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Thorarolle verbrannt

Rinteln / Pogrom-Gedenken Thorarolle verbrannt

Der Rassenwahn der Nationalsozialisten hat sich am 9. November 1938 auch in Rinteln gegen jüdische Mitbürger gerichtet. Geschäfte wurden beschädigt und beraubt, ihre Inhaber verhaftet und verschleppt, die Synagoge geschändet, die Thorarolle auf dem Kirchplatz verbrannt.

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 Erinnern an die Pogromnacht in Rinteln und ihre Folgen: Superintendent Andreas Kühne-Glaser (von links), Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz, Uwe-Kurt Stade, Thomas Weißbarth und Anja Börke (Flöte).

Quelle: dil

Rinteln. Niemand schritt ein. Sechs jüdische Männer wurden ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht und sahen ihre Heimatstadt nie wieder. Pogromnacht in Rinteln vor 75 Jahren – daran wurde bei einer Gedenkfeier vor dem geschlossenen Tor des jüdischen Friedhofs an der Ostertorstraße erinnert.

 Die Polizei hatte die Straße gesperrt, keine Autos mit offenen Fenstern und lauter Radiomusik störten – wie manchmal in den Vorjahren. Der Regen wartete bis zum Schluss der Feier, als die mehr als 100 Teilnehmer in der Kirche St. Nikolai das Kunstwerk „Die Tische der Zeit“ von Gisela Gührs und eine Audiocollage von Andreas Hoppe auf sich wirken ließen.

 Superintendent Andreas Kühne-Glaser hatte am Friedhof, der wegen des Sabbats nicht betreten werden sollte, daran erinnert, was vor 75 Jahren kurz nach Mitternacht in Rintelns Altstadt passierte. Geschichtslehrer Thomas Weißbarth und Hobbyhistoriker Uwe-Kurt Stade lasen aus Aufzeichnungen des früheren Stadtarchivars Kurt Klaus weitere Details dazu. Und siehe da, es ging nicht nur um Rassenwahn, sondern auch um profanen Diebstahl und Selbstbereicherung von örtlichen SS-Schergen und -Mitläufern. Den Juden wurde ihr Bargeld abgeknöpft, und dann sollten sie noch für den Einsatz bezahlen.

 Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz machte deutlich: „Der 9. November war nicht nur der vorläufige schreckliche Höhepunkt einer seit 1933 andauernden, sich steigernden Folge von Diskriminierung, Diffamierung und Ausgrenzung. Er war darüber hinaus ein Umbruch in eine Verfolgung von bis dahin nicht gekannter Brutalität. Auch in Rinteln, wo im Jahr 1933 insgesamt 73 jüdische Mitbürger lebten, geschahen die gleichen unfassbaren und entsetzlichen Dinge wie fast überall in Deutschland.

 Die Zerstörungen, kollektiven Verhaftungen und vor allem die brutalen Wochen in Buchenwald markierten für die jüdischen Opfer eine Zäsur. Nie zuvor bekamen sie die eigene Ohnmacht so deutlich zu spüren.“ Einigen Familien sei die Flucht gelungen, andere kamen ins Warschauer Ghetto oder nach Theresienstadt, wurden in Auschwitz oder Buchenwald ermordet. Als Erinnerung an sie werden am 27. November die ersten vier Stolpersteine in Rinteln verlegt.

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