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Viele Seen, nichts zum Baden

Schwimmen nicht möglich Viele Seen, nichts zum Baden

Man sieht es schnell, beim Blick auf die Karte: Rinteln ist umgeben von Gewässern. Angefangen natürlich bei der Weser, entdeckt man rechts und links des Flusses zahlreiche Seen und Teiche. Schnell stellt sich die naheliegende Frage: Warum kann man nirgendwo schwimmen?

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Sieht verführerisch aus, vor allem an heißen Sommertagen – doch dieser See liegt in einem Naturschutzgebiet und ist daher streng geschützt.

Quelle: mld

RINTELN. Fangen wir bei der Weser an: Als viel zu gefährlich, um darin zu schwimmen, stuft die örtliche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) den Fluss ein. Mit einer durchschnittlichen Fließgeschwindigkeit von 327 m³ pro Sekunde ist er einer der schnellsten Flüsse in Deutschland. Gegen den Strom schwimmen können hier auch die Trainiertesten nicht. Außerdem könnte man sich an den Bunen aus Stein oder Beton verletzen, ebenso wie an den Steinen am Grund oder den Flaschen und Dosen, die dort liegen. Das scheint auch den Rintelnern bewusst zu sein: In den vergangenen Jahren musste laut DLRG niemand aus dem Fluss gezogen werden.

„Baden im Kiesteich kann wirklich gefährlich sein“

Und was ist mit den vielen Kiesteiche und Baggerseen? „Baden im Kiesteich kann wirklich gefährlich sein“, sagt Dieter Horn, Engerns Ortsbürgermeister. Er nimmt regelmäßig am Weserschwimmen teil und ist Mitglied im Badeverein Engern, der einen Badesee unterhält. In Baggerseen, so Horn, gebe es meist keinen flachen Strand, der einen sanften Einstieg erlaubt. Stattdessen folge die Abbruchkante ziemlich schnell und plötzlich gehe es mehrere Meter in die Tiefe. Hier kann das Wasser plötzlich sehr kalt werden, auch wenn sich die oberste Schicht beim Einstieg warm anfühlte. So ein drastischer Temperaturwechsel kann den Kreislauf stark belasten. „Gerade für Kinder ist das gefährlich“, warnt Horn.

537 Ertrunkene in 2016

Das ist nicht zu unterschätzen: Im Jahr 2016 sind laut DLRG mindestens 537 Menschen ertrunken, so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Rund drei Viertel dieser Menschen ertranken in unbewachten Binnengewässern – also Flüssen, Teichen, Seen. Hinzu kommt, dass viele Kiesteiche rund um Rinteln unter Naturschutz stehen, wie beispielsweise die Auenlandschaft bei Hohenrode mit über 100 Hektar Fläche. Hier finden unter anderem viele Vogelarten ein Zuhause, ein Gebiet zum Überwintern oder eine Raststätte; die Weser ist laut Naturschutzbund bedeutende Leitlinie im Vogelzug.

Hier hat sich der Freizeitverein Hohenrode/Strücken gegründet, der ein Freizeitgelände mit Badesee unterhält. Wer Einwohner ist, kann Mitglied werden, muss einmalig Aufnahmegebühr sowie regelmäßig Mitgliedsgebühr zahlen. „Es geht dabei um zwei Dinge: Gefahr und Naturschutz“, erklärt Bernd Wüpker, Vorsitzender des Vereins. Heißt: Die Gefahr eindämmen, dass Menschen einfach irgendwo schwimmen gehen, Müll hinterlassen, laute Musik hören, Lagerfeuer machen. Das sind alles Dinge, die in einem Naturschutzgebiet verboten sind.

Ausweise werden kontrolliert

„Hier soll alles zuwachsen“, sagt Wüpker. Durch den Verein lasse sich regulieren, wer im geschützten Gebiet badet – das diene auch dem Naturschutz. „Symbiose“ nennt Wüpker das. 60 zahlende Mitglieder hat der Verein derzeit. Abgeschaut haben sich die Hohenroder das Konzept vom Badeverein in Engern. Wer Einwohner von Engern, Ahe oder Kohlenstädt ist, wird auf Wunsch in den Verein aufgenommen. Dann darf man auch Gäste mitbringen zum Baden. Zu Hochzeiten kontrolliert hier ein Sicherheitsdienst die Ausweise – zwei bis drei Mal am Tag, wenn es sein muss. Allerdings macht der Verein auch klar: Große Werbung soll nicht gemacht werden, wie am Doktorsee soll es nicht werden.

„Bei uns steht der Naturschutz weit oben“, sagt Horn. Die Vereinsmitglieder hätten Schilfzonen angepflanzt, achteten die Brut- und Setzzeit, und abends nach Dämmerung ist das Baden nicht erlaubt. Die Vereinbarkeit von Vergnügen und Naturschutz war auch ein Lernprozess: Gebäude dürfen nicht errichtet werden, der Strand nicht befestigt sein, es dürfen keine ortsfremden Pflanzen wie Heckenrosen angepflanzt werden.

Kein Interesse an Wildbadern

Auch der Hohenroder Verein will keine große Werbung machen, und das ist verständlich: An Wildbadern ist hier niemand interessiert. Die seien generell zumindest in Rinteln noch nicht aufgefallen, sagt Ulrich Kipp, Leiter des Ordnungsamtes. In die Weser zu springen traue sich niemand so schnell angesichts der Strömung, und beinahe sämtliche Teiche in der Umgebung seien in privater Hand.

Dazu gehört auch der Fischereiverein Rinteln, der nach eigenen Angaben 13 Kiesseen mit über 120 Hektar Teichfläche, ein Parkteich, ein Teilstück der Weser von etwa 244 Hektar und drei Bäche mit einer Länge von über 15 Kilometern gepachtet hat. Schwimmen ist dementsprechend nicht erlaubt.

Daher ist es entspannter, bei den legalen Bade-Möglichkeiten zu bleiben. Die können sich in Rinteln sehen lassen: der Doktorsee, das Erholungsgebiet Helenensee mit Campingplatz, und natürlich das Weserangerbad. Und wer unbedingt im Fluss baden will: Im nächsten Jahr gibt es wieder das Weserschwimmen. mld

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