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Sewald oder Bartling – Entscheidung wird knapp

Rinteln / Kandidatur Sewald oder Bartling – Entscheidung wird knapp

Wenn am 16. März die 96 Delegierten des Wahlkreises 38 Hameln-Rinteln im Baxmann-Zentrum in Hessisch Oldendorf ihren Kandidaten für die Landtagswahl am 20. Januar 2013 küren, ist das auch ein internes Rinteln-Duell: Heiner Barting gegen Thomas Sewald.

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Da wollen sie rein: Thomas Sewald (l,) und Heiner Bartling bewerben sich um die SPD-Landtagskandidatur im Wahlkreis 38. Fotomontage: tol

Rinteln.  Rinteln (dil). Der Steinberger Bartling, seit 1986 im Landesparlament, setzt auf seinen Bekanntheitsgrad, Sewald, Jahrgang 1961, auf den Wunsch nach unverbrauchten Gesichtern in der Politik.

 Sewald ist in Rinteln als Diplom-Ingenieur und technischer Leiter der Stadtwerke in der Bevölkerung keineswegs ein Unbekannter. Er will sich auch nicht das Etikett eines politischen Neulings verpassen lassen. Halb im Ernst, halb im Scherz stellt er richtig: Als stellvertretender Unterbezirksvorsitzender in Hameln, Kommunalpolitiker im Sünteltal, stellvertretender Verbandsvorsitzender des Wasserbeschaffungsverbandes und Delegierter des Bundesparteitages wisse er durchaus, wie Politik funktioniert, was ein Förderprogramm ist, wie Verwaltung und Ministerien arbeiten. Sewald verweist auch auf seine langjährige Erfahrung im Management. Teamwork kenne er sowieso schon lange, scherzt er. Immerhin war er Deutscher Hochschulmeister im Doppelvierer ohne Steuermann.

 So viel ist sicher. Es wird am 16. März knapp und nicht kalkulierbar. 47 Delegierte sind aus Hameln, 25 aus Rinteln, 24 aus Hessisch Oldendorf.

 Dass sich Bartling seiner Sache keineswegs hundertprozentig sicher ist, ließ sein Auftritt beim Rintelner Stadtverband am Mittwochabend ahnen. Er hoffe, dass Rinteln vollzählig in Hessisch Oldendorf vertreten sei, ließ er die Genossen wissen. Bei dem gerade neu gewählten Vorsitzenden Bernd Wübker kam die Botschaft an. Wübker appellierte umgehend an alle Ortsvereinsvorsitzenden, jeden Delegierten in der nächsten Woche persönlich anzurufen und auf den Termin aufmerksam zu machen: „Nicht dass da einer ausgerechnet an diesem Tag den Geburtstag seiner Schwiegermutter feiern will.“ Zur Not habe man stellvertretende Delegierte. Wübker kündigte an, er werde persönlich Delegierte mitnehmen, um sicher zu sein: „Die sind auch da.“

 Doch selbst das, räumt Bartling ein, sei keine Garantie. Die Wahl sei geheim, die Delegierten seien frei in ihrer Entscheidung und nicht an das Votum ihrer Verbände gebunden. „Was im Kopf eines Delegierten vor sich geht, weiß niemand.“

 Bartling erklärte im Hotel „Stadt Kassel“, was ihn antreibt, als 65-Jähriger nicht nur noch einmal anzutreten, sondern sogar seinen bisherigen Wahlkreis 37 (Schaumburg) zu wechseln, den er bei der vorigen Landtagswahl direkt gewonnen hat. Es sei es leid, „in dem Bereich, in dem ich lebe und wohne, von Otto Deppmeyer vertreten zu sein“. Ein Wahlsieg werde gebraucht, um das politische Klima in Hannover zu ändern, das nach seiner Meinung von der Maxime geprägt sei: „Wir können machen, was wir wollen.“

 Doch Bartling blieb auch Realist: Leider könne er zurzeit noch keine Wechselstimmung bei den Wählern erkennen, den Willen, CDU/FDP abzulösen: „Daran müssen wir arbeiten.“

 Wolfgang Foerstner, Elder Statesman bei der heimischen SPD, kennt Sewald, hält aber Bartling für den in diesem Fall geeigneteren Kandidaten: Wenn es knapp werde, habe Bartling aufgrund seines Bekanntheitsgrades die besseren Chancen. Und Sewald vergebe sich nichts, „dem läuft doch nichts davon, Sewald kann doch in fünf Jahren erneut antreten“. Dann, so Foerstner, könnten die Hamelner auch mit Recht darauf verweisen, dass jetzt ihr Kandidat an der Reihe wäre.

 Sewald hat in der Hamelner Kommunalpolitik einen Namen und weiß seinen Ortsverein hinter sich, der in der Organisationsform mit dem Stadtverband in Rinteln gleichzusetzen ist. Gegen Ole Schütza und Elmar Alexander Windeler aus den eigenen Reihen, die sich in Hameln mit beworben hatten, hat er sich schon durchgesetzt: 63 Prozent aller Stimmen im Ortsverein für Sewald sind eine klare Mehrheit.

 Dazu kommt: Zu Bartling haben die Hamelner eine eigene Meinung. Was Bartling als seine Stärke sieht, seine Erfahrung und die Chance, bei einem Regierungswechsel erneut in ein Ministeramt zu kommen, sieht der Hamelner Ortsvereinsvorsitzende Werner Sattler zum Erstaunen der Rintelner Genossen als Nachteil. Er drückte das vor der Presse so aus: „Wir brauchen keinen Landtagsabgeordneten, der noch einmal Minister werden will, sondern jemand, der sich um den Wahlkreis kümmert.“

 Sein Kalkül: Bartling würde, wenn gewählt, nur eine Wahlperiode machen, danach stünden die Hamelner erneut vor dem Problem, um einen Kandidaten kämpfen zu müssen. Dann besser Sewald jetzt aufbauen. Auch Sewald selbst bezweifelt, dass Bartling als Minister noch die Zeit finden würde, sich um seinen Wahlkreis so intensiv zu kümmern, wie der das nötig hätte.

 In Rinteln war man über einen derart harschen Ton aus Hameln etwas erstaunt. Eigentlich sei die Rede davon gewesen, dass nach der vergeblichen zweiten Kandidatur von Volker Brockmann aus Hameln im Jahr 2008 dann 2013 ein Kandidat aus Rinteln zum Zuge kommen sollte.

 Seit Juni 2010 war eine Findungskommission mit Mitgliedern aus den Stadtverbänden Hameln, Hessisch Oldendorf und Rinteln auf der Suche nach Kandidaten. Sewald sagt, seit eineinhalb Jahren sei klar gewesen, dass er antreten wolle. „Wir wollten nur vor den Kommunalwahlen noch keine Namen nennen.“ Da sei noch nicht klar gewesen, ob Bartling überhaupt noch mal antreten werde, schon gar nicht im Wahlkreis Rinteln-Hameln. Bartling sei erst viel später vom Rintelner Stadtverband ins Gespräch gebracht worden.

 Ein Zwist, der bei den Vorstellungsrunden, die Sewald und Bartling bisher gemeinsam absolviert haben, keine Rolle spielte. Letzte Stationen werden am Montag ein gemeinsames Gespräch mit dem Unterbezirksvorstand Hameln-Pyrmont und am Dienstag eines beim Stadtverband Hessisch Oldendorf sein.

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