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Strategie gegen Mobbing

Prävention am Ernestinum in Rinteln Strategie gegen Mobbing

„Mobbing und Gewalt kommen immer mal vor“, räumt Reinhold Lüthen, Leiter des Gymnasiums Ernestinum, ein. „Aber es ist seit Jahren Konzept an unserer Schule, etwas dagegen zu tun.“

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Kämpfen am Ernestinum gegen Mobbing: Imke Buchholz, Christopher Brandt (beide Schülervertretung), der stellvertretende Schulleiter André Sawade, Gert Armin Neuhäuser, Stefanie Höfig (beide Schulelternrat), die Lehrerinnen Adrienne Scholz und Silvia Eandau vom Mobbing-Interventionsteam, Schulleiter Reinhold Lüthen und Olaf Reckeweg (Personalratsvorsitzender).

Quelle: dil

Rinteln. Dies geschieht offenbar mit Erfolg, denn nur zwei bis drei Klassenkonferenzen müssen pro Jahr wegen schwerer Fälle einberufen werden, wie der stellvertretende Schulleiter André Sawade erklärt. Die meisten Probleme mit Mobbing werden „niedrig schwellig“ gelöst, sagte er.

 Nach dem jüngsten mit einem Schulverweis geahndeten Mobbingfall (wir berichteten), aber nicht genau deshalb, wie mehrfach betont wurde, stellten Schulelternrat, Personalrat, Schulleitung und Schülervertretung jetzt den schon praktizierten Umgang mit Gewalt und Mobbing vor. Lüthen: „Wir haben eine Schulvereinbarung, die alle unterzeichnen, wenn sie zu uns kommen. Wenn dagegen verstoßen wird, sehen wir uns gezwungen, zu handeln. Zwei Kolleginnen und ich haben eine spezielle Ausbildung zum Umgang mit Mobbing und Gewalt absolviert.“

 Die Studienrätinnen Silvia Randau und Adrienne Scholz vom Mobbing-Interventionsteam des Gymnasiums erklärten das praktische Vorgehen: Präventionsprojekte:

 Es gibt eine gängige Methode und eine für schwere Ausnahmefälle. Prävention läuft als Projekt in den 5. und 6. Klassen zwei Stunden, in den 7. Klassen als Projekttag. Die Schüler lernen auf theoretischer Ebene, wie Mobbing-Prozesse entstehen, man ihnen entgegenwirken kann und was man tun kann, wenn es trotz allem zum Mobbing kommt. Sie lernen über praktische Beispiele wie zum Beispiel Rollenspiele, wie man Mobbingprozesse aufbrechen und wie man die Klassengemeinschaft sensibilisieren und gleichzeitig stärken kann. Medienscouts:

 Hinzu kommt der Einsatz von Medienscouts zur Vorbeugung von Cybermobbing (per Handy oder Internet). Schüler der 9. und 10. Klassenstufe übernehmen Patenschaften für 5. und 6. Klassen, innerhalb derer sie Aufklärung hinsichtlich der verantwortungsvollen Nutzung von Endgeräten und Medien (speziell Smartphones, Whatsapp, diverse Internetkanäle) betreiben und als Ansprechpartner für die Jüngeren zur Verfügung stehen. Gewaltprävention (seit 2012):

 Einmal im Jahr wird Christoph Rickels (Firma First Togetherness) an die Schule eingeladen. Er berichtet den Schülern des 7. (früher 8.) Jahrgangs darüber, wie er vor einigen Jahren nach einem Disco-Besuch mit nur einem Schlag ins Koma und zum Krüppel geschlagen wurde. Sein Bericht soll die Schüler dahin gehend sensibilisieren, dass auch scheinbar harmlose Rangeleien schwerwiegende Folgen haben können und sie dazu anregen, ihre Konflikte nicht mit körperlicher Gewalt zu lösen. Sozialtraining:

 Seit vergangenem Jahr wird im Familienzentrum ein Sozialtraining mit dem Schulsozialarbeiter und Fachberaterin Claudia Frevert-Fricke genutzt. Intervention:

 Speziell ausgebildete Lehrkräfte gehen Verdachtsmomenten nach, ohne Vorwürfe zu erheben. In schwerwiegenden Fällen schreitet ein über ein Jahr hinweg speziell ausgebildetes Mobbing-Interventionsteam ein. Es stimmt sich eng mit der Landesschulbehörde ab. Schulverweis:

 Wenn all dies nicht hilft, müssen schwerere Maßnahmen her wie ein Schulverweis, „aber nur nach Anhörung der Beteiligten und in Abstimmung mit der Landesschulbehörde“, sagten Lüthen und Gert Armin Neuhäuser vom Schulelternrat. Dann scheuen Schulleitung und Interventionsteam auch die enge Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft nicht.

 Landau abschließend: „Wir wollen früh zeigen, wie Mobbing funktioniert und für den Umgang mit anderen sensibilisieren. Denn auch derjenige, der passiv zuschaut, unterstützt das Mobbing noch. Schüler lernen deshalb auch Strategien, wie sie anderen helfen können.“

 Schulelternratsvorsitzende Stefanie Höfig stellte fest: „Es sind oft Gruppen, die sich zusammenschließen, um es dem Gemobbten schwer zu machen. Wir wollen mit all diesen Maßnahmen helfen, dass beim Mobbing niemand mitmachen will.“ Schülersprecherin Imke Buchholz ergänzte: „Wir sind froh, dass es diese Maßnahmen gibt, denn wir werden ja auch selbst von Schülern auf Mobbing angesprochen.“

 Und Personalratsvorsitzender Olaf Reckeweg: „Kein Lehrerkollege verschließt vorsätzlich die Augen vor Mobbing, aber man sieht eben einfach nicht alles.“ dil

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