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Sexuelle Übergriffe nicht bewiesen

Rinteln/Bückeburg / Missbrauchsprozess Sexuelle Übergriffe nicht bewiesen

Die Zweifel wiegen schwer - zu schwer: Im Missbrauchsprozess gegen einen Rintelner (60) hat das Landgericht in Bückeburg den Angeklagten freigesprochen. Vorgeworfen hatte ihm die Staatsanwaltschaft, sich in 37 Fällen an seiner anfangs neun Jahre alten Stieftochter vergangen zu haben.

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Quelle: dpa

Rinteln/Bückeburg. Vor Gericht stand Aussage gegen Aussage. Eine Sachverständige kam zu dem Schluss, dass die Angaben des Mädchens nicht glaubhaft sind. Widersprüche gab es zum Beispiel bei den Orten. Abläufe, einmal klar erinnert, hätten später „von Vernehmung zu Vernehmung variiert“. Schilderungen seien „farblos und emotionsarm“ gewesen.

 „Mit der Sachverständigen sieht das Gericht unverständliche Widersprüche und unerklärliche Erinnerungslücken“, fasst die Richterin, Birgit Brüninghaus, zusammen, Vorsitzende der 1. Großen Jugendkammer. „Auto- oder Fremdsuggestion drängt sich regelrecht auf.“ Das heißt: Die Mutter oder eine Therapeutin könnten Schilderungen der Zeugin in diese „hineingefragt“ haben. „Die Mutter hatte einen Verdacht“, erklärt Brüninghaus. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Tochter das gespürt hat.“

 Was nicht heißt, dass das Mädchen bewusst gelogen haben muss. Suggerieren bedeutet einreden oder beeinflussen. „Eine Person glaubt dann selbst daran, diese Dinge erlebt zu haben“, erklärt Staatsanwalt Wilfried Stahlhut. Vielleicht hat es die sexuellen Übergriffe aber auch gegeben. Das Gericht schließt dies zumindest nicht aus. Entschieden hat die Kammer im Zweifel für den Angeklagten. Diese Zweifel seien „so stark, dass sie es nicht erlauben, ihn als überführt anzusehen“.

 Nach dem Gutachten hatte auch Staatsanwalt Stahlhut auf Freispruch plädiert. Außer der Aussage des Mädchens gebe es keine Beweismittel. „Es kommt selten vor, dass ich mich auf die Ausführungen der Staatsanwaltschaft berufe“, sagte Verteidiger Marco Vogt. Diesmal schon. Völlig anders beurteilt Opferanwältin Heidi Saarmann den Fall. Sie glaubt ihrer Mandantin, hält ein neues Gutachten für sinnvoll und fordert für den Angeklagten fünfeinhalb Jahre Haft.

 Fest steht, dass die Heirat ein Irrtum war. Vom Eheleben hatte das Paar, das sich erst wenige Wochen kannte, unterschiedliche Vorstellungen: „Er trank zu viel Alkohol, kleidete sich nachlässig und schaute sich Pornos an“, zählt Richterin Brüninghaus auf. Dagegen die Mutter: Bildung und feste Moralvorstellungen. Aus Angst vor Abschiebung hielt sie die Ehe aufrecht und ließ die Bombe erst beim Scheidungstermin platzen.

 Zu den Vorwürfen schwieg der Rintelner, äußerte sich aber zu einer anderen Szene. Angeblich hat er seine Frau mit einem Messer bedroht. Der Angeklagte beteuert, er habe lediglich das Telefonkabel durchschneiden wollen. „Dass sie da einen Schock bekommen hat, will ich gerne verstehen“, erklärte der 60-Jährige, bezogen auf die Tochter. „Da könnte ich mich für entschuldigen.“ ly

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