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Tester mit Fühler in Fritteuse: Fisch darf weiterbrutzeln

Rinteln / Altstadtfest Tester mit Fühler in Fritteuse: Fisch darf weiterbrutzeln

Salmonellen-Vergiftung, Gammelfleisch-Skandal oder die EHEC-Krise haben die Bevölkerung sensibilisiert, und niemand möchte sich durch mangelhafte Lebensmittel Krankheiten einfangen. Damit aber Bakterien, Keime oder sonstige mögliche Krankheitserreger von vornherein keine Brutstätten finden, schreibt das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Landkreises Kontrollen in Sachen Sauberkeit vor, auch beim Altstadtfest. Und das wird kontrolliert.

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Bei so viel Herz muss ja alles in Ordnung sein. Ein Blick aufs Haltbarkeitsdatum der Waffelpackung genügt Willi Ehlerding. © who

Rinteln (who). Willi Ehlerding aus Niedernwöhren, behördlich bestallter Kontrolleur. hatte bei rund 40 Imbiss-, Getränke- und Esswaren-Ständen nach dem Rechten zu sehen. Sein Exkurs führte zu mobilen Zapfanlagen, Kühltruhen, Grills, Fritteusen und Bratpfannen. Dabei sei voraus geschickt: Außer kleinen Korrekturen und Ermahnungen zu mehr Sorgfalt, hatte der Kontrolleur keinen Grund zur Beanstandung.

Bei 25 Jahren Erfahrung in seiner heutigen Spezialdisziplin kann es der frühere Konditormeister gelassen angehen. Er weiß genau, worauf es ankommt, er kennt seine Klientel, und sie kennt ihn, das macht’s einfach. Dabei verrät er verständnisvoll: „Wenn ich den ersten Stand betrete, löst das sofort einen Rundruf aus, und alle wissen sowieso, dass ich unterwegs bin.“

Darauf kommt es aber auch nicht an, fährt er fort. Denn es sei nicht seine Aufgabe, Betriebe zu schließen, „sondern es ist auch in meinem Sinne und dem des Staates, wenn die Unternehmen gut laufen und Geld verdienen“. Deshalb pflege er prinzipiell einen „Umgang auf Augenhöhe, höflich aber bestimmt“ und gebe deshalb schon beim Aufbauen der Stände Tipps und Hinweise für die entspannte Einhaltung behördlicher Auflagen.

Ehlerding erlebt immer wieder: „Es braucht keine Keule, wenn man vernünftig mit den Menschen umgeht“, dann kommt sogar das Handwaschbecken für den Bratwurststand wie von selbst, auch wenn es zurzeit noch nicht zwingend vorgeschrieben ist.

„Hygiene ist kein Selbstzweck“, und „das Wichtigste ist für mich das Lebensmittel selber“, sind Ehlerdings persönliche berufliche Leitlinien. Es gehe darum für die Rahmenbedingungen zu sorgen in Bezug auf Frische, hygienisches Umfeld, Beachtung von Verfalldaten der Zutaten, „damit das Lebensmittel in einem einwandfreien Zustand an den Verbraucher abgegeben werden kann“. Dabei sei unter anderem grundsätzlich zu unterscheiden zwischen tierischen und nicht tierischen Lebensmitteln. Auch sei ein Getränkestand anders zu beurteilen als zum Beispiel die mobile Fischbratküche nebenan.

Der Kontrolleur hat ein generelles Zugangsrecht zu allen Ständen, und bereitwillig lassen ihn die Betreiber hinter die Kulissen schauen. Ehlerding: „Wir kennen uns in der Regel schon lange, und die meisten sehen mich drei- bis viermal im Jahr. Da weiß man, worum es geht.“ So darf er persönlich testen, ob die Gläser-Spülanlage in der Biertheke hält, was der Inhaber verspricht. Der Mann mit den längsten Grillspießen auf dem Platz zeigt, dass diese in den Kühltruhen korrekt auf Temperatur gehalten werden.

Die Schichtleiterin im Mega-Fischwagen hat sofort das Testgerät für den Zustand des Fritteusen-Fetts bereit, in dem goldbrauner Backfisch den wartenden Kunden das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Eigentlich genügt Ehlerding schon die bloße Riechprobe und nur der Demonstration wegen taucht er den Fühler des Testers noch ins klare Fett. Alles deutlich im grünen Bereich, zeigt das Gerät an.

„Wir prüfen ja auch regelmäßig mehrmals am Tag“, kommentiert die Schichtleiterin. Der Kontrolleur zieht den weißen Kittel wieder aus, den er vorschriftsmäßig bei seiner Visite getragen hat.„Fisch ist aber ein sensibles Thema“, betont Ehlerding und ist schon wieder auf dem Weg zum nächsten Nachbarn. „Den Wagen kenne ich gut, da ist immer alles in Ordnung“, sagt er und verweist unter anderem auf die sauberen und gepflegten Dichtungen der Kühltruhen mit zwischengelagerten Bratwürstchen.

Bei der Crêpes-Bäckerei kontrolliert er, wie schon am Stand mit dem herzhaften Knoblauch-Brot, die Haltbarkeitsdaten auf den Tüten mit Milch und Soßen sowie Eierpackungen. Dazu merkt er an: „Die größte Gefahr bei Eiern geht allerdings von der Schale aus.“

Nicht zuletzt hat der Kontrolleur stets ein besonderes Auge darauf, dass jeder Standbetreiber im Umgang mit Lebensmitteln seine Einmalhandtücher bereithält. Denn: Textilhandtücher mit ihrem feuchten und warmen Klima sind wahre Bakterienbrutstätten. Deshalb besteht Ehlerding darauf, dass die Inhaberin des Pommes-Standes ihm auf dem Rückweg auch wirklich die versprochene neue Rolle mit Haushaltstüchern vorzeigen kann.

„Gerade vor fünf Minuten“ sei die letzte Rolle ausgegangen, beteuert die Frau, und der Kontrolleur glaubt es ihr mit dem verständnisvollen Lächeln des Profis, der sich sicher ist: Zumindest gleich wird eine neue Rolle zur Hand sein ...

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