise Zuckerpäckchen, würden ab und zu mitgenommen.

Im „Mosquito“ gibt es anscheinend nur ehrliche Gäste. Weder Gläser noch Aschenbecher, weder Besteck noch die Töpfe mit Gartenkräuter, die auf den Tischen stehen, seien jemals abhandengekommen. „Oder wir haben es nur nicht bemerkt“, meint lächelnd einer der Angestellten.

„Bei uns klauen sie alles, was nicht niet- und nagelfest ist“, beklagt „Stadt Kassel“-Geschäftsführer Lutz Krüger-Brandt, nimmt das aber dann doch zurück. In Wirklichkeit wisse er nicht so genau, welche Dinge verschwinden. Sicher, im Hotelbetrieb werde es nicht anders sein als überall, nämlich dass Gäste Handtücher einstecken. Da sie aber alle Wäsche über eine Leasing-Firma bezögen, würde der eigene Betrieb das gar nicht mitbekommen.

Vorfälle bleiben Straftaten

Tatsache ist: Egal, wie wenig wert ein Gegenstand zu sein scheint – wer ihn mitgehen lässt, begeht einen Diebstahl, also eine Straftat. „Und der kann zur Anzeige gebracht werden“, erklärt Tamara Ehrmantraut-Riechers, bei der Polizei Leiterin des Streifen- und Einsatzdienstes. „Prinzipiell wird jeder angezeigte Diebstahl von uns verfolgt.“ Das sei kein Kavaliersdelikt. „Das ist nicht anders, als ob man im Supermarkt etwas einsteckt, und koste es auch nur wenige Cent.“

Immerhin: So mancher Gast bekommt doch ein schlechtes Gewissen. Manchmal tauchen entwendete Rinteln-Decken am nächsten Morgen wieder an ihrem alten Platz auf. Und: Die Produkte mit Stadt-Logo kann man legal erwerben – unter anderem in der Tourist-Info. cok

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