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Stadt nimmt 600 Flüchtlinge auf

Unterbringung in Prince Rupert School in Rinteln Stadt nimmt 600 Flüchtlinge auf

Die ehemalige Prince Rupert School in der Nordstadt wird zur Notunterkunft. 600 Flüchtlinge sollen innerhalb der nächsten zwei Wochen dort untergebracht werden.

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Innerhalb der nächsten zwei Wochen sollen in der Prince Rupert School 600 Flüchtlinge untergebracht werden.

Quelle: tol

Rinteln. Im Zuge dessen wird die Behelfsunterkunft in der Bückeburger Jägerkaserne geschlossen. Die Flüchtlinge werden in der einstigen britischen Schule untergebracht. Dies ging aus der Pressekonferenz gestern Vormittag im Rintelner Rathaus hervor.

 Die Entscheidung, in der Prince Rupert School Flüchtlinge unterzubringen, geht auf das niedersächsische Innenministerium zurück. Mitarbeiter hatten die bundeseigene Schule wie berichtet bereits besichtigt und schließlich für geeignet befunden. Da aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen dringend Notunterkünfte gebraucht werden, so Alexander Götz vom niedersächsischen Innenministerium gestern, sollen alle zur Verfügung stehenden Liegenschaften als befristete Unterkünfte genutzt werden. So auch die Prince Rupert School. „Wir können es uns nicht leisten, sie nicht zu nutzen“, sagte Götz.

 Die Unterbringung von 600 Flüchtlingen in Rinteln, relativierte Götz, sei immer noch weniger als die 700 Plätze, die in Niedersachsen zurzeit täglich geschaffen werden müssten. Seit Anfang des Monats seien bundesweit 175000 Menschen aufgenommen worden, davon etwa 16000 von Niedersachsen. In Ermangelung von ausreichend Erstaufnahmelager wie Friedland müsse das Land „temporär“ auf Notunterkünfte ausweichen.

 Organisiert werden die Einrichtung und die Aufnahme der Flüchtlinge in der Prince Rupert School vom Schaumburger Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der auch schon für die Behelfsunterkunft in der Jägerkaserne verantwortlich zeichnet. Dessen Vorsitzender Bernd Koller sieht sich auf die anstehende Aufgabe gut vorbereitet. Schließlich habe man dieses Mal mehr Zeit. Bei der Jägerkaserne blieben dem DRK nur wenige Stunden, um sich auf die Ankunft von zunächst 242 Flüchtlingen einzustellen. Das DRK bewältigt diese Aufgabe jetzt mit 18 hauptamtlichen Mitarbeitern, dazu kommen elf Ehrenamtliche, ein Sicherheits- sowie ein Reinigungsdienst. Gebraucht wird noch ein Hausmeister für die Prince Rupert School.

 Bevor die Flüchtlinge dort untergebracht werden können, müssen noch Vorkehrungen getroffen werden. Während sich der obere Gebäudetrakt mit seinem einstigen Schülerinternat und den Lehrerwohnungen noch in einem „sehr guten Zustand“ befinde, müsse der untere Teil hergerichtet werden. Die Küche etwa sei ausgebaut, sodass noch Kühlschränke nötig seien. Ferner müsse die Schule noch auf Brandschutz untersucht werden. „Bevor die Heizung nicht läuft, nehmen wir die Schule nicht in Betrieb“, beteuerte Koller.

 Drei Wochen nach der Flüchtlingsaufnahme in Bückeburg sind die Menschen immer noch nicht registriert. Dies stelle eine „große Herausforderung“ für das Land dar, das „mit Hochdruck“ daran arbeite, Personal zu schulen und mobile Teams zu bilden, die die Flüchtlinge registrieren sollen, um die Asylverfahren einleiten und die Menschen bundesweit verteilen zu können.

 Landrat Jörg Farr begrüßte die Unterbringung in der Prince Rupert School. Von der Unterkunft, die besser geeignet sei als die Mehrzweckhalle in der Jägerkaserne, habe er sich am Montag selbst ein Bild gemacht. Davon abgesehen halte der Landkreis an dem Modell der dezentralen Unterbringungen von Asylbewerbern in Wohnungen fest. So soll die Integration der Menschen gefördert und erleichtert werden.

 Inzwischen habe der Landkreis für diesen Zweck mehr als 150 Wohnungen gemietet. Außer den kreiseigenen Wohnungen existieren drei Gemeinschaftseinrichtungen fort. Da Farr weitere 1200 Flüchtlinge in Schaumburg erwartet, kämen „weitere Gemeinschaftsunterkünfte als Puffer“ in Betracht, so etwa die Herderschule in Bückeburg. In Rinteln seien keine weiteren Notunterkünfte geplant.

 „Es ist Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass diese Menschen nicht sich selbst überlassen sind oder wie in anderen Ländern am Bahnhof schlafen müssen“, führte Götz aus. Derzeit gebe es 22 Notunterkünfte in Niedersachsen, überall habe er viel „Toleranz und Hilfsbereitschaft“ erlebt. Er hoffe, dass dies in Rinteln auch so sein werde. Gleichzeitig äußerte er Verständnis für die „Sorgen und Befürchtungen“ der Bürger.

 Bürgermeister Priemer sagte, dass Rinteln „schon immer offen und tolerant“ gegenüber Neuankömmlingen gewesen sei: bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen nach 1945, im Rahmen der Wiedervereinigung 1990, bei der Rückführung deutscher Aus- und Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion sowie bei der Aufnahme der Flüchtlinge aus den kriegsgebeutelten Balkanstaaten in den neunziger Jahren oder von Menschen aus Afrika.

 Gemeinsam mit den karitativen Verbänden und den Kirchen wolle die Stadt die Flüchtlinge unterstützen. „Ich sehe keine Überforderung der Stadt“, sagte Priemer. Auch erwarte er keine „negativen Auswirkungen“ auf Rinteln. Die Bürger sollen „umfassend“ informiert werden.

 Deshalb lädt die Stadt für Montag, 5. Oktober, ab 18.30 Uhr in die Aula der Steuerakademie am Wilhelm-Busch-Weg zu einer Bürgerveranstaltung im Beisein aller der an der Einrichtung der Notunterkunft Beteiligten.

 Bereits heute sollten Anwohner rund um die Prince Rupert School einen von der Stadt angefertigten Flyer in ihren Briefkästen vorfinden, der über die geplante Notunterbringung der Flüchtlinge informiert. pk

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