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Namensdebatte wegen Straßennamen in Rinteln Umstritten

Paul von Hindenburg (1847-1934), ehemaliger Generalfeldmarschall und Reichspräsident, führt in vielen Städten zu mitunter emotionalen Diskussionen. Vor allem durch seine Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler, die den Nationalsozialisten zur Macht verhalf, steht Hindenburg in der Kritik.

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Mindestens ein Rintelner scheint sich an dem Namen der Hindenburgbrücke zu stören. 

Quelle: pk

RINTELN. Vielerorts fordern Politiker oder Bürger deshalb eine Umbenennung der nach ihm benannten Straßen oder Plätze. Oder setzen sich für den Erhalt des Namens ein.

Ein paar Beispiele: 2012 in Münster entschieden Stadtrat und Bürger, den Hindenburgplatz in Schlossplatz umzubenennen. Im badischen Offenburg wird seit vier Jahren über eine Umbenennung der Hindenburgstraße diskutiert. Das Hindenburgufer in Kiel wurde 2014 in Kiellinie umbenannt. Und aktuell steht in Hannover die Umbenennung von Hindenburgstraße und Hindenburgschleuse zur Diskussion.
In Rinteln ist diese Debatte noch nicht angekommen. Aber mindestens ein Rintelner scheint mit dem Namen der 1927 erbauten Hindenburgbrücke, die Nord- und Südstadt miteinander verbindet, nicht einverstanden zu sein. Vorausgesetzt, er hatte ein politisches Motiv. Ein Unbekannter hat den Namen an den beiden in Stein gemeißelten Brückensäulen auf der Nordseite übersprüht. Stiller Protest oder blinder Vandalismus?

Heinrich Sohnrey wird zum Holunder

Die Rintelner Politik hat die über zwei Jahre geführte Debatte über die Umbenennung des Heinrich-Sohnrey-Weges in der Nordstadt noch gut in Erinnerung. Ein Göttinger Professor hatte 2011 den Heimatdichter und Schriftsteller Sohnrey als ideologischen Wegbereiter der Nationalsozialisten enttarnt. Zahlreiche hitzig geführte Diskussionen, auch mit den Anwohnern der Straße, und eine wissenschaftliche Untersuchung später entschloss sich die Politik 2014 für eine Umbenennung des Heinrich-Sohnrey-Weges in Holunderweg.

Dass nun ein Hindenburg-Diskurs folgt, ist jedoch unwahrscheinlich. Die Ortsratsfraktionen sind sich weitgehend einig darin, keine Umbenennung anzustoßen.
Astrid Teigeler-Tegtmeier (SPD) sieht dafür keinen Anlass. Aus einem einfachen Grund: Kaum ein Rintelner kenne die Hindenburgbrücke unter diesem Namen, sondern spreche stets schlicht von „Weserbrücke“. Wozu also schlafende Hunde wecken?

Denkmal am Blumenwall stört ebenfalls

Im Zuge der Sohnrey-Debatte sei zwar auch kurz die Umbenennung von der Hindenburgbrücke und auch des nach der Schriftstellerin benannten Agnes-Miegel-Weges erörtert worden. Am Ende habe man „diesen Zug aber fahren lassen“. Anders in Hannover, wo im Januar eine Umbenennung des dortigen Miegelwegs beschlossen wurde, nachdem ein wissenschaftlicher Beirat befunden hatte, dass Miegel das Nazi-Regime als aktive „Stütze“ im Kulturbereich gefördert habe.

Verschließen wolle sich Teigeler-Tegtmeier einer Umbenennung aber nicht – wenn Hindenburg ähnlich kritisch zu betrachten sei wie Sohnrey.
Gert Armin Neuhäuser von der WGS habe mit Hindenburg als Wegbereiter von Hitler zwar „ein ganz großes Problem“. Da der Name der Brücke im Sprachgebrauch jedoch kaum stattfinde, könne er auf Anhieb keine Notwendigkeit für eine Umbenennung erkennen. Viel mehr störe er sich an dem Denkmal am Blumenwall für Reichskanzler Otto von Bismarck, der das Sozialistengesetz verabschiedete und damit auch die „freie Meinungsäußerung“ beschnitten habe. So gesehen könne „man viele Säue durchs Dorf jagen“, so Neuhäuser, der im Falle einer Umbenennung deshalb für „einheitliche Maßstäbe“ plädiert.

„geschichtsvergessen und vermessen“

Ortsbürgermeister Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU) sei zwar gerne zu einer Diskussion bereit, allerdings nur auf einer „wissenschaftlich fundierten Basis“. Wenn Wissenschaftler zu dem Ergebnis kämen, dass Hindenburg ein „Verbrecher“ war, dann wäre er für eine Umbenennung der Brücke.
Allein Heiner Schülke (FDP) spricht sich gegen eine Umbenennung aus. Man müsse historische Persönlichkeiten wie Hindenburg im Kontext der Zeit betrachten. Seine Ernennung Hitlers zum Reichskanzler „kann man heute negativ bewerten, weil man weiß, wie es ausgegangen ist“, so Schülke. Ihn dafür heute zu verurteilen, sei „geschichtsvergessen und vermessen“.

Was sich alle vier politischen Vertreter vorstellen könnten (Grünen-Ortsratsmitglied Gerhard Helmhold war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen), ist eine an der Brücke angebrachte Infotafel, die den historischen Hintergrund von Brücke und Hindenburg erhellt. Eine Infotafel, wie sie dann wohl auch in Engern aufgestellt werden müsste. Dort gibt es nämlich eine Hindenburgstraße.
Unterdessen hat die Straßenmeisterei angekündigt, die Sprühfarbe von der Brücke zu entfernen.   pk

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