Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
„Unsere Zukunft wird sonst teuer“

Integrationsbeauftragte in Rinteln „Unsere Zukunft wird sonst teuer“

Die Nachricht, dass die Stelle der Integrationsbeauftragten nach Willen der Mehrheitsgruppe aus CDU, WGS und FDP (vorerst) nicht wieder ausgeschrieben werden soll, hat hohe Wellen geschlagen.

Voriger Artikel
Spaziergänger findet Toten am Ufer
Nächster Artikel
Rinteln für Liebhaber

Die Mehrheitsgruppe sagt: Integrationsaufgaben kann man auch anders delegieren.

Quelle: dpa

RINTELN. Das Thema sorgte für Gesprächsstoff in der Gruppe, wie Thorsten Frühmark und Veit Rauch aus der CDU-Fraktion bestätigten – allerdings nur intern, da kurz vor Weihnachten keine Fraktionssitzung mehr stattfand.

Frühmark war vom Standpunkt der Mehrheitsgruppe abgerückt, indem er es als „falsches Signal“ bezeichnet, die Stelle nicht wieder auszuschreiben (wir berichteten). „Ich würde mir wünschen, dass sich die Mehrheitsgruppe anders entscheidet“, sagt Frühmark auf Anfrage erneut.

Dass es zu einigen Diskussionen gekommen sein dürfte, daran lassen zumindest die Äußerungen des WGS-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Sasse keine Zweifel: „Die Gruppe hat doch niemals beschlossen, dass Integrationsarbeit in Rinteln nicht mehr stattfinden soll.“ Thorsten Frühmark „hätte vielleicht mal zur Fraktionssitzung kommen sollen“, so Sasse.

Zuweisung ist Sache des Landkreises

Der Fraktionsvorsitzende habe in der vergangenen Woche mit Landkreis-Sprecher Klaus Heimann gesprochen und sich Zahlen geben lassen: 3,75 Stellen gebe es in Rinteln für die Integrationsarbeit; einen Integrationsberater, zwei Sozialarbeiter, eine Ergänzungskraft. Sie kümmern sich derzeit um 351 Flüchtlinge, was 1,5 Prozent der Bevölkerung entspreche. „Andere Gemeinden sind da mehr belastet, und haben keine Integrationsbeauftragte“, so Sasse.

Die Integrationsaufgaben könne man doch auch nach außen delegieren, so Rauch, das sehe man am Beispiel von Müzeyyen Kücük, die sich in Rinteln um dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge kümmert. Sie ist über die Arbeiterwohlfahrt angestellt und wird vom Landkreis bezahlt.

Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Integrationsaufgaben laut gesetzlicher Zuweisung Sache des Landkreises seien, sagt auch Sasse. Daran, dass der Integration von Flüchtlingen hoher Stellenwert zukommt, wollen weder Rauch noch Sasse Zweifel aufkommen lassen, sie sei „natürlich extrem wichtig“, so Rauch.

Es werde genau hingesehen

Doch bei der Frage, wie und durch wen Integration in der Stadt am besten gelingen kann, gehen die Meinungen auseinander. „Frau Matamu war eine ganz wichtige Ansprechpartnerin für uns“, betont Günter Potthast, stellvertretender Schulleiter der Berufsbildenden Schulen (BBS), über die bisherige Integrationsbeauftragte. Denn junge Flüchtlinge müssten so schnell wie möglich auf eine Schule – und Veronika Matamu habe das möglich gemacht. „Ohne sie haben wir eine Anlaufstelle weniger“, so Potthast.

Doch die Zusammenarbeit der drei Schulen – BBS, Gymnasium Ernestinum und Integrierte Gesamtschule (IGS) – funktioniere, und sei wohl in keiner anderen niedersächsischen Stadt so intensiv wie in Rinteln. Es werde sehr genau hingesehen, was ein junger Flüchtling schon könne und mitbringe. „Das klappt, obwohl eigentlich alle Schulen voll sind“, sagt Potthast. Das bestätigt auch Torsten Rudolf, Schulleiter der IGS, an der es derzeit zwei voll besetzte Sprachlernklassen gibt.

Auch Polizeichef Wilfried Korte sagt, dass auch ohne die Stelle der Integrationsbeauftragten schon Einiges bewegt wurde: Gespräche in den Unterkünften am Kerschensteiner Weg und in der Prince Rupert School zum Beispiel, um die Polizei „als vertrauensbildende Maßnahme“ vorzustellen. Trotzdem übt er Kritik an der Nichtbesetzung: „Prävention ist Gefahrenabwehr“ und werde daher bei der Rintelner Polizei großgeschrieben, und Prävention und Integration seien „untrennbar“ miteinander verbunden. In beides müsse man investieren. „Was ich jetzt nicht investiere, muss ich später bezahlen“, sagt Korte. „Unsere Zukunft wird sonst teuer.“ mld

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr