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Sie möchte die Welt bunter machen

Rinteln Sie möchte die Welt bunter machen

„Vor mir ist nichts sicher“, erklärt Martina Meißner lachend. „Die Taschenuhr war mein erstes Stück“, erzählt sie und zeigt eine große schwarze Tasche mit eingeklebter Uhr.

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Martina Meißner mit ihrer selbst gemachten Puppe Fritz Kalle Kokolores alias FKK.  jak

Von Jakob Gokl . Noch eines ihrer simpleren Werke, wie schnell klar wird. Ein ganz besonderes Stück ist eine gehäkelte Puppe, etwa einen Meter groß, namens Fritz Kalle Kokolores – kurz FKK. Und der Name ist Programm, wie Meißner demonstriert, indem sie ihm flugs die Hose runterzieht und ihn der Freikörperkultur frönen lässt.

 Die gelernte Buchhändlerin hat sich ihr Handwerk selber beigebracht. Lediglich Grundkenntnisse über Stricken, Häkeln und Nähen hatte sie noch aus dem Schulunterricht. Mit überbordender Kreativität stürzt sie sich von einem verrückten Projekt ins Nächste, designt T-Shirts, Kleider und Flip-Flops, häkelt Kissen in Tortenform, strickt einen farbenfrohen Überzug für ihr Fahrrad und die Laterne vor dem Haus, bastelt Figuren aus übrig gebliebenem Holz oder aus Pappmaché. Mit ihrem bunten Fahrrad, ausgefallenen Taschen und selbst gemachten T-Shirts fährt sie durch Rinteln und erregt damit einiges an Aufsehen.

 Gerade ihr Fahrrad sei natürlich ein Blickfang, der am Marktplatz auch regelmäßig fotografiert werde. Anfangs sei sie zwar noch gefragt worden: „Willst Du damit wirklich fahren?“ Aber klar doch. Auch Fritz Kalle Kokolores alias FKK hat schon den ein oder anderen Ausflug hinter sich.

 „Er war ja nackig, als ich ihn geschaffen habe“, erzählt Meißner, die sich noch immer sichtlich über ihr Werk amüsiert. „Also musste ich ihn erst mal einkleiden.“ Während Meißner passende Kleidung suchte, saß FKK – seinem Namen entsprechend – nackt auf einem Kleiderständer. „Die Verkäuferinnen haben sich gar nicht mehr eingekriegt“, erinnert sie sich.

 Kreativität

 als Ausgleich

 Kreativ sei sie schon immer gewesen, erzählt die Rintelnerin, doch intensiv habe sie ihr Hobby erst betrieben, als sie ihre demenzkranke Mutter pflegen musste. „Es war ein wichtiger Ausgleich für die intensive Pflege“, beschreibt sie rückblickend. „Alles, was ich mache, sind Einzelstücke“, erklärt die Hobby-Designerin. Sie arbeitet immer ohne Schnitte und Schablonen. Und um neue Ideen brauche sie sich nie Sorgen machen, die kämen einfach angeflogen. „Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt“, beschreibt sie. Doch nicht jede Idee lässt sich sofort umsetzen, dafür seien es einfach zu viele und teilweise zu aufwendig. Und oft genug ruft schon vor der Vollendung des einen Projekts der kreative Drang nach dem Beginn des Nächsten. Gerade hat sie eine bunte Decke aus Stoffresten vollendet, und das nächste Stück ist schon geplant: ein Schneemann im Blumentopf.

 Ein Design-Traum ging bislang noch nicht in Erfüllung. Ein riesiges, buntes, selbst gemachtes Altartuch, das eine befreundete Künstlerin entworfen hat und sogar schon in Kirchen im Einsatz ist, hat die Rintelnerin zum Nachahmen angeregt. „Aber das wäre ein riesiges Projekt, alleine die Kosten…“, gibt sie zu bedenken. Denn Geld verdienen kann Meißner mit ihrer Kunst nicht. „Ich mache das alles nur für mich“, erklärt sie.

 Gewinn lässt

 sich nicht machen

 Hin und wieder würden sich zwar Menschen melden, die das eine oder andere Stück gerne haben würden. Aber Gewinn lasse sich daraus nicht schlagen. „Der Preis liegt meist nicht über den Materialkosten.“ Es wäre natürlich ein Traum, mit den eigenen Werken auch Geld verdienen zu können. Aber das ist schwer, gerade in einer kleineren Stadt, erklärt Meißner. Und natürlich wäre es toll, die eigenen Stücke eines Tages in Rintelner Schaufenstern zu sehen, doch um das selber zu initiieren, dafür sind die Berührungsängste noch zu groß.

 Bis dahin beschränkt sie sich darauf, ihre Werke im Internet (www.tinnymey.blogspot.de) zu präsentieren, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und hin und wieder eine Tasche zu verkaufen. Dass auf diese Weise die eine oder andere Tasche von ihr durch Deutschland getragen werde, das freut sie ganz besonders.

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