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Taxi (fast) zum Bustarif

Auf Linie 2024 und 2022 Taxi (fast) zum Bustarif

Der öffentliche Nahverkehr in Rinteln ist auf der Linie 2024 (Rinteln, Exten, Hohenrode, Rumbeck) und 2022 (Rinteln, Exten, Uchtdorf, Friedrichwald, Heßlingen) jetzt um ein Angebot erweitert worden: durch das Anrufsammeltaxi.

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Das Anrufsammeltaxi ist eine Ergänzung zum Linienverkehr und kostet zwei Euro mehr als der Bus.

Quelle: Jan

Rinteln. Das fährt ab Donnerstag zwischen 6 und 18 Uhr auch unter der Woche im Zweistundentakt, also dann, wenn der Bus nicht fährt. Es ist eine Ergänzung zum Linienverkehr und kostet zwei Euro mehr als der Bus. Man muss eine Fahrt mindestens eine Stunde vorher bei der Mobilitätszentrale Detmold, Telefon (05261) 6673950, anmelden. Das Taxi holt den Fahrgast an einer Bushaltestelle ab, fährt dafür an der Zieladresse bis (fast) vor die Haustür. Das macht in Rinteln „Taxi Pohl“. Der informierte ÖPNV-Nutzer fragt sich, warum man in Detmold ein Anrufsammeltaxi bestellen muss, obwohl die Linien 2024 und 2022 von der Schaumburger Verkehrs GmbH in Stadthagen betrieben wird? Die Antwort: Weil von Detmold bereits die Anrufsammeltaxis koordiniert werden, die für die Verkehrsbetriebe Extertal unterwegs sind.

Schüler wichtigste Kunden

 Die wichtigsten Kunden der Verkehrsbetriebe Extertal (vbe) in Bösingfeld sowie der Schaumburger Verkehrs GmbH in Stadthagen, die mit ihren Bussen Rinteln bedienen, sind nach wie vor die Schüler, Hauptstandbei ist die Schülerbeförderung. Der Fahrplan richtet sich deshalb im Wesentlichen nach Schulbeginn und -ende. Die Beförderung der Pennäler ist es auch, die die Verkehrsunternehmen dazu zwingt, auf den konzessionierten Linien ihre großen Busse vorzuhalten, die außerhalb des Schülerverkehrs halb leer durch die Stadt fahren. Dazu kommt: 80 Prozent der Kosten sind Personalkosten für die Fahrer. Aus dieser Perspektive ist es egal, ob der Fahrer einen Gelenkbus oder einen VW Bulli steuert. Senioren, die zu einer bestimmten Zeit zum Arzt oder zum Einkaufen wollen oder sich einfach auf dem Marktplatz in ein Café setzen, sind da nicht vorgesehen, weil nicht kompatibel. „Bedarfsverkehr“ nennt Knut Utech, beim Landkreis zuständig für den ÖPNV, diese Form im Gegensatz zum „Linienverkehr“.

Landkreis subventioniert

 Weil sich aber nicht jeder Senior oder Jugendlicher ein Taxi leisten kann, subventioniert der Landkreis (und die Stadt) deshalb drei Sondermodelle: das Anrufsammeltaxi, das Seniorentaxi und das Fifty-fifty-Taxi. 30000 Euro beispielsweise zahlt die Stadt als Zuschuss für das Anrufsammeltaxi-System. Ebenfalls positiv seit Januar dieses Jahres: Man kann mit einem Ticket von Rinteln in den Nordkreis fahren, auch wenn die Busse unterschiedlichen Verkehrsunternehmen gehören. Trotzdem bleiben Fragen und Ungereimtheiten: Warum der Bus ab Rinteln über Hohenrode nur bis Rumbeck fährt und warum man dort nicht immer einen Anschluss nach Hameln hat, vermochte niemand zufriedenstellend zu erklären. Und Eckard Strohmeier vom Seniorenbeirat der Stadt nannte ein Handicap für Behinderte, die ein Anrufsammeltaxi benutzen wollen: Sie müssen erst mal zur Haltestelle kommen. Dann die Bürokratie: Für Seniorentaxi wie Fifty-fifty-Taxi braucht man Gutscheine, die beim Landkreis zu beantragen sind. Auch manche Taxi-Unternehmen stört der ihrer Meinung nach hohe Verwaltungs- und Abrechnungsaufwand. Sie weigern sich, solche Fahrgäste mitzunehmen.

Mobilitätszentrale könnte helfen

 Ziemlich verwirrend findet Strohmeier. Mögliche Lösung: Eine Mobilitätszentrale in Schaumburg, wo der Bürger Antworten bekommt, etwa auf die Frage: „Ich wohne in Wennenkamp und muss um 15.30 Uhr im Klinikum Schaumburg sein, wie komme ich am besten da hin?“ Das Konzept für eine Mobilitätszentrale liege fertig in der Schublade, informierte Landrat Jörg Farr bei einer Pressebesprechung. Jetzt gehe es nur noch um die Frage der Finanzierung. Eine weitere Baustelle ist der Großraumtarif Hannover. Der gilt nur bis Haste, beziehungsweise Bückeburg. „Rinteln sollte unbedingt einbezogen werden“, mahnte Bürgermeister Thomas Priemer an. Farr versicherte, der Landkreis habe „seine Schularbeiten gemacht“. Der Kreistag habe den errechneten Zuschuss von 330000 Euro pro Jahr bewilligt. Jetzt hake es bei den anderen beteiligten Kreisen, denn die Verkehrsunternehmen wollen insgesamt rund 3,3 Millionen Euro Zuschuss pro Jahr, wenn sie die Tarifzone auch in die anderen Kreise weiter ziehen. Gemessen an anderen Landkreisen ist Schaumburg und damit die Stadt Rinteln beim ÖPNV „gut aufgestellt“, wie Politiker formulieren. Doch der Traum der Grünen, der ÖPNV könnte den Individualverkehr deutlich reduzieren, wird sich auf dem flachen Land kaum erfüllen. Der Trend geht dort eher zum Drittauto. So erzählt ÖPNV-Fachmann Utech, er bekomme immer mal wieder einen Anruf von Neubürgern, die von Hannover nach Rehren gezogen sind und sich wundern: „Warum fährt hier nicht alle zehn Minuten ein Bus?“

Von Hans Weimann

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