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Senioren statt Flüchtlinge

Was passiert mit der Jugendherberge? Senioren statt Flüchtlinge

Die einstige Jugendherberge hat einen neuen Besitzer. Und der ist sauer. Aimo Würfel hat das Haus Im Bären 1 vom Jugendherbergsverband erworben, der Kaufvertrag müsse nur noch notariell beglaubigt werden, und wollte es nun als Flüchtlingsunterkunft an den Landkreis Schaumburg vermieten, der händeringend nach Wohnungen für Flüchtlinge sucht. Doch der hat abgelehnt.

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 Der neue Besitzer sieht Platz für 150 Flüchtlinge in der ehemaligen Jugendherberge – eine Ansicht, die von der Stadt Rinteln nicht geteilt wird. tol

Rinteln. Dabei habe alles zunächst recht verheißungsvoll angefangen, sagt Würfel, der die Ablehnung nicht nachvollziehen kann.

 Vor etwa anderthalb Wochen habe er dem Landkreis das Objekt angeboten. „Der Mitarbeiter, mit dem ich sprach, kannte die Jugendherberge sogar bereits und signalisierte Interesse“, berichtet Würfel. Allerdings habe er dann nichts mehr vom Landkreis gehört. Bis Donnerstag. Da habe man ihm gesagt, dass der zuständige Mitarbeiter im Urlaub sei. Tags drauf habe man dann nach nochmaligem Nachfragen sein Angebot abgelehnt. Mit der Begründung: „Wir können Rinteln nicht noch mehr Flüchtlinge zumuten“, zitiert Würfel eine Mitarbeiterin aus der Verwaltung.

 Würfel hat für dieses Argument kein Verständnis. „Die Medien sind doch voll davon, dass dringend Wohnraum für die Flüchtlinge gesucht wird, und dann wird eine ehemalige Herberge abgelehnt?“

 Als Nächstes wandte sich Würfel an die Stadt Rinteln. „Dort sagte man mir, dass das Haus nicht für Übernachtungen geeignet sei“, schildert er kopfschüttelnd. „Dabei haben dort doch jahrelang Kinder geschlafen.“ Außerdem, so die Stadt weiter, würde das Haus nicht den aktuellen Brandschutzerfordernissen gerecht. „Aber das weiß ich selbst“, sagt Würfel dazu. „Die nötigen Brandschutzmaßnahmen kann ich aber bis zum 1. November erfüllen.“

 Auf Anfrage beim Landkreis Schaumburg teilt Pressesprecher Klaus Heimann mit: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben wir kein Interesse an einer weiteren Sammelunterkunft in Rinteln.“ Begründung: Dort gebe es bereits zwei Flüchtlingsheime und mit der Prince Rupert School in Kürze eine Notunterkunft für 600 Flüchtlinge. Die Weserstadt sei bereits weitgehend ausgelastet.

 „Rinteln hat schon eine sehr hohe Anzahl an Flüchtlingen. Wir müssen versuchen, die Menschen gleichmäßig auf die Kommunen zu verteilen. Außerdem wollen wir an der dezentralen Unterbringung festhalten“, führt Heimann aus. Es sollen erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor – speziell in Rinteln – weitere Sammelunterkünfte eingerichtet würden.

 Bei der Stadt Rinteln habe man sich von Würfel und seinem Angebot überrumpelt gefühlt, teilt Elena Kuhls, die Stellvertreterin von Bürgermeister Thomas Priemer, auf Anfrage mit. „Es wurde uns kein Konzept vorgelegt, das wir uns erst mal hätten ansehen können, es hat kein Gespräch stattgefunden“, sagt Kuhls. Zudem gebe es Zweifel an der Aufnahmekapazität von 150 Menschen. „Diesen Platz sehen wir dort nicht“, sagt Kuhls. Dazu komme, dass der Brandschutz nicht den heutigen Ansprüchen gerecht werde. Ganz davon abgesehen handele es sich um ein Projekt, das mit dem Landkreis abgestimmt werden müsse. Auch die Stadt Rinteln wolle am dezentralen Unterbringungskonzept festhalten und unabhängig von Würfels Idee keine weitere Sammelunterkunft in der Stadt, die Platz für 50 Menschen überschreitet.

 Stattdessen kann Aimo Würfel jetzt vielleicht seinen ursprünglichem Plan umsetzen. Gemeinsam mit seiner Frau will er dort eine Senioren-Wohngemeinschaft entstehen lassen. Das Konzept liege der Stadt bereits vor. pk

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