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Täter filmt missbrauchtes Kind

Rinteln/Bückeburg / Prozess Täter filmt missbrauchtes Kind

Es bleibt dabei: Ein Rintelner (63), der einen anfangs siebenjährigen Jungen zum Teil schwer sexuell missbraucht hat, wird zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

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Rinteln/Bückeburg. Führungsaufsicht bleibt dem Kinderschänder allerdings erspart. Dies hat am Freitag die 2. Große Jugendkammer des Landgerichts in Bückeburg entschieden. In einem ersten Prozess hatte eine andere Kammer Führungsaufsicht verhängt. Darunter versteht man scharfe Überwachung nach der Haftentlassung, für die es extra eine Aufsichtsstelle gibt, angesiedelt bei der Justiz. Auf diese Weise sollen weitere Straftaten vermieden werden.

 Nach Überzeugung von Richterin Eike Höcker, zugleich Präsidentin des Landgerichts, liegen die Voraussetzungen für Führungsaufsicht in diesem Fall nicht vor. Zum Zeitpunkt der Taten sei der Angeklagte Ende 50 gewesen. In der Vergangenheit habe die Neigung des Rintelners nicht zu Straftaten geführt, Hinweise auf neue Übergriffe gebe es nicht. „Und ein Restrisiko“, so Höcker, „ist bei jedem Verurteilten gegeben.“

 Ähnlich sieht es wohl auch der Bundesgerichtshof (BGH), der die Sache zur erneuten Verhandlung zurück nach Bückeburg verwiesen hat, nachdem Verteidiger Oliver Theiß Revision eingelegt hatte. Schuldspruch und Strafe ließ der BGH unangetastet. Oberstaatsanwalt Frank Hirt bescheinigt dem Angeklagten, dass dieser etwas gegen seine sexuelle Neigungen unternimmt. Zehnmal war der 63-Jährige zu Gesprächen im Männerbüro, dem Opfer hat er 5000 Euro Schmerzensgeld gezahlt, obwohl das Urteil noch nicht voll rechtskräftig war. Hirt kommt zu dem Schluss: „Handfeste Argumente für Führungsaufsicht, die der BGH fordert, kann ich nicht liefern.“ Auch Thorsten Frühmark, der Anwalt des Opfers, hat „den Eindruck, dass echte Reue gezeigt wurde“.

 Die Reue kommt etwas spät. Noch Jahre nach den nachweislich sieben Übergriffen, verteilt über mehrere Jahre, schämte sich der Junge, weil der Täter ihn gefilmt hatte. Sobald der Schüler ein Auto wie das des Angeklagten sah, bekam er Panik. Hinzu kamen Schlafstörungen und Probleme in der Schule. Wie es dem Opfer heute geht, wurde im Prozess nicht bekannt. Begonnen hatten die Übergriffe Anfang 2009. Zeitweise hatte der jetzt Verurteilte die Betreuung des Kindes übernommen. Der Vater hielt den Mann, der sogar ein Kinderzimmer eingerichtet hatte, für einen väterlichen Freund.

 Mit auf der Anklagebank saß im ersten Prozess ein zweiter Mann (36), der den Jungen ebenfalls missbraucht hatte, obwohl auch er ihn betreuen sollte. Dieser Angeklagte, ein früherer Medizinstudent, wurde zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Beide Männer wussten zunächst nichts von den Taten des jeweils anderen. Nachdem die Übergriffe bekannt geworden waren, hatte der 36-Jährige, früher der Lebensgefährte des Vaters, einen Suizidversuch unternommen, diesen jedoch überlebt. Nach dem Prozess legte er ebenfalls Revision ein, die vom BGH aber verworfen wurde.

 Der ältere Mann hat seine Haftstrafe bisher nicht angetreten, weil der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden war. Wenn der 63-Jährige aus dem Gefängnis kommt, ist er voraussichtlich 66 oder 67. „Man muss nicht unbedingt erwarten, dass dann noch Straftaten passieren“, sagt Verteidiger Theiß. Zu Kindern fühle sich Theiß’ Mandant „seit der frühesten Jugendzeit hingezogen“, wie es im ersten Urteil heißt.

 Zu seinen leiblichen Eltern hatte der Rintelner nie Kontakt. Mit vier Jahren kam er ins Heim, mit zehn oder elf in eine Pflegefamilie. In Rinteln wollte er mit dem Jungen Teil einer Art Familie sein. Diese Familie ist nun zerstört. ly

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