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Sohnrey-Weg: Wird jetzt gehandelt?

Rinteln / Umbenennung Sohnrey-Weg: Wird jetzt gehandelt?

Der Zickzackkurs des Ortsrates rund um die Umbenennung des Heinrich-Sohnrey-Weges könnte nun ein Ende haben. Ein neues Gutachten im Auftrag der Universität Göttingen bescheinigt Sohnrey ein Wegbereiter des Nationalsozialismus gewesen zu sein, der sich auch nach dem Krieg nur unzureichend von seiner Nähe zu dem Regime distanzierte.

Rinteln . Mit dieser wissenschaftlichen Rückendeckung soll nun in Rinteln ein weiterer Versuch gestartet werden, die Straße umzubenennen. Wenn es sein muss auch gegen den Willen der Anwohner, erklärt Ortsbürgermeister Friedrich-Wilhelm Rauch: „Aus meiner Sicht gibt es keine Möglichkeit mehr, das zu lassen und den Mantel der Verschwiegenheit darüber zu legen.“

Dabei befindet er sich jetzt wieder auf einer Linie mit der SPD-Fraktion, deren Vorsitzende Helma Hartmann-Grolm betont: „Aufgabe der Politik ist es, über Einzelinteressen zu stehen.“ Auch wenn sie die Interessen der Anwohner nachvollziehen könne, müsse die Kommunalpolitik unbequeme Entscheidungen treffen können und das Wohl der ganzen Stadt im Auge haben. Ihre Fraktion wolle also, wie auch bei der Ortsratssitzung im September letzten Jahres, weiterhin für eine Umbenennung stimmen. Antiziganismus, Antislawismus und der Kampf für die Blutreinheit der deutschen Rasse sei auch nicht aus dem Kontext der damaligen Zeit zu erklären, findet Rauch. „So jemand darf man posthum keine Plattform geben.“

Ähnlich sieht es Gerhard Helmhold von den Grünen: „Ich habe von Anfang an für eine Umbenennung plädiert.“ Auch wenn sich die Mehrheit der Anwohner weiterhin gegen eine Umbenennung ausspreche, er würde dafür stimmen. Und wünscht sich: „Eine Widerstandskämpferin sollte Namenspatronin werden.“

Hartmann-Grolm möchte sich bei der Namenssuche nicht festlegen. Dieser müsse jetzt gemeinsam mit den Anwohnern gefunden werden. Es sei möglich einen Mann, eine Frau, einen Widerstandskämpfer oder eine lokale Größe zu wählen. Hier gebe es zahlreiche Möglichkeiten. Ortsbürgermeister Rauch betont ebenfalls: „Wer 40 Jahre in der Straße gewohnt hat, hat auch ein Recht mitzureden.“ Der neue Name dürfe keine Nähe zum Nationalsozialismus aufweisen.
Damit sind die Fraktionen nun wieder an dem gleichen Punkt, wie vor dem Anwohnertreffen im Juli 2012. Damals wollten CDU, SPD und Grüne ebenfalls eine Umbenennung durchsetzen. Doch aufgrund der großen Ablehnung durch die Anwohner ruderte die CDU zurück und stimmte gemeinsam mit der WGS – unter dem Beifall der Anwohner – gegen eine Umbenennung. Sie zweifelten den Verfasser der ursprünglichen Studie an, der Sohnrey eine Nähe zum Nationalsozialismus zuschrieb, und wollten auf ein zweites – das jetzt vorliegende – Gutachten warten.

Ob der Ortsrat eine Entscheidung notfalls gegen den Willen der Anwohner durchsetzt, wird sich am Ende des Monats zeigen. Am 30. Oktober wird um 18 Uhr erneut zur Anwohnerversammlung im großen Rathaussaal geladen.  jak

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