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Stadt nimmt für Feste „Miese“ in Kauf

Rinteln / Ausgaben Stadt nimmt für Feste „Miese“ in Kauf

Die Stadt Rinteln lässt sich ihre Feste etwas kosten. Die Ausgaben liegen für das Veranstaltungsjahr 2012/2013 mit rund 114.000 Euro deutlich über den Einnahmen in Höhe von nur rund 94.200 Euro.

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Am Festefeiern soll sich in Rinteln nichts ändern, meint Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz (rechts), der auf diesem Archivfoto beim Empfang des Irish-Folk-Festivals gerade mit den „Cobblestones“ beim Bier anstößt.

Quelle: Tobias Landmanntol

Rinteln. Doch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz nimmt dieses Missverhältnis gerne in Kauf, wie er in der Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur offen einräumte, nachdem einzelne Ausschussmitglieder die Kostenrechnung kritisch hinterfragt hatten. Und ändern wird sich daran in naher Zukunft wahrscheinlich nichts. Denn auch wenn der finanzielle Aufwand größer ist als die Einnahmen, der Gewinn werde anders eingestrichen, ist Bürgermeister Buchholz überzeugt.

 Veranstaltungen wie Herbstmesse, Adventszauber, Brennholz- und Bauernmarkt/Felgenfest, Maimesse und das Irish-Folk-Festival werteten den Standort Rinteln auf, so Buchholz. Menschen, die in Erwägung zögen, sich in Rinteln niederzulassen, prüften eben auch, was die Stadt kulturell zu bieten habe. „Das muss man auch im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel sehen“, sagte der Bürgermeister. Denn die Frage, was in einer Stadt los sei, stelle sich insbesondere jungen Leuten. Und diese wolle man ja schließlich nach Rinteln holen. „Das spiegelt sich auch in Stellenausschreibungen von Rintelner Unternehmen wider“, in denen auch auf die kulturellen Vorzüge der Stadt hingewiesen werde. Die Attraktivität der Stadt und ihre daraus resultierende positive Außenwirkung könnten gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und dafür gebe die Stadt eben auch gerne entsprechend Geld aus.

 Das bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung auch Marktleiter Daniel Jakschik: „Die Städte stehen unter gegenseitigem Konkurrenzdruck, und zwar nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell.“ Ob man abends noch gut essen oder einen Cocktail trinken könne, ob es Festivitäten gebe oder nicht, für potenzielle Neubürger seien das wichtige Aspekte für ihr Lebensgefühl. In Rinteln, wo Veranstaltungen seit fast zwei Jahrzehnten eine gute Tradition hätten, sei man diesbezüglich gut aufgestellt. „Andere – wie das Kalletal, Porta Westfalica oder Hessisch Oldendorf –gucken neidisch zu uns rüber.“

 Doch alles hat seinen Preis. Die vorige Herbstmesse kostete 32.600 Euro (Einnahmen: 28.700 Euro), der Adventszauber 22.100 Euro (Einnahmen: 14000 Euro), der Bauernmarkt zum Felgenfest 11.400 Euro (Einnahmen: 4900 Euro) und das Irish-Folk-Festival 19.562 Euro (Einnahmen: 17.500 Euro). Minimale Gewinne erzielten nur der diesjährige Brennholz- und Bauernmarkt mit Einnahmen in Höhe von 3690 Euro (Ausgaben: 3570 Euro) und die diesjährige Maimesse mit Einnahmen in Höhe von 25.452 Euro (Ausgaben: 25.261 Euro).

 Marktleiter Jakschik weist darauf hin, dass sich der Großteil der Kosten aus Personal- und Planungskosten sowie Betriebsmitteln zusammensetze. Posten, die bis zur Einführung der sogenannten „doppelten Haushaltsführung“ vor einigen Jahren nicht in die Kostenrechnung eingeflossen seien.

 So setzten sich etwa die Ausgaben für die Herbstmesse im Jahr 2012 zum einen aus rund 10.000 Euro für Werbung, Logistik, Messeempfang und Brandsicherheitswache zusammen. Dazu kamen dann aber noch rund 12.000 Euro für Vorbereitungen, Sicherungsmaßnahmen und Reinigungsarbeiten durch den Baubetriebshof und weitere rund 11.000 Euro für Verwaltungskosten. Am Ende standen den Ausgaben in Höhe von rund 33.000 Euro Einnahmen in Höhe von rund 29.000 Euro aus dem Standgeld gegenüber.

 Erhöhung der Standgebühren, um damit Defizite auszugleichen, sei zudem kein Patentrezept. In Schaumburg liege Rinteln mit seinen Standgeldern bereits im oberen Drittel, sagt Jakschik. Ab einem gewissen Punkt laufe man Gefahr, gute Händler, die schon schwierig genug zu bekommen seien, an andere Städte zu verlieren. Und beispielsweise für das Altstadtfest wurden die Gebühren zuletzt 2010 erhöht. „Für den Ausschank und Imbiss, weil man gesehen hat, dass dort Geld verdient wird“, erklärt Jakschik. Ausgereizt sei in den Augen der Stadt indes die Gebührenerhöhung für kleine Verkaufsstände von Privatleuten, die auf dem Bauernmarkt ihre Töpferarbeiten oder selbst gemachte Marmelade verkaufen. „Die sind sonst weg“, ist sich Jakschik sicher.

 An den Sicherheitsmaßnahen lasse sich auch nicht sparen. Im Gegenteil: Seit der Massenpanik mit mehreren Toten und zahlreichen Verletzten bei der Love-Parade in Duisburg im Jahr 2010 hätten die Sicherheitsvorkehrungen noch verschärft werden müssen. „Und das geht nicht ohne Mehrkosten“, so Jakschik. „Wo früher vier bis fünf Feuerwehrleute nach dem Rechten gesehen haben, ist es heute eine ganze Mannschaft mit neun Personen und zwei Fahrzeugen.“

 Einem Privatveranstalter als Alternative steht Jakschik skeptisch gegenüber: „Der hat vor allem den Gewinn im Hinterkopf. Und den kann er nur über höhere Standgelder einfahren, wodurch gute Händler verloren gehen.“ pk

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