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Vögel pfeifen auf Afrika

Auetal Vögel pfeifen auf Afrika

Wochenlang lag ein gewaltiges Hoch über Europa und damit auch dem Auetal gelegen, das einfach nicht verschwinden wollte. Nur der Name des Hochs änderte sich, zuletzt war es Brigitte, davor Annice, Zita, Yvonne, Xena, Waltraud und Ulrike. Man kann es vielleicht so formulieren: Der Winter? Der war – trotz des jüngsten Schneefalls – bisher ein Totalausfall.

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Quelle: rnk

Auetal.  Das stört den Auetaler Bürgermeister erst einmal gar nicht: „Die Gemeinde profitiert natürlich, und der Kämmerer freut sich“, sagt Heinz Kraschewski. Die Einsparungen lassen sich jedoch nur grob schätzen, aber im Durchschnitt wende die Gemeinde rund 50.000 Euro jährlich für den Winterdienst auf, rechnet der Verwaltungschef vor: Sollte der „Winter“ kontinuierlich frost- und schneefrei bleiben, seien Einsparungen von bis zu 20 Prozent möglich.

 20 Prozent, die sich auf Kostenminderungen in folgenden Bereichen beziehen: Beim Streugut, bei der Beauftragung von Fremdunternehmen für den Winterdienst, beim Verschleiß an Bauhoffahrzeugen und natürlich bei den Überstunden der Bauhofbeschäftigten – sie fallen nicht an.

 Ein weiterer Vorteil sei, dass das Bauhofpersonal Überstunden und Resturlaub abbauen könne. Auch die Einsparungen bei den Heizkosten in den gemeindeeigenen Immobilien seien „erfreulich“, erklärt Kraschewski: „Die niedrigen Energiepreise und der niedrige Verbrauch verstärken den Einspareffekt.“

 Aus landwirtschaftlicher Sicht bereite das Wetter keine Sorgen, sagt Gabi von der Brelie als Pressesprecherin des Landvolkes Niedersachsen: „Es macht uns mehr Sorgen, was noch kommen könnte.“ Denn bei einem plötzlichen Kälteeinbruch wären die vor Wochen eingesäten Arten wie der Winterweizen und -gerste noch nicht abgehärtet genug, mit Schäden müsste gerechnet werden. Auch die Blauzungenkrankheit müsse beachtet werden, sagt von der Brelie, das ist eine virale Infektionskrankheit von Wiederkäuern wie Schafen, Rindern und Ziegen, die durch eine Mückengattung übertragen wird.

 Eine Mückenplage ist aber angesichts der Temperaturen nicht in Sicht. Denn die Mückenlarven werden in kalten und frostigen Wintern gut konserviert. Milde und nasse Winter haben dagegen zur Folge, dass die geschwächten Mücken von anderen ebenfalls noch aktiven Tieren vielfach gefressen werden – oder dass die Larven schlichtweg vergammeln.

 Aber Minusgrade im Winter sind für die gepflügten Äcker eigentlich enorm wichtig, denn dann stellt sich eine „Frostgare“ ein. Dabei lockern die Eiskristalle den Boden und schaffen so eine gute Grundlage für dessen Bearbeitung im Frühjahr.

 Gefährlich kann es für einige Pflanzen werden, wenn doch noch einmal die Kälte kommt. Richtig problematisch ist meist ein Frost direkt vor der Blüte. Wenn sich die Natur etwa bei Frühblühern schon auf Frühling eingestellt hat, können Eis und Schnee viel kaputt machen – denn es entstehen dann Risse in den Pflanzenstrukturen. Schädlinge haben später ideale Angriffsflächen. Die sensiblen Blüten sind in Gefahr.

 Thomas Brandt von der Ökologischen Schutzstation Schaumburger Meer muss nicht lange überlegen: „Das mit dem Winter sehe ich ganz gelassen. Die Tiere übrigens auch.“ Dort im Tierreich, sei alles noch im normalen Bereich. Die gefiederten Wintergäste aus Sibirien seien bereits eingetroffen, also Blessgänse, Gänsesäger und Zwergsäger. Einige Arten wie Löffelente und Schnatterente, die „normalerweise“ um diese Zeit weg seien, seien noch hier „und halten aus“. Kurzum: Am Steinhuder Meer biete sich das gleiche Bild wie bei fünf Grad weniger auch. „Die Natur ist da viel flexibler als unsere Denke über die Natur.“

 Aufgrund der milden Temperaturen sind derzeit in Niedersachsen mehr Stare, Bachstelzen und Hausrotschwänze zu sehen als normalerweise. Diese Vogelarten wären sonst schon Richtung Süden gezogen. Diese sogenannten Kurzstreckenzieher harren aus, da sie immer noch genügend Nahrung finden. Auch auf die Mehlschwalben hat das milde Wetter einen massiven Einfluss. Sie kehren inzwischen durchschnittlich zehn Tage früher aus Nordafrika nach Deutschland zurück als vor 30 Jahren. Ebenso brütet jede dritte Vogelart früher.

 In Bayern ist beispielsweise verstärkt zu beobachten, dass mehr und mehr Weißstörche in Deutschland überwintern. Dies ist jedoch kein Indikator für den Klimawandel, das Verhalten der meisten dieser Störche ist durch menschliches Eingreifen beeinflusst. Im Unterschied zu kleinen Singvögeln kommen Störche problemlos auch einmal eine ganze Woche komplett ohne Nahrung aus. Dabei ist es weniger die Kälte als vielmehr die winterliche Nahrungsknappheit, die den langen Zug nach Afrika erfordert. Aber immer mehr Tiere bleiben hier und sparen sich den langen Weg auf den dunklen Kontinent. rnk

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