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Vom Geist des Impressionismus geprägt

Kammermusik in Rinteln Vom Geist des Impressionismus geprägt

Keine ganz leichte Kost, die das Duo „Wanderer“ (Shih-Ming Chang, Klarinette und Miku Kunumo, Klavier) seinen Zuhörern serviert hat. Kammermusik von französischen Komponisten, die um die Jahrhundertwende entstanden ist, stand auf dem Programm.

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War am Sonntag das erste Mal, aber hoffentlich nicht das letzte Mal in Rinteln zu hören: das Duo „Wanderer“, Shih-Ming Chang und Miku Kunumo.

Quelle: cm

Rinteln. „Die meisten Stücke, die sie heute Abend hören, sind vom Geist des Impressionismus geprägt“, erklärte Chang. Diese Stilrichtung habe es nämlich nicht nur in der bildenden Kunst, sondern eben auch in der Musik gegeben. „Wo der Maler mit Farben spielt, nutzt der Komponist die Klangfarbe und beide greifen zur kontrastreichen Darstellung, in der hell und dunkel sich lebhaft voneinander absetzen.“

Das erste Stück, eine Sonate von Camille Saint-Saens (1835 bis 1921) hüllte die zahlreichen Gäste, die sich am Nachmittag in St. Nikolai eingefunden hatten, noch in wohltuend harmonische Klänge. Es erzeugte eher verträumte Bilder von frühlingshaften Landschaften, von fröhlich tanzenden Menschen. Die ausdrucksstarke Stimme der D-Klarinette (Chang hatte das ursprünglich für Oboe geschriebene Stück für dieses Instrument neu arrangiert) wird wohlwollend durch sparsam gesetzte Klavierakkorde unterstützt. Musik, der man sich gerne hingab.

Das änderte sich bei den folgenden beiden Kompositionen. Die Sonatina von Bohuslav Martinu und die Permière Rhapsodie von Claude Debussy stellen nicht mehr lautmalerisch das Landleben dar. Sie scheinen sich eher den inneren Welten, die uns Menschen ausmachen, zugewandt zu haben. Kunstvoll spielen sie mit Stimmungen, Spannungen und der Flüchtigkeit von Emotionen. Erschreckend, wie gut es ihnen gelingt, die nicht immer angenehme Geistes- und Gedankenwelt, die uns Menschen durch das Leben begleitet, darzustellen. Ein rechtes Wechselbad der Gefühle. Gerade noch klingt es froh, da ahnt der Zuhörer schon (und wer kennt dieses Phänomen nicht aus dem eigenen Leben), das wird nicht lange gut gehen. Und richtig, leise schleichen sich die ersten beunruhigenden Töne ein. Langsam nimmt die musikalisch ausgedrückte Stimmung eine andere Farbe an. Bedrückt, gereizt, überdreht, aufgewühlt, gehetzt – virtuos wird hier auf der gesamten Tastatur der Emotionen gespielt. Auch wenn Freude und Hoffnung immer einmal wieder Teil des Spektrums werden, beim Zuhören wird klar: Ängstliche Spannung und Furcht vor der nächsten Veränderung machen den eigentlichen Charakter dieser Musik aus.

Ein wenig aus der Reihe fällt das vierte und letzte Stück an diesem Nachmittag: eine Sonate von Francis Poulenc (1899 bis 1963). „Für mich ist hier französischer schwarzer Humor am Werke“, hatte Chang in der Einführung verraten. In den beiden ersten Teilen wurde das noch nicht so deutlich. Es dominierte eine seltsam distanziert wirkende Traurigkeit, die die schönen Melodien durchzog, ein bisschen als würde jemand nach einem schweren Verlust auf einer Bank in sanfter Hügellandschaft sitzen. Doch im dritten Satz verstand man, wie Chang zu seiner Einschätzung gekommen war. Hier wurde alltägliches, geschäftiges Treiben auf wirklich komische Art überzeichnet. Unweigerlich fühlte man sich an französische Komödien wie „Willkommen bei den Schtis“ erinnert: Kleinstädtisches Leben, in dem es von Originalen nur so wimmelt.

Schöner Nebeneffekt bei diesem Konzert: Endlich konnten die Rintelner den als Lehrer und Orchesterleiter sehr präsenten Chang auch einmal als Solokünstler erleben. Und man muss schon sagen: Das war ein echter Genuss! Auch Duo-Partnerin Miku Kunumo am Klavier hat die Herzen der Rintelner an diesem Sonntag erobert. Bitte unbedingt wiederkommen! cm

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