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Soll Rinteln „baumfrei“ werden?

Anfrage Soll Rinteln „baumfrei“ werden?

Mit einer umfangreichen Anfrage fordern Rintelns Grüne Auskunft über den Umgang der Verwaltung mit der Natur in Rintelns Stadtgebiet. „In den vergangenen Monaten wurden extrem viele Bäume in Rinteln gefällt“, so Christoph Ochs, Ratsmitglied und Stadtverbandsvorsitzender der Grünen.

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Rinteln (r, dil). „Im Gespräch fragten mich Rintelner, ob langfristig eine ,Baumfreiheit‘ in Rinteln angestrebt wird.“

 Die Grünen beobachten schon seit Längerem mit Missfallen, dass Grünanlagen ausgedünnt und große, auch gesunde Bäume gefällt werden. Ochs: „Ein großer alter Baum hat etwa 1200 Quadratmeter Blattfläche. Er verarbeitet täglich etwa 9400 Liter Kohlendioxid und produziert 13 Kilogramm Sauerstoff, was den Bedarf von etwa zehn Menschen deckt.“ Fälle man einen solchen Baum, müsse man, um ihn vollwertig zu ersetzen, etwa 2000 junge Bäume pflanzen. „Das Stecken von Blumenzwiebeln und die Anlage von Rosenbeeten sind kein Ersatz für unsere schönen großen Stadtbäume“, so Ochs.

 In den vergangenen Jahren seien der Blumenwall und der Schlingpark so ausgedünnt worden, dass der Begriff „Park“ nach Meinung der Grünen fast nicht mehr zutreffe. Wesentliche Merkmale eines Parks seien gegliederte Grünzonen mit Räumen und Plätzen, die zum Verweilen einladen. Der Wert eines Parks sei auch daran zu messen, dass er seinen Besuchern eine Distanz zum Stadtgeschehen aus Gebäuden, Anlagen und Verkehr biete. Dies sei in den vergangenen Jahren bei den zahlreichen „Ausdünnungsarbeiten“ verloren gegangen. So habe man jetzt vom Blumenwall aus zum Beispiel freie Sicht auf Parkhaus, Hotelhochhaus und den fließenden Verkehr, vom Schlingpark aus auf eine Tankstelle und die Autoschlange vor der Ampel. „Wir fragen uns, welche Leitgedanken das Handeln der Verantwortlichen bei der Stadt lenken?“, so Ochs. Das solle die Verwaltung nun beantworten.

 In der Anfrage fordern die Grünen auch Auskunft über Umfang, Grund und Zeitpunkt der Baumfällungen im vergangenen Jahr. Sie vermuten beispielsweise, dass Fällungen an der Waldkaterallee außerhalb der nach dem Bundesnaturschutzgesetz erlaubten Zeiten vorgenommen wurden. „Wenn dem so ist, darf man sich wohl nicht wundern, wenn Privatleute dem Vorbild der Stadt folgen“, schlussfolgert Ochs.

 „Wir wollen unsere Bäume erhalten. Sie sind Lebensraum für unzählige Tiere und prägen unser Stadtbild. Wenn unsere Parks zu Schrebergärten umgestaltet werden, verlieren sie ihren Charakter und ihre Bedeutung“, meint Ochs.

 Der Erste Stadtrat Jörg Schröder weist den Vorwurf zurück: „Rinteln wird immer grüner, wir pflanzen mehr nach, als wir vorher wegnehmen. Wir lassen die zu fällenden Bäume vorher von unserer Baumsachverständigen begutachten. Wir fällen keinen Baum ohne Grund.“ Ursula Helmhold, Vorsitzende der Ratsfraktion der Grünen, verweist auf übermäßiges Abholzen am Fockenkump. Schröder dazu: „Zwei Bäume wurden von der Expertin als abgängig eingestuft. Beim Fällen wären sie entweder in den Fockenkump oder fünf jüngere, gesunde Weiden dahinter gefallen. Da haben wir diese Weiden gefällt, um größeren Schaden zu verhindern.“ Die Fragen der Grünen werden im Rat im Juni detailliert beantwortet.

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