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Umstrittene Ausgrabung endet – oder?

Archäologische Untersuchung in Rinteln Umstrittene Ausgrabung endet – oder?

Am Mittwoch ist die Zeit, die das Unternehmen Archaeofirm für die Ausgrabungen an der Ritterstraße 2 zur Verfügung hatte, abgelaufen. Offenbar haben sich die Wogen um die Untersuchung etwas geglättet.

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 In Körben werden die Artefakte gesammelt, die Archäologe Markus Brückner und seine Mitarbeiter zutage gefördert haben: Knochen, Keramik, Nägel, Münzen und große Mengen an Tonpfeifen.

Quelle: pk

Rinteln. Am Nachmittag kamen Rintelns Stadtbaudezernentin Elena Kuhls und Bauamtsleiter Andreas Wendt mit den Kommunalarchäologen Jens Berthold und Joachim Schween, dem Archäologen Markus Brückner von Archaeofirm und dem Bauleiter des Architekturbüros Roper an der Ausgrabungsstelle zusammen. Worum es bei diesem Treffen ging – das Landesamt für Denkmalpflege hat vor Kurzem bei Bürgermeister Thomas Priemer eine Dienstaufsichtsbeschwerde und beim Ministerium für Wissenschaft und Kultur eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Stadtverwaltung eingereicht (wir berichteten) –, wollte niemand sagen. Immerhin: Archäologe Brückner präsentierte dieser Zeitung seine ersten Erkenntnisse der Grabung. Diese wird möglicherweise doch noch fortgesetzt.

 Das Gelände, so Brückner, sei ab dem 14. Jahrhundert genutzt worden. Dies gehe aus den Materialien hervor, die in den Kulturschichten des Bodens gefunden wurden. „Die Schichten sind weitestgehend homogen und reichen vom 14. bis ins frühe 17. Jahrhundert“, sagt der Archäologe. Teilweise seien er und seine Mitarbeiter auch auf Kohleschichten gestoßen, die entweder von einem Hausbrand oder aber auch von alten Öfen zeugen können.

 Auf einem freigelegten Fundament, eine mit Lehm versiegelte Steinmauer 40 Zentimeter unter der Erdoberfläche, wurde vor 200 Jahren das im März abgerissene Fachwerkhaus errichtet. Zu den ältesten Funden, die bei der Grabung zutage gefördert wurden, zählt eine Oberflächenbefestigung, sprich: ein häufig frequentierter Weg. Brückner datiert ihn auf Anfang bis Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. Ferner wurde Bauschutt gefunden, der etwa auf mittelalterliche Keller schließen lässt. Weitere Funde sind Knochen, Keramik, Metall (vor allem Nägel), einzelne Münzen (darunter eine aus Osnabrück), ein Ziegelstempel und große Mengen an Tonpfeifen, darunter eine aus den Niederlanden. Jetzt beginnt für Brückner die Auswertung der Funde. Drei Monate hat er dafür Zeit. Erst dann könnten nähere Angaben dazu gemacht werden, was genau sich vor Hunderten von Jahren an der Ritterstraße 2 befand.

 Es war die erste archäologische Untersuchung dieser Art in der historischen Altstadt von Rinteln. Stadtarchivar Stefan Meyer erhofft sich davon Antworten auf die „noch weitgehend ungeklärten Anfänge der Stadt“. Urkunden sind überliefert – aber inwieweit decken sich die Schriften mit Erkenntnissen aus der Archäologie? Meyer stellen sich diverse Fragen: „Rinteln wurde in den 1230er Jahren planmäßig zur Stadt ausgebaut und hatte seit mindestens 1223 bereits eine Weserbrücke – die ersterwähnte zwischen Höxter und Bremen. Gibt es Hinweise auf eine bereits um 1200 vorhandene Händlersiedlung am Südufer des Flusses?“

 Auch andere Fragen ließen sich nur durch archäologische Untersuchungen beantworten. „Welche Auswirkungen hatten die mittelalterlichen Überschwemmungen in der Stadt, zum Beispiel das katastrophale Magdalenen-Hochwasser von 1342?“, fragt Meyer. Dieses Sommerhochwasser, entstanden durch extreme Regenfälle von rund 200 Millimetern innerhalb von drei Tagen, betraf ganz Mitteleuropa. „Es war das höchste je gemessene Hochwasser und sorgte im ganzen Wesertal für dezimeterhohe Ablagerungen“, so der Stadtarchivar. „Erklären sich so auch die großflächigen Geländeerhöhungen in der Rintelner Altstadt zwischen 1250 und 1500?“, fragt Meyer, der sich von näheren Kenntnissen darüber auch Anregungen für den aktuellen Hochwasserschutz erhofft. Doch die Untersuchungen von Archäologe Brückner sind in dieser Hinsicht eher ernüchternd: „Für derartige Schwemmschichten habe ich kein Indiz gefunden.“

 Im anschließenden Telefongespräch mit dem Kommunalarchäologen Berthold klingt dann doch noch eine Kleinigkeit über das Treffen mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung durch. „Das Treffen war gut“, resümiert Berthold. „Es besteht offenbar ein Interesse daran, dass die archäologischen Arbeiten zu einem sinnvollen Ende geführt werden.“ Ob dies nun doch noch weitere Ausgrabungen in der Ritterstraße 2 nach sich zieht, war gestern nicht zu erfahren.  pk

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