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Verhandlung platzt

Anwalt der Frau zieht Einspruch zurück Verhandlung platzt

Weil eine 18-jährige Fahranfängerin im Juni vorigen Jahres in der Nordstadt einen geparkten Pkw Suzuki Grand Vitara übersehen hat, verlor ein damals 62-jähriger Mann ein Bein. Ein Unfall mit schlimmen Folgen, der in dieser Woche vor Gericht hätte verhandelt werden sollen.  Die Verhandlung war bereits terminiert, die Zeugen geladen, als der Anwalt der jungen Frau überraschend seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft zurückzog.

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Rinteln. Es ist ein Unfall, bei dem alle Risiken zusammen gekommen sind, die die Polizeistatistik bei Fahranfängern ausmacht: die falsche Einschätzung einer Situation aus mangelnder Erfahrung wie möglicherweise eine Ablenkung durch das Handy.

 Der Tag im Juni 2014 begann für zwei Arbeitskollegen, dem 62-Jährigen und einer 59-jährige Frau, wie jeder andere Arbeitstag auch.

 Der Mann wollte seine Kollegin im Bachweg abholen, stoppte seinen Grand Vitara vor ihrer Haustür und öffnete die Kofferraumklappe, um seine Aktentasche vom Beifahrersitz in den Kofferraum zu legen. Inzwischen war auch seine Kollegin eingetroffen, die ebenfalls ihre Tasche im Kofferraum verstaute.

 In diesem Moment bog die 18-Jährige mit ihrem Daihatsu aus dem Kreisverkehr der Kurt-Schumacher-Straße in den Bachweg ein. Der Daihatsu traf den Suzuki an der linken Ecke, genau dort, wo der Mann gerade stand. Auch die Frau wurde bei dem Zusammenstoß verletzt.

 Die junge Fahrerin und ihr Anwalt führten als Ursache für die fahrerische Fehlleistung an: Sie sei in diesem Moment von der aufgehenden Sonne geblendet worden. Außerdem habe der Vitara da nicht stehen dürfen. Was ein Gutachter anders sah, der feststellte, dass der Vitara außerhalb des Kreisels und am Ende der durchgezogenen Linie geparkt war. Er durfte also da stehen.

 Ob es klug war und warum der Vitara-Fahrer nicht für den kurzen Moment in einer der Einfahrten daneben oder auf dem Parkstreifen gewartet hat, ist eine andere Frage.

 Der Hamburger Rechtsanwalt Boris H. Nolting von der Elbkanzlei, ein gebürtiger Rintelner, übernahm den Fall für die Unfallopfer. Nolting gelang es bereits im Vorfeld der juristischen Bewertung des Falles, die Haftpflichtversicherung der Unfallverursacherin davon zu überzeugen, dass seinen Mandanten keine Schuld, nicht einmal eine Teilschuld treffen würde. Die Versicherung zahlte ohne Abstriche.

 Die Aussage der jungen Frau, sie sei geblendet worden, hielt Nolting von vorherein für nicht relevant. Wenn jemand tatsächlich von der Sonne so stark geblendet wird, dass er praktisch nichts mehr sieht, müsse er die Geschwindigkeit drastisch reduzieren, notfalls sogar anhalten.

 Ein Gutachter untermauerte die Argumente, die die Staatsanwaltschaft zu dem Strafbefehl veranlasst hatten. Danach war die junge Frau mit 30 Stundenkilometern zwar nicht einmal zu schnell unterwegs, hätte aber bereits beim Einfahren in den Kreisel den am Fahrbahnrand der Bachstraße parkenden Vitara sehen können. Selbst dann, wenn der Sonnenstand so tief gewesen sein sollte, wie von der Fahranfängerin vorgebracht. Sie sah den Vitara aber nicht.

 Weil sie abgelenkt war? Auch für diese mögliche Erklärung fand Nolting ein Indiz. Die Staatsanwaltschaft hatte das Handy der jungen Frau sicherstellen und auf richterlichen Beschluss auslesen lassen: Danach sind auf dem Handy drei Gespräche registriert.

 Nolting hält es zugunsten der damals 18-Jährigen für möglich, dass sie sich erst unmittelbar nach dem Unfall mit ihrem Handy beschäftigt hat. Wahrscheinlich sei das aber nicht.

 Für den Anwalt der Beschuldigten ist es dagegen keine Frage, dass die junge Frau erst nach dem Unfall zum Handy gegriffen hat: Wie die Auswertung des Handys ergeben habe, versuchte die junge Frau nach dem Unfall zweimal ihre Mutter zu erreichen: um 6.11 Uhr und um 6.12 Uhr.

 Um 6.13 Uhr ist die Rettungsleitstelle alarmiert worden. Allerdings nicht von der jungen Frau.

 Der schwer verletzte Mann ist inzwischen in Rente und trägt eine Prothese. Die Unfallfahrerin musste sich für längere Zeit in psychologische Behandlung begeben.

Von Hans Weimann

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