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Vorboten der Wildnis

Rinteln Vorboten der Wildnis

Grube reiht sich an Grube, hier und da markiert ein Pflanzenstängel eine Bodenverfärbung. Ganz selten lugt Kies unter dem abgeschobenen Boden hervor.

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Rinteln. Hunderte von Kubikmetern Erdreich türmen sich als künstliche Hügellandschaft neben den Gruben. Spuren der archäologischen Voruntersuchung einer noch viel größeren Bodenbewegung: Die Weser bekommt dort eine Überflutungsfläche, die nach und nach zur Wildnis werden soll, ähnlich wie der Uferstreifen der daneben einmündenden Exter.

„Kein Badesee, überhaupt keine dauerhafte Wasserfläche“, schränkt Matthias Dornbusch von der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis Schaumburg ein. „Hier ist auch kein Zutritt für Menschen vorgesehen. Allenfalls vom Rand am Heinekamp wird man in wenigen Jahren nähere Einsicht haben.“ Wenn die Stadt einen Aussichtspunkt schaffen wolle, könne sie dies tun. „Aber verabschieden Sie sich vom Begriff Exter-Delta. Die Einmündung des Baches auf städtischem Gelände wird nicht angetastet. Unser Projekt beginnt erst 30 bis 40 Meter östlich davon.“

Abschied vom Exter-Delta? „Dieser Begriff wurde in der Anfangsphase der Planung geprägt, als noch die Renaturierung der Exter im Fokus stand“, sagt Dornbusch. „Das hätte aber erhebliche Unterhaltungsmaßnahmen gegen Verlandung an der Einmündung verursacht. Auch aus Kostengründen veränderte sich das Projekt zur naturnahen Entwicklung des Weserufers.“

Vor dieser Entwicklung waren archäologische Untersuchungen vorgeschrieben. Eine Woche lang hat ein Bagger im Dauereinsatz Gruben ausgehoben – insgesamt 600 Meter lang und teilweise bis 1,50 Meter tief. Ergebnis: nichts gefunden. „Aber wir werden die Fläche bei den weiteren Abgrabungen ständig im Hinblick auf Fundmöglichkeiten im Auge behalten“, versichert Dornbusch.

Die Erdhügel bleiben noch – aus Kostengründen. „Wir fahren den Boden erst zusammen mit dem bevorstehenden Aushub ab. Er kann wegen weserbedingter Verunreinigungen nicht auf Äcker, aber zur Abdeckung von Bodendeponien und für Lärmschutzwälle benutzt werden“, so Dornbusch. „Rund 18.000 Kubikmeter Erde müssen dort weg.“

Die Ausschreibung der Arbeiten ist erfolgt, Auftragsvergabe soll nächste Woche sein. Danach sind ab Anfang November sechs Wochen Bauzeit vorgesehen. 350.000 Euro inklusive Planung kostet das Projekt „Anlegen von Sekundärauen und Überflutungsflächen an der Weser“.

„Der Landkreis hatte schon vor Jahrzehnten dort das benötigte Gelände gekauft“, berichtet Dornbusch. „Jetzt legen wir mit dem Pilotprojekt los. Das Land Niedersachsen fördert die Maßnahme. Wir gehen teilweise bis 3,50 Meter in die Tiefe, schaffen einen Ein- und einen Auslass zur Weser. Wir fassen die Exter bei alledem nicht an.“

Für das Projekt gibt es Auflagen hinsichtlich der Wasserstandshöhe. Bei hohem Wasserstand dürfen die Mulden volllaufen, bei niedrigem Wasserstand aber soll nichts aus dem Fluss dorthin vordringen. Zeitweise fällt die Sekundäraue also trocken. Gut für den Pflanzenwuchs. „Anfangs sieht es dort kahl aus, aber nach zwei bis drei Jahren ist alles grün, später von Büschen und Bäumen überwuchert“, kündigt Dornbusch an. „Angepflanzt wird dort aber nichts, das regelt die Natur von selbst. Die Sekundäraue soll auch als Laichgewässer für Fische dienen.“ Anfangs werden dort wohl auch Zugvögel landen, später eher nicht mehr.“

Die beiden Ausläufe zur Weser werden mit Wasserbausteinen befestigt, damit sie nicht verlanden. Der Bewuchs soll laut Dornbusch mal so dicht werden wie jetzt an der Exter. Es gilt das Prinzip: Abstand halten, Tiere und Pflanzen nicht stören, den Anblick der wilden Natur aus sicherer Distanz genießen. Die einst angedachte Weiterführung des Rundweges um den Alten Hafen herum bis zur Exter mit Blick ins Delta erübrigt sich dann wohl. dil

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