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Symposium für Vegetationswissenschaftler

Ohne Menschen wäre alles Wald Symposium für Vegetationswissenschaftler

Sieben der 14 Vegetationswissenschaftler, die am Wochenende anlässlich des elften internationalen Tüxen-Symposiums im Rintelner Brückentorsaal sprachen, beschäftigten sich mit dem Thema „Wald“.

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Rinteln. Professor Martin Diekmann und Professor Rüdiger Wittig fassten in einem Gespräch den Stand der Dinge zusammen: Das Waldsterben, Horrorszenario der achtziger Jahre sei nicht eingetroffen. Hier hätten, betonten beide, die von der Politik ergriffenen Maßnahmen gewirkt – wie der gesetzlich vorgeschriebene Einbau von Katalysatoren in Autos, der Einbau von Filtern in Kraftwerke.

Doch aus dem Schneider sind wir nicht. Inzwischen, schilderten Diekmann und Wittig, sei der hohe Stickstoffeintrag aus Landwirtschaft und industriellen Verbrennungsprozessen das Problem. Stickstoff gehe nämlich nicht nur ins Grundwasser, sondern auch in die Luft und regnet dann auf den Wald wieder herab.

Immerhin geht es dem Wald mit Blick auf den Artenreichtum noch besser als den Wiesen. „Der Wald wird ja auch nicht drei bis viermal im Jahr gemäht“, wie Diekmann das pointiert formulierte.

Nachhaltigkeit im Wald ist zurzeit das große Schlagwort in der Forstwirtschaft. Die Vegetationswissenschaftler sehen das skeptisch. „Nachhaltigkeit“ habe nämlich nichts mit „Biodiversität“, also Artenvielfalt, zu tun, sondern da gehe es einfach darum, dass künftigen Generationen das gleiche Holzvolumen zur Verfügung steht, die wir derzeit aus dem Wald herausnehmen.

Besser sei da schon der Ansatz, mehr „naturnahen Wald“ zuzulassen. Also nicht mehr zu bewirtschaften. Denn was die Qualität eines Waldes ausmache, betonten Diekmann und Wittig, sei das, was man nicht auf den ersten Blick sieht: Moose und Flechten, das was auf Totholz wächst und gedeiht. Als positives Beispiel für einen „naturnahen Wald“ nannte Diekmann das Naturschutzgebiet Wolbecker Tiergarten. Dieser Wald werde zwar seit Karl dem Großen bewirtschaftet, aber sehr zurückhaltend: „Hier finden sie sogar noch einen Feuersalamander, den es sonst nirgendwo mehr gibt.“

Wald ist die typische Vegetation in Deutschland. Diekmann und Wittig sagen: Ohne menschlichen Einfluss wäre bis auf die Hochmoore und Gewässer in 200 bis 300 Jahren ganz Deutschland wieder mit Wald bedeckt. Echte Urwälder gebe es in Mitteleuropa nicht mehr, die finde man teilweise noch auf dem Balkan.

Diekmann wies noch auf einen anderen Aspekt hin. Wenn global von dramatischem Waldverlust die Rede sei, werde immer der Regenwald genannt. Das sei zwar richtig, aber auch in Kanada in den küstennahen Wäldern sehe es nicht besser aus. Und das sei nur ein Beispiel. Nur stehe der Nadelwald nicht im Fokus der Öffentlichkeit. „Nadelwald ist eben nicht so attraktiv, da schwingt sich nicht Tarzan von Liane zu Liane.“

Wie schätzen beide die Chancen von Vegetationswissenschaftlern ein, auf solche Entwicklungen Einfluss zu nehmen? Der Einfluss, sagen beide, sei begrenzt. Die meisten Vegetationswissenschaftler engagierten sich ehrenamtlich im Naturschutz. Vegetationswissenschaftler würden bei Gutachten dazugezogen. Oft beispielsweise bei der Renaturierung dann als „Reparaturbetrieb“. Doch Wissenschaftler sitzen nicht wie andere Lobbygruppen regelmäßig Abgeordneten in Berlin auf dem Schoß. Außerdem hat die Vegetationswissenschaft in der Politik einen mächtigen Gegenspieler: die Ökonomie. Wittig erinnerte an die Diskussion um die Braunkohle. Arbeitsplätze wiegen hier mehr. wm

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