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„Standort sorgfältig ausgesucht“

Gärrestbehälter unter der Schaumburg „Standort sorgfältig ausgesucht“

Unter der Schaumburg baut Saatzucht Dieckmann derzeit einen Gärrestbehälter (wir berichteten). Doch wozu dient er eigentlich?

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34 Meter Durchmesser misst der Gärrestbehälter, der derzeit unter der Schaumburg gebaut wird. Später soll er beim Blick auf die Burg kaum mehr auffallen. Bauherren sind die beiden Landwirte Johannes Dieckmann und Henning Schoof.

Quelle: mld

LANDKREIS. Als Antwort auf die Frage muss man auch ins Lipperland schauen. Bei Dörentrup liegt die Domäne Oelentrup, die von Henning Schoof bewirtschaftet wird, einem gebürtigen Schaumburger. Die Domäne Oelentrup und die Domäne Coverden, wo Saatzucht Dieckmann sitzt, arbeiten seit drei Jahren in enger landwirtschaftlicher Kooperation zusammen, wie es viele landwirtschaftliche Betriebe tun. Die beiden Betriebe bauen derzeit zusammen den Gärrestbehälter – „für insgesamt rund 350000 Euro“, schätzt Schoof.

Während rund um die Domäne Coverden viehlos gewirtschaftet wird – also nur Getreide, Mais und Ähnliches angebaut wird –, werden auf der Domäne Oelentrup Mastschweine gehalten. Ihre Gülle geht zusammen mit Zuckerrüben und Silomais in die dortige Biogasanlage. Das Gas, das darin entsteht, wird in Strom und Wärme umgewandelt. In der Biogasanlage bleibt sogenannter Gärrest zurück. Und der kommt ab nächstem Jahr in den Behälter, der derzeit unter der Schaumburg entsteht.

Der Fruchtbarkeit zum Wohle

„Das ist wertvoller organischer Dünger“, sagt Johannes Dieckmann, Geschäftsführer von Saatzucht Dieckmann. Und dieser soll künftig bei beiden Betrieben rund 60 Prozent des benötigten N-Düngers ersetzen. N-Dünger ist Dünger, der Pflanzen hauptsächlich mit Stickstoff (N) versorgt. Stickstoff gilt als der wichtigste Pflanzennährstoff.

Durch den Inhalt des Gärrestbehälters werde die Versorgung der beiden Betriebe mit Grundnährstoffen wie Magnesium und Kalium außerdem komplett gedeckt, erzählen Schoof und Dieckmann. Dadurch könne auch der Einsatz von externem Mineraldünger auf ein Minimum zurückgefahren werden.

Was die Bakterien im Behälter übrig lassen werden, soll außerdem dem Aufbau von Humus, Mutterboden, auf den Feldern dienen. Das soll deren Fruchtbarkeit erhöhen.

„Es ist ein geschlossener Kreislauf“, erzählt Schoof. Der Behälter wird gefüllt mit dem, was bei den Betrieben anfällt, und das wird wiederum auf den Feldern ausgebracht. „Sonst wäre eine Baugenehmigung vielleicht schwieriger zu bekommen gewesen“, sagt Dieckmann. Denn solche Behälter sind in der Landwirtschaft begehrt. Rund um Vechta beispielsweise gibt es extrem viel Viehwirtschaft und dementsprechend viel Dünger – zu viel für die dortigen Felder. Landwirte würden dafür zahlen, ihn nach Schaumburg zu bringen. Diese Zulieferung von außen „wollen wir nicht“, sagt Schoof. Und auch der Landkreis sehe das nicht gern.

Standort sorgfältig ausgesucht

34 Meter Durchmesser wird der Behälter haben, sieben Meter wird er hoch sein. Rund drei Meter davon sind in die Erde eingelassen. Seine Größe orientiert sich an den Mengen von Gärresten, die bei beiden Betrieben anfallen werden.

Angesiedelt ist der Behälter aus Stahlbeton zwischen einer Baumgruppe und einer Feldscheune. „Den Standort haben wir sorgfältig ausgesucht“, berichtet Dieckmann. Von dem Behälter werde man in spätestens einem Jahr kaum mehr etwas sehen, versichert Dieckmann.

Zu der Baumaßnahme gehört unter anderem ein Begleitplan durch einen Landschaftsplaner, der festlegt, wie der Bau in die Landschaft eingefügt werden kann. Ein Erdwall soll die Südseite des Behälters bedecken. Dieser soll als Ausgleich – wie im Begleitplan festgelegt – bepflanzt werden.

Zusätzlich zum Behälter entsteht außerdem noch ein sogenanntes Havariebecken auf einigen Hundert Quadratmetern unterhalb der Feldscheune. Dieses soll ebenfalls begrünt werden, außerdem soll ein etwa ein Meter hoher Wall ringsherum entstehen. Sollten entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen Flüssigkeiten aus dem Behälter austreten, fließen sie in dieses Becken.

Auch archäologische Untersuchungen fanden statt

Damit es dazu nicht kommt, wurde die Baumaßnahme mit zahlreichen Behörden abgestimmt, erzählen Schoof und Dieckmann. Involviert waren das städtische Bauamt, die Naturschutzbehörden von Stadt und Landkreis, die Denkmalschutzbehörde, die Wasserschutzbehörde sowie die Landwirtschaftskammer Hannover. Auch archäologische Untersuchungen fanden auf der Baustelle statt.

Auch wenn der Gärrestbehälter nach oben hin offen sein wird, soll es zu Geruchsbelästigung nicht kommen, versichern die Landwirte. „Gärreste riecht man im Vergleich zu Gülle fast nicht“, so Dieckmann. Denn das für Menschennasen streng riechende Methan wird auf der Domäne Oelentrup schon zu Strom umgewandelt, bevor die Gärreste nach Schaumburg gelangen. mld

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