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„Stadt“ Lebenshilfe wird 2013 noch größer

Rinteln „Stadt“ Lebenshilfe wird 2013 noch größer

„Das ist hier eine Stadt für sich“, sagt Herbert Meier, der Vorsitzende des Vereins Lebenshilfe Rinteln, über die Einrichtung in der Waldkaterallee.

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Kathryn Louise Sarginson (Zweite von links) und Amy Nicholson (Dritte von links) aus Kendal mit ihren Betreuerinnen Elisabeth Ann Cooke und Margret Faure.

Quelle: pk

Rinteln. Kein Wunder, dass die Lebenshilfe am Tag der offenen Tür am vergangenen Wochenende mit einem eigenen Weihnachtsmarkt samt Karussell aufwartete. Und im nächsten Jahr wird diese „Stadt“ noch etwas größer. 2013 wird die Lebenshilfe um eine Pflegeeinrichtung für geistig behinderte Menschen erweitert, verrät Meier.

 „Früher sind geistig Behinderte nicht so alt geworden“, sagt Meier mit Blick auf das Dritte Reich. Das habe sich glücklicherweise geändert, sodass inzwischen auch in Rinteln eine entsprechende Pflegeeinrichtung nötig sei. „Dann können die Menschen, die hier etwa in den Werkstätten nicht mehr arbeiten können, weiterhin hier wohnen“, erklärt Meier.

 Die üblichen Pflegeheime seien für geistig Behinderte ein „heißes Eisen“, sei für die Pflege von geistig Behinderten doch auch entsprechend qualifiziertes Personal vonnöten. Daher werden mit den geplanten 20 bis 25 Pflegeplätzen im einstigen Krankenhaustrakt des British Military Hospitals auch neue Arbeitsplätze geschaffen. „Mindestens zehn“, sagt Meier. Wahrscheinlich sogar mehr, werde es sich doch um eine 24-Stunden-Betreuung handeln. Schon seit 2006 bietet die Lebenshilfe Seniorenwohnen für derzeit 19 geistig Behinderte an. Die Tage der offenen Tür dienen Meier zufolge vor allem dazu, weiter Vorurteile gegenüber behinderten Menschen abzubauen. Gleichzeitig sei es eine gute Gelegenheit für Eltern von behinderten Menschen, sich einen ersten Eindruck von der Lebenshilfe zu verschaffen: Der Bereich Frühförderung, der Heilpädagogische Kindergarten, die Schule am Waldkater sowie die unterschiedlichen Wohnbereiche und die betriebseigene Feuerwehr stehen den laut Meier rund 2000 Besuchern offen „So viele waren es noch nie!“ Und für die Bewohner sei so viel Trubel vor ihrer Haustür sowieso „ein tolles Ereignis“, ist sich Meier sicher.

 Nicht nur, dass sie bei dem Ablauf der Veranstaltung tatkräftig unterstützend dabei sind, etwa beim Verkauf an den zahlreichen Ständen. Manche von ihnen – im Alter von Anfang 20 bis 70 Jahren – stehen sogar auf der Bühne und führen Theaterstücke auf.

 Unter der Leitung von Joanna Komander von der Volkshochschule in Stadthagen haben sie zwei Märchen aufgeführt: das König-Drosselbart-Musical und „Die Schöne und das Biest“. „Weil sie so gerne Märchen mögen“, erklärt Komander.

 Die längste Anreise hatten an diesem Wochenende wohl die Besucher von der Partnerorganisation Cumbria Care aus Kendal. Kathryn Louise Sarginson und Amy Nicholson kamen mit ihren Betreuerinnen Elisabeth Ann Cooke und Margret Faure nach Rinteln, um an einem eigenen Stand Kendal Mint Cake, handgemachte Postkarten und andere Accessoires zu verkaufen.

 Cooke hat in Anbetracht der Lebenshilfe den Eindruck, dass in Deutschland mehr Geld für die Arbeit mit Behinderten zur Verfügung steht, gibt es in Kendal doch nur kleine Wohngruppen. Darin sieht sie aber auch einen Vorteil: „Die Behinderten in England sind voll integriert, weil sie in der freien Wirtschaft arbeiten, in Supermärkten und Fabriken.“ Für Amy Nicholson ist es schon der fünfte Besuch in Deutschland. In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat sie sogar von ihrer Arbeit an ihrem Stand geträumt. Sie hat im Schlaf gesprochen und „bitte“ und „danke“ gesagt, erzählen Cooke und Nicholson lachend.

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