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Von der Bank zum Holzbau

Rinteln Von der Bank zum Holzbau

Die Theodor Requardt Holzbau Zimmerei Altbausanierung GmbH ist Geschichte. Firmenchef Erich Requardt ist zurzeit dabei, das Rintelner Unternehmen abzuwickeln. Rein theoretisch könnte der Betrieb durchaus weitermachen, er ist wirtschaftlich gesund, doch einen Nachfolger gibt es nicht.

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In Aktion: Erich Requardt beim Richtfest auf der Burgfeldsweide.

Quelle: tol

RINTELN. Requardts Sohn hat zwar das Handwerk gelernt, sich aber dann doch für einen anderen beruflichen Weg entschieden. Und verpachten? Erich Requardt sagt, dann wäre er im Geiste immer noch dabei.

Requardt ist jetzt 63 Jahre alt. Und auch seine Familie habe beschlossen, dass es noch andere Dinge im Leben gebe, als ein Unternehmen zu führen. Das bedeutet keineswegs, dass Requardt jetzt arbeitslos wäre. Er sei engagiert im Vorstand einer Siedlungsgesellschaft mit 125 Wohneinheiten, und da gebe es noch die eine oder andere Beratertätigkeit.

Was sich ändern wird? „Wir werden jetzt öfter an verlängerten Wochenenden an die Müritz fahren“, sagt Requardt. Denn das ist seine Leidenschaft: Wasser, genauer Segeln. Das hat er gemeinsam mit Ulrich Goebel, dem ehemaligen Rintelner Ortsbürgermeister. Segeln, erzählt Requardt, habe er am Dümmer und auf dem Steinhuder Meer gelernt. Inzwischen hat er mehrere Scheine, auch den Küstenschein, der ihn zu großen Touren berechtigt.

In den Jahren viel erlebt

Das Besondere an der Zimmerei an der Dauestraße ist, dass die Requardts Stadtbaugeschichte mitgeschrieben haben. Theodor Requardt, der Großvater, hat das Unternehmen 1930 gegründet. Die Verschalungen für die neuen Autobahnbrücken waren mit sein größter Auftrag, nach dem Krieg der Steg über die zerstörte Weserbrücke. Sein Sohn, der Vater von Erich Requardt, hat sich für die CDU in der Kommunalpolitik engagiert. Erich Requardt selbst war bei der großen Innenstadtsanierung dabei.

Die Sanierung des Ratskellers, die rund zweieinhalb Jahre gedauert hat, war für Requardt und seine Zimmerleute sozusagen das Meisterstück im Rahmen der Stadtsanierung. Die Zimmerleute haben dort alle Holzarbeiten ausgeführt – vom Dachstuhl bis zu den Eichendecken. Dann folgten der Innenausbau des Nikolaiturms (ohne den man heute nicht hoch zur Balustrade steigen könnte), die Sanierung der Burghofklinik und fast jedes zweite Fachwerkhaus am Markt- und Kirchplatz sowie die Sanierung des Ludwigsturms bei Wennenkamp. Zu Hochzeiten des Unternehmens – von den sechziger bis zu den achtziger Jahren – beschäftigte Requardt bis zu 14 Mitarbeiter.

Zukunft des Holzbaus ist sicher

Erich Requardt hat genau genommen zwei Berufe gelernt: Erst wurde er Bankkaufmann bei der Volksbank in Rinteln, dann folgte eine Zimmererlehre bei Arthur Miede in Steinbergen, nach den Gesellenjahren abgeschlossen mit der Meisterprüfung. 1981 hat er dann das Zimmereiunternehmen an der Dauestraße übernommen.

„Die Bankausbildung“, sagt Requardt heute, „war für mich ein Glücksfall.“ So habe er von Anfang an sein Unternehmen unter wirtschaftlichen Maximen geführt, was damals in der Handwerksbranche keineswegs eine Selbstverständlichkeit war. „Es gab Meister, die haben nur zweimal im Jahr Rechnungen geschrieben: in den Sommerferien und zu Weihnachten.“

Um die Zukunft des Holzbaus, der Zimmerleute, macht sich Requardt keine Sorgen. Die großen Gewerke wie Zimmerer-, Maurer- und Dachdeckerarbeiten werde es trotz technischer Veränderungen weiterhin geben. Und Zimmerleute werden weiter auf die Walz gehen. Ein Brauch, schildert Requardt, der früher dazu gedient habe, damit die Handwerker auch andere Bauweisen kennenlernen. Beispielsweise die Dach-Überstände und großen Holzbalkone im Süddeutschen, die es in Norddeutschland und an der Küste so nicht gibt, weil dort der Wind heftiger um die Ecken pfeift.

„Das System schafft sich nicht selbst ab.“

Was sich im Gewerbe verändert hat, sagt Requardt, das sei die Papierflut, die überbordende Bürokratie. Und er fürchte, das werde sich nicht ändern: „Das System schafft sich nicht selbst ab.“

Requardts letzter öffentlichkeitswirksamer Auftrag war der Bau des neuen VTR-Vereinsheims. Zum „Hillebille“ beim Richtfest ist er noch persönlich auf den Dachstuhl gestiegen. Ehrensache, schließlich ist Requardt auch seit 55 Jahren VTR-Mitglied. wm

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