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Streitpunkt Todesursache

Versicherung Streitpunkt Todesursache

Wer an einer Herzerkrankung leidet und deshalb Medikamente einnehmen muss, dem empfiehlt meist jeder Hausarzt eine Liste dieser Medikamente bei sich zu führen, damit ein Notarzt im Notfall weiß, was er tun muss.

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Symbolbild

Quelle: Archiv

Rinteln. Wer denkt schon daran, dass so eine Liste zu einem Rechtsstreit mit einer Versicherung führen könnte, weil bei einem Unfall plötzlich infrage gestellt wird, woran der Versicherungsnehmer tatsächlich gestorben ist: An einem Herzinfarkt, wie die Medikamentenliste vermuten lässt, oder an den Folgen eines Unfalles, den er erlitten hat?

Deshalb hat jetzt eine Ehefrau auf eine Versicherungssumme von rund 50.000 Euro verzichten müssen. Es wären sogar rund 92.000 Euro weniger geworden, hätte sie sich nicht anwaltliche Hilfe geholt.

Auslöser des Versicherungsfalls war der tragische Unfalltod ihres Mannes. Der war im Februar auf der Landstraße bei Heßlingen mit seinem Wagen in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt.

Der Notarzt notierte später in seinem Einsatzprotokoll, der Verunglückte sei noch ansprechbar gewesen, man habe Puls und Blutdruck festgestellt. Im Rettungswagen habe sich trotz aller eingeleiteten medizinischen Maßnahmen der Zustand des Mannes verschlechtert. Der damals 70-Jährige starb. Ursächlich dafür, notierte der Notarzt, seien die schweren Brustkorbverletzungen bedingt durch den Unfall gewesen.

Herztod nicht ausgeschlossen

Die Polizeibeamten, die den Unfall aufnahmen, fanden unter den Papieren des Verunglückten auch eine Medikamentenliste, die auf eine Herzerkrankung schließen ließ, erwähnten das in ihrem Bericht und zogen daraus den Schluss, ein plötzlicher Herztod, aufgrund dessen es zum Kontrollverlust des Fahrzeuges gekommen ist, könne als Todesursache nicht ausgeschlossen werden.

Für die Unfallversicherung des Verunglückten eine Steilvorlage. Sie schrieb an die Ehefrau: Weder Unfall- noch Todesursache seien abschließend geklärt. Fest stehe, ihr Ehemann sei aus einer lang gezogenen Kurve aus unerklärlichen Gründen geradeaus weiter gefahren. Das deute auf eine „innere Unfallursache“ hin. Die notärztlichen Angaben beruhten allein auf einer „äußeren Inaugenscheinnahme“. Eine konkrete Ermittlung der Todesursache sei nicht erfolgt. Angebot der Versicherung: Statt der vertraglich vereinbarten Leistung von 192.000 Euro nur 100.000 Euro – ohne Anerkennung einer Rechtsverpflichtung.

Versicherungsschutz nur für Unfallfolgen

Der Rintelner Rechtsanwalt Thomas Grell, der den Fall übernahm, stellte zunächst einmal anhand des Inhaltes der mit der Versicherung vereinbarten Bedingungen fest, dass – anders als in vielen Standardverträgen – ein Unfall, der auf einen zuvor erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall zurückzuführen ist, nicht vom Versicherungsschutz ausgenommen ist. Das hatte die Versicherung allerdings in ihrem ersten Schreiben an seine Mandantin nicht ausgeführt. „Schon deshalb“, so Grell, „hätte die Versicherung eigentlich die volle Summe zahlen müssen.“ Das teilte Grell der Versicherung mit. Antwort: Auch wenn Unfälle infolge eines Herzinfarktes mitversichert seien, beziehe sich der Versicherungsschutz nur auf die Unfallfolgen, nicht aber auf die Folgen des Infarktes an sich.

Dann ließ sich der Anwalt das Einsatzprotokoll des Notarztes vorlegen und die für Laien unverständlichen Details von einem befreundeten Arzt erläutern. Der schilderte ihm, dass jemand, der einen tödlichen Herzinfarkt erleide (wie die Versicherung unterstellt), deshalb die Kontrolle über seinen Wagen verliere und gegen einen Baum fahre, nicht mehr ansprechbar sei und weder Puls und noch Blutdruck habe. Der Verunglückte hätte dann leblos im Auto gesessen.

Prozessrisiko zu hoch

Die Versicherung wiegelte weiter ab. Für Grell war damit klar: Sollte der Fall vor Gericht gehen, müsste er beziehungsweise seine Mandantin den Beweis führen, dass ihr Mann durch den Unfall und nicht durch einen Infarkt gestorben ist. Dem würde die Versicherung mit Sicherheit widersprechen. Die Sache würde also in einen Gutachterstreit münden. Ausgang: ungewiss. Da die Ehefrau keine Rechtsschutzversicherung hatte, hielt der Anwalt das Prozessrisiko angesichts der Kosten für zu hoch und riet ihr von einer Klage ab.

Einen Erfolg konnte Grell für die Frau jedoch verbuchen, denn er schlug eine höhere Vergleichssumme vor. Statt 100.000 Euro erhielt die Hinterbliebene nun 140.000 Euro. wm

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