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Sie stirbt, er weint

„Love Story“ im Brückentorsaal Sie stirbt, er weint

Als die „Love Story“ im Brückentorsaal Rinteln zu Ende ging, hörte man hier und da ein Schluchzen im Publikum, und Tränen wurden verstohlen weggewischt. Das Musical, aufgeführt vom Theater für Niedersachsen (TfN), hat kein Happy End, genau so wenig, wie der Roman von Erich Segal, der 1970 erschien und 20 Millionen Mal verkauft wurde, und der gleichnamige Film, der 100 Millionen Dollar einspielte.

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Der reiche Vater (Jens Krause), die Mutter (Laura Mann), Jennys Vater (Alexander Prosek) und das gesamte Team reißen das Publikum zu begeistertem Applaus hin.

Quelle: TOL

RINTELN. Literaturkritiker hielten es schon immer für ein Rätsel, warum die „Liebesgeschichte“ derartig einschlagen konnte. Dem Publikum war das schon immer egal. Das TfN mit seiner Truppe rund um Regisseur Jörg Gade ändert auch in der Musical-Fassung nichts an der Geschichte, von der es im „Spiegel“ damals hieß, an ihr sei nichts weiter interessant als ihr Erfolg.

Sie handelt vom Studenten Oliver, der, gegen den Willen seines einflussreichen Vaters, die aus einer italienischen Einwandererfamilie stammende Musikstudentin Jenny heiratet, deshalb enterbt wird und sich erst dann wieder seiner Familie annähert, als Jenny, gerade 25 Jahre alt, an Leukämie verstirbt. „Sie stirbt, er weint und aus ist die Story“, so stand es 1970 in der New York Times.

Kindisches Aufbegehren gegen den Vater

Tatsächlich kann man – was viele taten – die „Love Story“ insgesamt als „reaktionär“ bezeichnen. Olivers Aufbegehren gegen seinen reichen Vater wirkt eher kindisch, zumal er dann selbst damit einverstanden ist, dass die hochmusikalische Jenny seinetwegen ihre Karriere aufgibt, um ihm das Jurastudium und damit einen seiner Familie angemessenen Stand in der Gesellschaft zu ermöglichen. Als Jenny, die zu allem Unglück leider keine Kinder bekommen kann, schließlich herzzerreißend stirbt, wirkt es fast, als sei ein Störenfried verschwunden.

Die „Love Story“ auf diese Weise zu erzählen, wird der Sache aber doch nicht gerecht. Autor Erich Segal, Sohn eines Rabbiners und damals ein sehr junger Literaturprofessor, bereichert die Geschichte der nicht unkomplizierten Annäherung von Oliver und Jenny mit witzigen Dialogen („Warst du auf dem Klo, als die Herzen vergeben wurden?“, oder: „Sie ist süß, aber katholisch“), und es gibt immer wieder nachdenkliche Sätze, etwa als Jenny mit dem störrischen Oliver über sein Verhältnis zum Vater streitet: „Wie willst du selbst denn Vater sein, wenn du nicht mal Manns genug bist, ein Sohn zu sein.“ Die „Love Story“ hätte Potenzial zu einem unkonventionelleren Ende gehabt.

TfN setzt auf Tradition

Das TfN aber setzt auf die Tradition und bewegte damit die Herzen der meisten Zuschauer, ganz so, wie es der „Love Story“ von Beginn an gelang. Elisabeth Köstner als Jenny ist genau so süß wie ihr literarisches Vorbild und überzeugt mit Spiel und Gesang ebenso wie Jürgen Brehm als Oliver. Der reiche Vater (Jens Krause), die Mutter (Laura Mann), Jennys Vater (Alexander Prosek) und das gesamte Team rissen das Publikum zu begeistertem Applaus hin.

Die eher unauffälligen Songs wurden vom großartigen Orchester unter der Leitung von Andreas Unsicker mit Leben gefüllt, und nicht zuletzt das originelle Bühnenbild – eine Bibliothek mit riesigen Büchern, die mit wenigen Handgriffen zu neuen Spielorten umgebaut werden konnten – trug zur Unterhaltsamkeit des Musicals bei.

Erich Segal starb bereits im Jahr 2010. Sein Erfolg mit der „Love Story“ hatte ihm zwar viel Geld eingebracht, ihn mit der harschen Kritik aber auch wie ein Fluch verfolgt. Das Musical von Stephen Clark und Howard Goodall feierte in Segals Todesjahr in England Premiere. Mit dem typischen „Love-Story-Erfolg“. cok

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