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Über Facebooknach Betrügern fahnden?

Strafbar Über Facebooknach Betrügern fahnden?

Ein Mann betrügt an der Kasse eines kleinen Geschäftes in Rinteln. Die Inhaber bemerken die Straftat erst, nachdem er schon gegangen war. Eine Überwachungskamera aber hat Bilder von ihm gemacht.

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Mit solch einem (im original unverpixelten) Facebook-Eintrag wollte ein lokales Geschäft einen vermeintlichen Betrüger ausfindig machen. Das Problem: Gesetzlich ist das verboten.

Quelle: Repro: red

Rinteln. Ist es da eine gute Idee, das Bild vom vermeintlichen Täter bei Facebook zu veröffentlichen und einen privaten Fahndungsaufruf zu starten? Befragt man das Gesetz, lautet die Antwort eindeutig: nein. Es ist verboten und strafbar, ungefragt Bilder anderer Menschen zu veröffentlichen, auch dann, wenn man sich sicher ist, dass der Betroffene eine kriminelle Handlung begangen hat.

Mit Anzeige an die Polizei wenden

„Private Fahndungsaufrufe bewegen sich im Bereich verbotener Selbstjustiz, und das ist nichts, was wir Bürger wollen sollten“, sagt Jörg Stuchlik, Kriminalhauptkommissar im Kommissariat Rinteln. „Der richtige Weg ist, sich mit einer Anzeige an die Polizei zu wenden.“ Diejenigen, die das Fahndungsfoto auf Facebook sahen, es teilten und kommentierten, lässt so ein Einwand kalt. Schließlich wüssten die Geschäftsinhaber genau, dass der Mann ein Betrüger sei. Man wolle eben verhindern, dass er auch in anderen Geschäften Erfolg hat. Über Facebook könne man viel mehr Menschen erreichen als die Polizei. Außerdem: Soll der Typ doch sein „Recht auf das eigene Bild“ in Anspruch nehmen, da würde er sich ja nur ins eigene Fleisch schneiden.

Tatsächlich bekommt jemand, der mit Bild oder sogar mit einem Namen die Fahndung in die eigene Hand nimmt, nur Ärger, wenn ein direkt Betroffener sich beschwert. Anders als bei einem Ladendieb, der auf frischer Tat ertappt wird und den jedermann festhalten darf, bis die Polizei kommt, hat im Fall der Privatfahndung kein Außenstehender die Möglichkeit, eine unerlaubte Foto-Veröffentlichung zu verhindern. „Man sollte sich allerdings fragen, ob man dazu beitragen will, Datenschutzbestimmungen auf diese Weise zu unterlaufen“, so Stuchlik.

Maßnahme zum Schutz der Bürger

Nicht umsonst müsse die Polizei erst eine Verfügung von Staatsanwalt oder Richter erlangen, bevor sie Fahndungsfotos an die Presse gibt oder auf der eigenen Homepage veröffentlicht. Selbst dann geschieht das nur bei schwereren Verbrechen. Diese Maßnahme diene dem Schutz der Bürger. „Niemand möchte zu Unrecht verdächtigt werden, etwa, weil er einem vermeintlichen Täter ähnlich sieht“, erklärt Stuchlik und verweist unter anderem auf den Fall eines jungen Mannes aus Emden, der beinahe gelyncht worden wäre, weil er auf Facebook fälschlicherweise des Mordes an einem Mädchen bezichtigt wurde.

Zudem gibt Stuchlik zu Bedenken: „Im Fall, dass ein Täter aufgrund so eines Fotos erwischt wird, kann er selbst Anzeige erstatten. Auch ein Krimineller verliert keineswegs das Recht am eigenen Bild, es sei denn, es hätte eine richterliche Verfügung gegeben.“ Eine entsprechende Vertragsstrafe kann durchaus mehrere Tausend Euro betragen. „Es ist also auch im Interesse des Geschädigten, sich an die Polizei zu wenden, anstatt Internetplattformen wie Facebook als einen rechtsfreien Raum zu nutzen.“ cok

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