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Thema ist noch nicht vom Tisch

Integrationsbeauftragte in Rinteln Thema ist noch nicht vom Tisch

„Sollen wir künftig ins Rathaus fahren und uns auf gut Glück jemanden suchen, wenn wir Fragen haben?“ Die Entscheidung der Mehrheitsgruppe von CDU, WGS und FDP, die Stelle der Integrationsbeauftragten der Stadt nicht neu auszuschreiben, stößt bei Christel Struckmann auf größtes Unverständnis. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des TSV Krankenhagen und Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Rintelner Sportvereine.

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Bei der VT Rinteln wird Futsal gespielt. Von rund 60 Flüchtlingen betreiben rund die Hälfte diesen Sport. „Sportvereine sind eine tragende Säule der Integration“, sagen Karl-Heinz Frühmark und Christel Struckmann, Arbeitsgemeinschaft Rintelner Sportvereine. Sie sind fassungslos über die Entscheidung der Mehrheitsgruppe.

Quelle: pr.

RINTELN. Veronika Matamu, die bislang Integrationsbeauftragte war, sei eine „zentrale Ansprechpartnerin“ gewesen, sagt Struckmann. Nicht nur der TSV, auch viele weitere Vereine wie die Vereinigte Turnerschaft (VTR) und der SC Rinteln böten ehrenamtlich viele Sportangebote für Flüchtlinge und Migranten an – und Matamu war stets die Mittlerin.

Das bestätigt auch Karl-Heinz Frühmark von der VTR. Dort absolviert momentan ein junger Mann aus Syrien einen sogenannten „Bundesfreiwilligendienst Welcome“. „Er ist unglaublich engagiert, ist bei jeder Vorstandssitzung dabei“, erzählt Frühmark angetan. Allerdings hatte es zuvor einige bürokratische Hürden gegeben, doch Matamu habe helfen und den Freiwilligendienst möglich machen können. „Was ich damit deutlich machen will: Wir brauchen für die Integration einen festen Ansprechpartner mit einem guten Netzwerk“, sagt Frühmark.

Die Aufgaben der Integrationsbeauftragten sollen nach Vorstellung der Mehrheitsgruppe künftig vom Landkreis übernommen werden – oder gemeinschaftlich von der Verwaltung. „Das ist eine Frechheit“, findet Struckmann klare Worte. Es könne von den Mitarbeitern der Verwaltung nicht verlangt werden, zusätzlich Aufgaben der Integrationsarbeit zu übernehmen.

„Das alles ist nicht mal eben so getan“, sagt auch Frühmark. Der Integrationsbeauftragte müsse auch viel unterwegs sein, auf Menschen und Institutionen zugehen. Das sei keine „Querschnittsaufgabe“.

Sportvereine fühlen sich übergangen

Das Argument der Mehrheitsgruppe, die eingesparten rund 40000 Euro beispielsweise für Kitas ausgeben zu wollen, beurteilen beide als unfair: „Man kann doch nicht das eine gegen das andere ausspielen.“

Was Frühmark und Struckmann auch nicht verstehen: Dass mit den Sportvereinen nicht gesprochen wurde, bevor die Entscheidung getroffen wurde – und diese außerdem im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss fiel.

Sportvereine seien doch eine der tragenden Säulen der Integration, so Frühmark. Mindestens 60 Migranten trainieren derzeit bei der VTR, sagt er, ungefähr zehn seien es beim TSV Krankenhagen.

„Beim Boxen beispielsweise braucht man erst einmal kein Deutsch“, so Frühmark. Da gebe es klare Regeln, und die müsse man lernen. Die Sprache lerne man in einem Sportverein dementsprechend nebenher – aber schnell. Und da Sport schon bei Kita-Kindern beginne, beginne dort auch schon die Integration.

Struckmann unterrichtet an der Grundschule Krankenhagen-Exten. Über die Integrationsbeauftragte kamen bislang auch Spendenaufrufe für Flüchtlinge an sie heran.

Schulen, Sportvereine – das alles sind zentrale Knotenpunkte der Integration. „Wer wird dieses Netzwerk denn künftig aufrechterhalten?“, fragt Struckmann.

Eine E-Mail an den Bürgermeister

Zu diesem Netzwerk gehören auch die Mitarbeiter der Flüchtlingssozialarbeit und Migrationsberatung, die Mitarbeiter sozialer Institutionen sowie viele Ehrenamtliche: Flüchtlingslotsen, Familienpaten, Deutschlehrer und die Helfer beispielsweise in Kochkursen und Kleiderkammern. Sie haben sich nun in einer E-Mail an Bürgermeister Thomas Priemer gewandt. „Wir Flüchtlingslotsen und viele ehrenamtliche Helfer, die die Arbeit und den Einsatz der Integrationsbeauftragten ständig miterlebt haben, können uns nur schwer vorstellen, wie die Koordinierung von Sprachkursen, Krippenplätzen, Arztbesuchen, Dolmetscherservice, Nähkursen, Praktikumsplätzen – um nur einiges zu nennen – bewerkstelligt werden soll“, heißt es darin. Wie auch Struckmann und Frühmark sagen sie: „Die Flüchtlinge brauchen dringend einen persönlichen Ansprechpartner.“ Außerdem bräuchten auch die Flüchtlingslotsen eine Anlaufstelle.

„Wer glaubt, dass die gesellschaftliche Herausforderung Integration als Querschnittsaufgabe innerhalb einer Kommunalverwaltung abgearbeitet werden kann, hat keine Ahnung vom täglichen Aufgabenumfang“, so Priemer in einem Schreiben an die Presse. Bürger würden außerdem wissen wollen, an wen sie sich wenden könnten, wenn sie sich für Flüchtlinge engagieren wollen. Oder auch, wenn sie sich über etwas ärgerten oder Sorgen machten. Er zieht den Schluss: „Ich unterstütze alle diejenigen, die sich für die Wiederbesetzung der Stelle einsetzen.“

Auch für Struckmann und Frühmark ist das Thema noch lange nicht vom Tisch: Es soll spätestens bei der Mitgliederversammlung der VTR am 16. Januar wieder besprochen werden.

„Wir hatten schon immer viele verschiedene Nationalitäten in unseren Vereinen“, erzählt Christel Struckmann. Bislang sei die Integration in Rinteln gut gelaufen. Das soll so bleiben: „Wir wollen, dass sie als unsere Nachbarn akzeptiert werden.“ mld

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