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Theater wird Gebrüdern Grimm nicht gerecht

Schauspiel tanzt über Tiefsinn hinweg Theater wird Gebrüdern Grimm nicht gerecht

Kinder sind wirklich das beste Theater-Publikum. So war es auch wieder am Freitag im Brückentorsaal, als die Truppe vom „Liberi“-Theater aus Bochum das Musical „Schneewittchen“ aufführte.

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Gut bei Stimme: Das süße Schneewittchen mit zwei von den sieben Zwergen.

Quelle: tol

Rinteln. Die kleinen Zuschauer lachten bereitwillig über jeden Scherz, sie spendeten fröhlich Zwischenapplaus und beteiligten sich lebhaft mit Zwischenrufen: „Nein! Nicht den Apfel essen! Der ist vergiftet!“ Das erinnerte an die übliche Stimmung bei Kasperle-Theatern. Und: Hätte es nicht einfach ein Kasperletheater sein können?

 Das „Liberi“-Theater reist mit seinen Familienproduktionen durch ganz Deutschland, darunter eben „Schneewittchen“, das Märchen vom wunderschönen Königskind, das von der eifersüchtigen Stiefmutter mörderisch verfolgt wird, selbst als es schon Unterkunft bei den sieben Zwergen im Wald gefunden hat. Wie alle Märchen besitzt auch „Schneewittchen“ seine unheimlichen, ja, tragischen Seiten, bis hin zum Ende, bei den Brüdern Grimm, wo die böse Königin zur Strafe für ihre Untaten in feuerglühenden Schuhen tanzen muss. Das „Liberi“-Theater aber sang und tanzte mehr als anderthalb Stunden lang über allen möglichen Tiefsinn hinweg.

 Dass es in den einfachen Geschichten eines Kasperle-Theaters meist lustig und laut zugeht, hat Tradition. Schließlich sollen die Kinder Spaß haben. Doch warum ist im Musical die gewiss großartig singende böse Stiefmutter (Rosalie Becker) umgeben von zwei überdreht herumkreischenden Hofdamen (Edith Schachinger, Christina Stephan)? Warum springen sie als Zwerge wie unter Drogen herum und singen Lieder über die Faulheit? Warum tanzt die Königin zum Schluss, als wäre nichts geschehen, gut gelaunt auf der Hochzeit zwischen süßem Schneewittchen (Lea Christine Mies) und dem hübschen Prinzen (Markus Hanse)? Das ist sinnloser als Kasperle-Theater je sein könnte.

 Gewiss, die kindlichen Zuschauer machen alles mit. Sie bemerken wohl auch nicht, dass das Stück keineswegs gegen einen Schönheitswahn aufbegehrt, sondern einfach nur einen Schönheitswettbewerb inszeniert, bei dem das junge Schneewittchen gewinnt gegen die nicht mehr so junge Stiefmutter. Man könnte einwenden: Ist doch egal. Hauptsache, es macht Spaß. Dazu aber hätte ein Kasperlespiel ausgereicht – und zwar, ohne ein altes Volksmärchen, das mehr ist als Klamauk, zu verhunzen. cok

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