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Veterinär gegen Abschuss

Wilde Schafsherde Veterinär gegen Abschuss

Ulrich Kipp und Anette Sievert vom Rintelner Ordnungsamt wollen nicht, dass Tiere sterben müssen, nur weil anscheinend niemand bereit ist, diese einzufangen. Beide möchten die Schafe, die im Wald rund um die Schaumburg leben, am Leben lassen.

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Vier Mitglieder der achtköpfigen Herde wild lebender Schafe grasen friedlich auf einer Obstbaumwiese. Die Tiere sind extrem scheu, lassen niemanden nah an sich herankommen.

Quelle: jan

Schaumburg. Der Amtsleiter und seine zuständige Sachbearbeiterin bieten dem Ansinnen des Forstamtes Oldendorf, die vor mehr als einem Jahr ausgebüxte und nun wild lebende Herde abschießen zu lassen, Paroli (wir berichteten). Sie verweigern die Schießerlaubnis. Kipp: „Schafe sind Haustiere, kein Wild, auch wenn diese nicht gekennzeichnet sind.“

Entgegen wahrscheinlich landläufiger Meinung kann das Forstamt nicht mir nichts, dir nichts auf Tiere schießen oder schießen lassen, selbst wenn diese, wie im Fall der Schaumburger Schafherde, im Wald der Landesforsten leben. „Wir können eine Schießerlaubnis erteilen, etwa, wenn es um Schädlingsbekämpfung geht“, nennt Kipp ein Beispiel. Selbst für Salutschüsse müsse zuvor beim Ordnungsamt eine Schießerlaubnis eingeholt werden. Sogar der Schuss aus einem Betäubungsgewehr muss bei der Waffenbehörde beantragt werden. „Es gelten da strenge Voraussetzungen“, so Kipp. „Vor allem muss der Antragsteller ein Bedürfnis nachweisen.“

Dass die Schafherde eine potenzielle Gefahr für Autofahrer darstellt, wie es Forstamtsleiter Christian Weigel gegenüber dieser Zeitung geäußert hat, wollen Sievert und Kipp nicht als Abschussgrund gelten lassen. Sievert: „Wildtiere laufen auch auf die Straße.“ Und speziell in dieser kurvigen Waldgegend müssten Autofahrer ohnehin besonders umsichtig mit ihrem Fahrzeug unterwegs sein.

Dass sich die Schafe an jungen Pflanzen schadlos halten, auch das ist für Rintelns Waffenbehörde kein Grund, eine Abschussgenehmigung zu erteilen. Sievert: „Auch Wild knabbert Setzlinge und junge Bäume an.“ Kurzum: Die Stadt Rinteln sieht keine Veranlassung, in Sachen Schafherde aktiv zu werden. Ob das Forstamt den Klageweg beschreiten wird, bleibt abzuwarten – ob eine Person als Eigentümerin der Schafe zur Rechenschaft gezogen werden kann, wohl auch. Wie Weigel sagt, „ist bekannt, wem die gehören“. Kipp und Sievert vertreten – wie berichtet – auch in dieser Hinsicht eine vollkommen andere Auffassung.

Halterin ist bekannt

Mit dem „Fall“ der wild lebenden Schafe vertraut ist auch Dr. Ulf Güber vom Veterinäramt des Landkreises Schaumburg. Im Februar 2016 habe sich die Stadt Rinteln wegen der fraglichen Schießerlaubnis an ihn gewandt. Er habe sich daraufhin bei der Rintelner Polizei gemeldet, so Güber. Er sagt, die Halterin der Tiere sei „bekannt“. Deren Adresse sei von der Polizei ermittelt worden. Die Polizei, so Güber, habe mit der Halterin telefoniert. Diese habe die Halterschaft zugegeben. Die Frau habe dann „ihren Sohn geschickt, um die Tiere einzufangen“. Die Anschrift der Person sei der Stadt Rinteln mitgeteilt worden. Auf die Frage, ob die mutmaßliche Halterin das Eigentum an den Schafen aufgegeben hat, sagt Güber: „Das kann ich nicht bestätigen.“

Güber erklärt in einem Telefongespräch mit dieser Zeitung, er sei verwundert über die Absicht des Forstamtes, die Schafe mit Gewehrschüssen töten lassen zu wollen. „Es passiert zigmal im Jahr, dass irgendwo Schafe entlaufen. Die können doch nicht einfach abgeschossen werden. Es liegt doch nichts vor, was akut ist.“ Zu einem Verkehrsunfall mit einem der Tiere sei es seines Wissens nie gekommen.

Güber ist Sachverständiger bei Sondereinsatztrainings der Polizei. Er unterweist die Beamten darin, wie sie notfalls ein Wildtier durch einen Todesschuss erlösen können, wenn dies durch den Aufprall auf ein Auto so schwer verletzt wurde, dass es – auf sich allein gestellt – keine Überlebenschance im Wald mehr hätte.

Für den Veterinärmediziner kommt der Abschuss der Schaumburger Schafe jedenfalls nicht in Betracht . jan

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