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Spuren aus der Eisenzeit entdeckt

Ausgrabungen Spuren aus der Eisenzeit entdeckt

Im dritten Jahrhundert vor Christi Geburt haben einige Familien offenbar die hochwasserfreie Hanglage zwischen dem heutigen Rinteln und Todenmann als Wohngebiet genutzt. Genau da, wo die Volksbank in Schaumburg jetzt das Neubaugebiet „Bockskamp“ vorbereitet.

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„Ich will für Rinteln mehr haben“

Die Kommunalarchäologen legen in 90 Zentimeter Tiefe in einer Lössschicht Funde von Siedlungsspuren frei.

Quelle: dil

Rinteln/Todenmann. Rinteln/Todenmann. Nachdem im Winter Büsche, Bäume und die alten Gewächshäuser entfernt worden waren, mussten die Kommunalarchäologen der Schaumburger Landschaft ran. Und sie wurden fündig. Rintelns Siedlungsgeschichte bekommt nun ein neues Kapitel, wenn im Herbst der Abschlussbericht vorliegt. Chefarchäologe Jens Berthold scherzte über den Standort: „Damals Baugebiet – heute Baugebiet.“

In der zweiten März-Woche haben Archäologe Joachim Schween und Grabungshelfer Frank Ohlrogge mit den Arbeiten begonnen. Mit einem Bagger wurden vier gut zwei Meter breite Streifen in dem zuvor unbebauten Bereich freigelegt und bis in 90 Zentimeter Tiefe abgetragen. Dort findet sich, von Ackerbau weitgehend unbeeinträchtigt, eine Lössschicht. 60 Zentimeter tiefer folgt schon Ton, sodass dort also immer oberflächennahes Wasser für Brunnen bereitstand. Hinzu kamen als Vorteil die Hochwasserfreiheit und Chancen zur Flucht in die nahen Berge.

„Damals zogen mitunter Kelten auf der Jagd nach Arbeitssklaven durch Norddeutschland“, spekuliert Berthold. „Vielleicht wurde die Siedlung wegen häufiger Überfälle bald wieder aufgegeben.“ Gefunden haben seine Mitarbeiter braune, zum Teil mit Einritzungen verzierte Tonscherben. Sie wurden sorgsam mit Spezialwerkzeug freigelegt. Da sie relativ nass sind, müssen sie nun langsam getrocknet werden, um nicht weiter zu zerfallen. Zudem klebt der Löss an den Scherben, lässt sich dank der Feuchte aber recht gut ablösen. „Im Sommer wird der sonst hart wie Beton“, meint Schween. Deshalb sei die Grabungszeit jetzt trotz des zeitweise schlechten Wetters recht günstig. Metallfunde gab es dagegen nur noch als Rostklumpen. Eine friedliche Siedlung also, deren Bewohner sich von dem umgebenden Land und Wald ernährten sowie ein bisschen Handel trieben.

„Quantitativ sind die Funde nicht exorbitant, aber von der Qualität her gut“, sagt Schween. Und Berthold ergänzt: „Wir brauchen viele auch nicht spektakuläre Fundstätten, um die heimische Siedlungsgeschichte genauer nachverfolgen zu können. Es muss nicht immer gleich ein Urnenfeld sein. Und einen Hausgrundriss wie bei der Klinikumsbaustelle in Vehlen haben wir hier auch nicht entdeckt.“ Die Funde verbleiben übrigens auch in Rinteln, vermutlich im Magazin des Museums. Der Abschlussbericht wird ebenfalls unter anderem dem Museum zur Verfügung gestellt.

Wegen der guten Fundlage werden die Grabungen, die eigentlich zu Ostern enden sollten, noch um ein bis zwei Wochen verlängert, der Radius um die jetzigen Fundstätten wird noch einmal vergrößert. Die Fundmenge wird vielleicht noch größer, Sensationen werden aber nicht erwartet.

Das beruhigt sicher auch Mike Harste und Christian Gregor von der Immobilienabteilung der Volksbank in Schaumburg. Diese erschließt und vermarktet die 23 Bauplätze, davon drei für Wohnhäuser mit bis zu fünf Wohneinheiten. Die Grundstücke werden 618 bis 927 Quadratmeter groß sein, die Preise beginnen voll erschlossen bei 64 890 Euro. Die Erschließung soll noch im April beginnen und im Sommer abgeschlossen sein.

„Der Verkauf der Grundstücke beginnt jetzt“, kündigt Gregor an. Und Harste ergänzt: „Wenn die Stadt Rinteln zügig die Bauanträge genehmigt, könnten die ersten Häuslebauer schon im August loslegen.“ Rintelns Baudezernentin Elena Kuhls nickt, hält dies also durchaus für möglich.

Es liegen schon elf Reservierungen für die Bauplätze auf der „Bockskamp“-Gesamtfläche von 17 943 Quadratmetern vor. Um die komplette Baufreiheit zu schaffen, lässt die Volksbank noch den leer stehenden Klinkerbau an der Ostseite des Baugebietes abreißen. Das Wohnhaus der bisherigen Gärtnerei Korff hätte zwar gut als Baugebietsergänzung gepasst, wird jetzt aber wieder bewohnt, so Harste, scheidet also aus.

Die Archäologen ziehen danach zum Ostertor weiter, wo die Sparkasse Schaumburg zwei Wohntürme bauen will. Dort werden wegen der früheren Hochwassernähe eher Mauerreste, keine frühen Siedlungsspuren erwartet. dil

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