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Shakespeare als Seifenoper

Rinteln / Theater Shakespeare als Seifenoper

Der Schauspieltruppe von „Shakespeare und Partner“ ist Shakespeare kein Heiliger Gral, sondern ein Volksdichter, dessen Stücke zu allererst amüsieren sollen, so wie wohl damals in der elisabethanischen Zeit, als die Menschen erstmals zuhauf in die Theater strömten.

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Die vielen Zwillingspaare in dem Stück reizten das Verwechslungsspiel bis zum Letzten aus.

Quelle: tol

Von Cornelia Kurth

Rinteln. Man spielte auf offener Bühne, und so bescheiden oft die Ausstattung, so draufgängerisch warben die Schauspieler um die zahlenden Gäste. Für so einen Kontext entstand Shakespeares erstes Stück, die „Komödie der Irrungen“, die am Donnerstag im Brückentorsaal gegeben wurde.

 Da also verkaufen die Schauspieler vor Spielbeginn das Programmheft. Immer wieder nehmen sie Abstand von ihrer Rolle und witzeln mit den Leuten im Saal. Sie setzen ganz auf die Fantasie des Publikums, das sich nicht nur alle Bühnen-Räume selbst vorstellen, sondern auch akzeptieren muss, dass jeder Akteur mehrere Rollen spielt.

 In der „Komödie der Irrungen“ kommt hinzu, dass zwei männliche Zwillingspaare die Bühne beherrschen und das Verwechslungsspiel bis zum Letzten ausreizen. Damit das gut gelingt, müssen die Schauspieler großartig sein. Und das waren sie, alle.

 Um zwei Herren und zwei Diener geht es, jeweils Zwillingsbrüder, als Babys schon getrennt. Das eine Herr-Diener-Paar lebt in Syrakus, das andere ist gerade fremd in der Stadt angekommen.

 Die Herren heißen beide Antipholus (Andreas Erfurth), die Diener beide Dromio (Sebastian Bischoff), und schnell entsteht überall da, wo das angereiste Zwillingspaar erscheint, ein heilloses Durcheinander, das sämtliche Beziehungen gefährdet, da immer das eine Paar verantwortlich gemacht wird für das, was das andere tat.

 So springt das Geschehen von Slapstick zu Slapstick, und das wird forciert von Regisseur Kenneth Philip George, der sein Augenmerk ganz auf das Klamaukige des Stücks legt und dabei darüber hinwegsieht, dass Shakespeare bereits in seiner ersten Komödie das Geschehen durchaus für eine Inszenierung anlegte, die Ingeborg Bachmann im Gedicht „Böhmen liegt am Meer“ so umschreibt: „Spielt die Komödien, die lachen machen. Und die zum Weinen sind.“

 Ja, es ist sehr witzig, wie der Schmuckhändler (Dierk Prawdzik) verzweifelt, weil der eine Zwilling die Goldkette nicht zahlen will, die der andere Zwilling erhielt; wie die beiden Diener mit fatalistischem Humor hinnehmen, dass sie ungerechte Prügel bekommen; wie Ehefrau (Rike Joeinig) wegen der vermeintlichen Untreue ihres Mannes zetert, und ihre Schwester (Jillian Anthony) nicht fassen kann, dass ihr „Schwager“ um sie wirbt. Auch dass Kai Frederic Schrickel nicht nur den traurigen Vater der Antipholusse spielt, sondern auch den Herzog der Stadt und einen bizarren Büttel, es hat klar Unterhaltungswert.

 Doch wozu die tiefgründige Shakespearesprache, wenn sie nur hysterischen Ausdruck findet? Wie sollen Missverständnisse interessieren, wenn man die Tragik ihrer Folgen nur veralbert? Was geht einen das Happy End an, wenn die Gefühle der Personen zuvor niemals ernst genommen werden?

 Die Meinungen der Zuschauer waren geteilt. „Das genau ist Shakespeare-Volkstheater, eine Soap eben“, so sahen es viele.

 Tatsache ist: Es gab, zu Recht, rauschenden Beifall für eine Truppe, die ihr Handwerk einfach großartig beherrscht.

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