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Sind Kleingärtner das Problem?

Glyphosat-Einsatz Sind Kleingärtner das Problem?

Der aktuelle Streit um Glyphosat ist nun auch in der Kommunalpolitik angekommen. Die Europäische Union (EU) hat entschieden: Das Unkrautvernichtungsmittel darf weitere drei Jahre genutzt werden. Deshalb streben die Grünen in Rinteln jetzt eine lokale Lösung an, zumindest für die stadteigenen Flächen.

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Flüssige Unkrautvernichtungsmittel sind im RLW-Raiffeisen-Markt an der Stükenstraße stets unter Verschluss. Marktleiter Christan Kuhlmann und seine Mitarbeiter halten sich an Auflagen und beraten entsprechend. Oftmals können alternativ Abflammgeräte ähnliche Wirkung erzielen.

Quelle: tol

Rinteln. Grünen-Fraktionssprecher Christoph Ochs schlägt vor, der Rat möge beschließen, dass auf den städtischen Grundstücken kein Glyphosat mehr eingesetzt werden darf.

 Was Ochs wohl übersehen hat: „Das ist bereits seit Jahren Praxis“, wie Baubetriebshofleiter Klaus-Ulrich Hartmann auf Anfange versicherte. Der Baubetriebshof setze kein Glyphosat mehr ein. Lediglich auf den Friedhöfen verwende man ein Herbizid, allerdings mit einem anderen Wirkstoff und nur in geringer Dosierung. Um auf Glyphosat verzichten zu können, habe der Baubetriebshof ja im Vorjahr einen „Unkrautkocher“ angeschafft. Mit dem werde ohne Chemikalien-Einsatz nur mit hundert Grad heißem Wasser Unkrautbewuchs an Bürgersteigen und Radwegen eingedämmt.

 Doch Ochs will mehr und schlägt in seinem Antrag vor, dass Personen und Unternehmen, die Aufträge von der Stadt Rinteln zur Pflege von Grün-, Sport- und Verkehrsflächen erhalten, ebenfalls vertraglich verpflichtet werden sollen, auf Glyphosat zu verzichten. Das gelte auch für den Abschluss neuer Pachtverträge über gemeindliche landwirtschaftliche Flächen.

 Die Stadt Rinteln verpachtet diverse Grundstücke, die als Kleingarten oder Grabeland genutzt werden können, so am Steinanger, am Heinekamp und im Exterfeld. Zurzeit, schilderte Tanja Diebiz, die bei der Verwaltung dafür zuständig ist, gebe es mehr als 40 Pächter. Bisher sei in den Pachtverträgen ein Ausschluss von Glyphosat allerdings noch nicht festgeschrieben worden. Stadtjurist Joachim Steinbeck wies auf Anfrage darauf hin, dass derzeit keine Pachtverträge auslaufen, die neu abgeschlossen werden müssten. Wie weit man Unternehmen den Einsatz von Glyphosat untersagen könne, müsse man prüfen.

Glyphosateinsatz muss dokumentiert werden 

Baubetriebshofleiter Hartmann sieht ein ganz anderes Problem. Er beobachte, wenn er in der Stadt unterwegs sei, wie nach wie vor auf privaten Vorgärten und in Kleingärten Glyphosat, bekannt unter der Markennamen „Roundup“ großzügig von Bürgern versprüht werde. Die Wirkung des Mittels sei ja tagelang unübersehbar. Randstreifen und Flächen werden erst grellgelb, dann braun. Schon vor zwei Jahren hatte der Imkerverein Rinteln gewarnt, Glyphosat und Neonicotinoide seien mit verantwortlich für das Sterben der Bienenvölker.

Thomas Wille, Sprecher des Bauernverbandes Weserbergland betonte gestern in einem Gespräch, Böden seien „das Kapital eines Landwirtes“ und Herbizide teuer. Schon aus diesen beiden Gründen gingen heimische Landwirte sparsam mit dem Mittel um. Und Wille verwies darauf, dass Landwirte im Gegensatz zu Hobbygärtnern einen „Spritzenführerschein“ machen müssen, also wüssten, wie man mit Glyphosat arbeitet, welche Risiken es birgt und wie man es dosiert. Und anders als bei landwirtschaftlichen Flächen werde in Gärten das Herbizid im direkten Wohnumfeld versprüht, da wo Kinder spielen und Haustiere unterwegs sind.

 „Gartenbetriebe verwenden glyphosathaltige Mittel nur noch sehr eingeschränkt“, schilderte Christina Peters von der Friedhofsgärtnerei und dem Floristikfachgeschäft Lippold – Ladage e.K. an der Detmolder Straße. Stattdessen werde Unkraut „abgeflammt“, auch auf Friedhöfen. Das sei natürlich erheblich zeitaufwendiger und müsste mehrmals im Jahr gemacht werden.

 Jeder Einsatz von Glyphosat müsse dokumentiert werden. Dabei unterliege man, anders als Otto Normalverbraucher einer lückenlosen Kontrolle. Auch der Fachverband informiere laufend über das sensible Thema. wm

Nur Monsanto wirbt für Unkrautvernichter

Beim Toom-Baumarkt erklärte die Presseabteilung: „Als erster Baumarkt in Deutschland hat Toom alle glyphosathaltigen Produkte bereits Ende 2015 ausgelistet.“ Solche Produkte seien bei Toom nicht mehr erhältlich.

 Nur die Monsanto Agrar Deutschland GmbH wirbt nach wie vor für „Roundup“ auf ihrer Internetseite für „Gartenpflege“: „Entdecken Sie unsere Unkrautvernichter. ‚Roundup’-Unkrautvernichter ist das weltweit meist verkaufte Unkrautfrei – überall einsetzbar. ‚Roundup’ tötet die Wurzel des Unkrauts, sodass nie wieder Unkraut zurückkommt“.

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