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Täter und Opfer psychisch krank

Prozess um Messerstecherei in der Mühlenstraße Täter und Opfer psychisch krank

Im Totschlagsprozess um die Bluttat an der Mühlenstraße zeichnet sich nach dem zweiten Verhandlungstag ab, dass Täter und Opfer psychisch krank waren. So soll der Messerstecher früher Stimmen gehört haben. Dies berichteten mehrere Zeugen vor dem Bückeburger Schwurgericht.

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Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig hat gegen den Rintelner Anklage wegen Totschlags erhoben. Am zweiten Prozesstag waren auch Sozialarbeiter als Zeugen geladen.

Quelle: tol

Rinteln. „Die Stimmen haben ihm gesagt, dass er sterben soll“, erklärte eine Frau aus Porta Westfalica, die den Rintelner (26) ehrenamtlich betreut hat. „Und sie haben gesagt, dass er mir etwas antun soll.“ Angst hatte die Betreuerin trotzdem nicht. „Er ist eher jemand, der sich selbst etwas antun würde“, sagte sie.

Der Psychotherapeut des 26-Jährigen bestätigte „mehrere Selbstmordversuche, die so abliefen, dass er plötzlich vor ein Auto sprang“. Einmal soll dies auf dem Parkplatz des Krankenhauses passiert sein. Der Therapeut geht von „depressiven Episoden mit psychotischen Symptomen“ aus. Solche Symptome können zum Beispiel Wahnideen sein. Im Prozess soll ein Gutachter beurteilen, ob der Rintelner ein Fall für die geschlossene Psychiatrie ist.

 Verantworten muss sich der Angeklagte wegen Totschlags. Vor einem Imbiss an der Mühlenstraße soll er einen Mann (27) am Abend des 10. Oktober 2014 durch einen Messerstich in die Brust so schwer verletzt haben, dass das Opfer wenige Stunden später im Krankenhaus starb. Der Rintelner räumt ein, zugestochen zu haben, stellt die Tat aber als Notwehr dar. Im Streit soll der andere Mann mit einem Stuhl auf ihn losgegangen sein.

Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig nimmt dagegen an, dass der Angriff mit dem Stuhl zum Zeitpunkt des Messerstiches bereits beendet war. Vorausgegangen waren dem tödlichen Streit offenbar wiederholte Auseinandersetzungen auf offener Straße, die sich über Wochen hingezogen hatten.

Ein Bild über das Opfer haben sich die Beteiligten am jüngsten Verhandlungstag ebenfalls gemacht. Der 27-Jährige wohnte bis zuletzt in einem Heim für Flüchtlinge. Auch er hatte Suizidgedanken geäußert und war vorübergehend in einer geschlossenen Abteilung, bevor er ambulant betreut wurde. Nach der Ablehnung seines Asylantrages hielt sich der Rintelner einmal in einer Klinik auf.

Im Heim soll er anfangs zurückgezogen gelebt haben, später jedoch zunehmend aggressiv aufgetreten sein. „Es war wenig angenehm, in dem Büro zu arbeiten“, erinnerte sich ein Sozialarbeiter an diese Zeit. „Ich hatte Angst.“ Demnach wechselten sich Beschimpfungen und religiöse Beschwörungen ab. Dem Sozialarbeiter erzählte der Flüchtling „von einem Traum, den er für Realität hielt“. Zeitweise wollte der Bewohner „alles in die Luft sprengen“, dann wieder ins Ausland und kämpfen.

Vom Angeklagten fühlte sich der 27-Jährige dagegen bedroht, so der Sozialarbeiter. Umgekehrt soll es genauso gewesen sein, wie der Messerstecher zum Prozessauftakt erklärt hatte. Der angeklagte Rintelner gilt als geistig gehandicapt. Seine ehrenamtliche Betreuerin sagt über ihn: „Er hat sich wie ein Zehn- oder Zwölfjähriger verhalten.“

ly

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