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„Showgeschäft wichtiger als Realwirtschaft“

Rinteln / Senioren-Union „Showgeschäft wichtiger als Realwirtschaft“

Martin Kind ist Unternehmer mit Leib und Seele. Für die Senioren-Union Rinteln warf er einen Blick auf seine Tätigkeit als Präsident von Hannover 96.

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Von Jakob Gokl. „Für mich war klar, Bundesligafußball ist ein Wirtschaftsunternehmen“, erklärt er gleich zu Anfang, bevor er auf die vielfältigen Fragen der Gäste im Hotel „Stadt Kassel“ einging. Vor 16 Jahren übernahm Martin Kind den Verein. Damals sei Hannover 96 verschuldet und ineffizient gewesen. Er habe den Verein saniert, wirtschaftlich gemacht, und dadurch seit 13 Jahren fest in der 1. Bundesliga verankert, zeigte sich Kind stolz.

 Offen erzählte er von Problemen und der einmaligen Chance, die zum Bau der HDI-Arena geführt hat. „Man muss wohl gedacht haben, da kommt ein Gehirnkranker“, meint er heute. Doch letztlich habe er die Verantwortlichen von dem großen Projekt überzeugen können. „Und wir haben nicht einen Euro mehr investiert, als wir geplant hatten.“ Damit weckte er das Interesse von Bauamtsleiter Reinhold Koch, der sich gleich erkundigte, ob es denn eine öffentliche oder geschlossene Ausschreibung gewesen sei. „Es gab gar keine“, antwortete Kind lächelnd. „Das ist mein Vorteil als Privatinvestor, die Stadt hätte alles ausschreiben müssen.“

 Kritische Töne kamen dann von einem Fan der „alten Generation“, der mit rot-schwarzem Schal angereist war. Er wollte wissen, wieso denn alles auf Grün-Weiß umgestellt werde. Das erklärte Kind mit der wichtigen Markenidentifikation. Ihm wäre es lieber gewesen, alles auf eine Farbe umzustellen. Er habe diese Auseinandersetzung mit den Fans allerdings nicht führen wollen, denn: „Man sollte nur Kriege führen, die man auch gewinnen kann.“

 Die vielen Fragen rund um Jugendmannschaften, den Vertragsauslauf von Mame Diouf, aber auch den Umgang mit medizinischen Entscheidungen der Spieler beantwortete Kind ausführlich. Lediglich bei einem Thema blieb er einsilbig. Welcher Stürmer werde denn im Herbst verpflichtet? „Ein Guter“, meinte Kind wie aus der Pistole geschossen und ging schon auf die nächste Frage ein.

 Dafür bot er ein paar Einblicke zum Absprung des Sponsors TUI. „Sie hatten das beste Logo“, zeigte er sich traurig und erklärte kurz die interne Situation der TUI, die dazu führte, dass diese ihr Engagement beendete. Ob Continental eine mögliche Alternative sei, beantwortete er dagegen nur kurz mit einem Kopfschütteln. Er wolle sich jetzt national nach einem Sponsor umsehen und sich nicht weiter regional beschränken.

 Etwas ernüchtert zeigte Martin Kind sich über die öffentliche Wahrnehmung. Sein ganzes Leben habe er die erfolgreiche Kind-Hörgerätegruppe aufgebaut und niemand habe es interessiert. Jetzt arbeite er seit 16 Jahren beim Fußball und stehe plötzlich im Rampenlicht. „Aber Showgeschäft ist halt viel wichtiger als Realwirtschaft.“

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