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„Türkei will keine kurdische Selbstverwaltung“

Kemal Sido berichtet von Syrienreise „Türkei will keine kurdische Selbstverwaltung“

Diavorträge von einer Reise in ferne Länder sind normalerweise gut besucht. Als aber Kemal Sido im Gemeindehaus der Rintelner Nikolaikirche von einer Reise nach Syrien berichtete, kam nur eine Handvoll Zuhörer.

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„Die Türkei will keine kurdische Selbstverwaltung, sie will, dass syrische Islamisten die Kurden für sie erledigen“, meint Kemal Sido.

Quelle: cok

Rinteln. Es ging um syrische Kurden, die in einer Art Ministaat rund um die syrische Stadt Afrin standhalten, eingeschlossen von fast unüberbrückbaren Grenzen Richtung Türkei und den vom Islamischen Staat (IS) eroberten Gebieten – nicht gerade ein Traumziel für eigene Reisen.

Sido ist Historiker und in der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ als Referent für den Nahen Osten tätig. Als junger Mann war er selbst aus Syrien geflohen und ließ dabei einen Teil seiner kurdischen Familie zurück. Umso leidenschaftlicher beschäftigte er sich dann mit kurdischer Geschichte und Sprache und verfolgt, wie an der Grenze zwischen Syrien und Türkei drei kurdische „Kantone“ um ihren Fortbestand kämpfen, darunter das vom IS befreite Kobane.

Bisher, sagte er, habe sich Afrin gegen die radikalen Islamisten verteidigen können. Sollte sich das ändern, dann trage die Politik des türkischen Präsidenten Erdogan dafür entscheidende Verantwortung.

Auf der einen Seite sei Afrin eine funktionierende, geradezu friedliche Enklave. Die PYD, der syrische Ableger der PKK, sorge für eine funktionierende Verwaltung der zusammen mit Flüchtlingen etwa 1,3 Millionen Einwohner im Zentrum, den Kleinstädten und weit mehr als 300 Dörfern. Kurdische Soldaten bewachen die Grenzen rund um das Tal des Flusses Afrin und die bergige Landschaft, die durch ihre Unübersichtlichkeit das Vordringen islamistischer Kämpfer verhindere.

Während die Türkei aber Mitglieder des IS über ihre Grenzen lasse und sie aktiv unterstütze, seien die Grenzen für die Kurden verschlossen. „Die Türkei will keine kurdische Selbstverwaltung, sie will, dass syrische Islamisten die Kurden für sie erledigen“, so seine These, die er mit den politischen Vertretern vor Ort teilt.

Mit seinen Fotos aus Afrin und den umliegenden Dörfern, mit den vielen Interviews, die er führte und den Menschen, die er porträtiert, will er zeigen, wie gut die säkulare Selbstverwaltung funktioniert, mit Frauen in führenden Positionen und einer friedlichen Gemeinschaft zwischen den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften.

Afrin sei von mörderischen Islamisten eingekesselt und brauche Nachschub, der über die Türkei kommen könnte, sagt er. Zudem könnten die drei kurdischen Kantone über die Türkei Verbindung untereinander aufnehmen. Das aber werde aus politischen Gründen verhindert.

Seine kleine Zuhörerschaft zeigte sich betroffen, aber auch ratlos. Die Rintelnerin Petra Scharnhorst hatte Sido eingeladen, um vor Ort eine Regionalgruppe der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ aufzumachen.

„Wir tragen eine Mitverantwortung und dürfen unsere Augen nicht verschließen, wenn ein ganzes Volk vom Untergang gefährdet ist“, sagt sie. „Dafür braucht es die entsprechenden Informationen. In der geplanten Gruppe würde es darum gehen, sich tiefere Kenntnisse über die Situation der Kurden zu erarbeiten und diese dann weiter zu tragen.“ Scharnhorsts Kontaktnummer: Telefon (0170) 2681456. cok

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