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Warum Silber nicht gleich Silber ist

Nicht alle Metalle sind edel Warum Silber nicht gleich Silber ist

Messer, Löffel, Gabel werden aus den mit Samt ausgeschlagenen Schatullen ausgepackt, die die Familie mitgebracht hat. Allein die Geste zeigt, wie hoch geschätzt diese Gegenstände sind.

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Volker Buck, Goldschmied und Gutachter für Rechtsanwälte und Nachlassverwalter, beobachtet bei Schmuck und Wertgegenständen einen „Traditionsabriss“.

Quelle: wm

Rinteln. Es sind am Ende 3,5 Kilogramm Silberbesteck, die sich auf dem Schreibtisch vor Goldschmied Volker Buck stapeln und die er mit seiner Lupe begutachtet, dabei besonders die Punze, den Stempel, der verrät, wie viel Silber in den Löffeln und Gabeln steckt, in der Suppenkelle, im Tortenheber. Und seine Besucher schauen ihn erwartungsvoll an.

 Diplomatisch, wie es Bucks Art ist, bereitet er nach gründlicher Sichtung des „Familiensilbers“ seine Kunden darauf vor, dass unter dem Strich die Erlössumme erheblich bescheidener ausfallen wird, als es sich die Familie eigentlich erhofft hatte.

 Denn das Silberbesteck, das nur aufgelegt worden ist auf festlich gedecktem Tisch zu Familienfesten und an Feiertagen in der guten Stube ist keineswegs aus massivem Silber, sondern hat nur eine hauchdünne Auflage des Edelmetalls. Und auch da gibt es Unterschiede. 90er oder 100er „Silber“ ist meist das Besteck, das in den Wirtschaftswunderjahren der Republik gekauft worden ist. Die „magischen Zahlen“ beginnen aber erst bei 800. Da ist dann eine einzige Suppenkelle, für die Uroma tief in die Tasche gegriffen hat, genauso viel wert, wie der ganze Besteckberg der sich gerade auf Bucks Schreibtisch stapelt.

 Die meisten machen große Augen, wenn ihnen Buck dann erläutert, dass 350 Kilo Silberbesteck zusammenkommen müssen, damit sich der Scheidevorgang das Einschmelzen des Besteckes und die Trennung von Silber und anderen Metallen bei einer Scheideanstalt wie der Degussa in Pforzheim überhaupt kaufmännisch rechnet. „Aber bis zu meiner Rente bekomme ich diese Menge zusammen“, scherzt Buck dann lächelnd.

 Nicht unschuldig daran sind die Besteckhersteller der damaligen Zeit, denn eine hauchdünne Silberauflage ist empfindlich, und man hat damals Techniken entwickelt, damit sie auch ein Jahrhundert auf dem unedlen Trägermetall hält – zum Leidwesen der Scheideanstalten heute.

 Und Buck erklärt, woher das grundsätzliche Missverständnis kommt: Was Oma und Opa in den Sechzigern und Siebzigern ihren Enkeln zur Konfirmation, zur Kommunion geschenkt haben, galt landläufig als „Silberbesteck“ und ist auch als solches verkauft worden, obwohl es keineswegs reines Silber war. Der „Volksmund“ wollte es so.

 Und wem ein komplettes Tafelbesteck in edler Schatulle auf den Geschenktisch gelegt worden ist, hat sich wohl kaum Gedanken darüber gemacht, wie „echt“ das Silberbesteck ist.

Seit die Gold- und Silberpreise wieder angezogen haben, melden sich fast jeden Tag Kunden bei Buck an der Konrad-Adenauer-Straße in Rinteln. Denn Buck ist nicht nur Goldschmied, sondern auch als Gutachter für Rechtsanwälte und Nachlassverwalter tätig, wenn es darum geht, den Wert von Schmuck und anderen Wertgegenständen zu taxieren.

 Es gibt viele Gründe, warum das „Tafelsilber“ einer Familie, die „goldene Uhr“, die Briefmarken- oder Münzsammlung zu Geld gemacht werden soll: Klassischer Anlass ist ein Erbfall. Doch Senioren räumen auch ihre Schränke aus, weil die Rente gerade mal zum Überleben, aber nicht für die Reisen reicht, die sie noch gerne machen würden oder weil sie aus ihrer Vierzimmerwohnung in ein Seniorenheim umziehen müssen. Da wird ein Porzellan-Service für zehn Personen nicht mehr gebraucht.

 Auch Gold ist nicht gleich Gold. Da gibt es 333er „Gold“, das bedeutet die Uhr, das Schmuckstück enthält gerade mal ein Drittel dieses Edelmetalls, besser sind also 585er und 750er Gold. Auch da relativiert sich schnell, was das „echte Goldarmband“ der Uhr heute noch wert ist, einer Uhr, die ursprünglich 2000, 3000 Mark gekostet hat. Auch dabei zähle, erläutert Buck, nicht das Uhrwerk, nicht das Design, sondern allein der Materialwert.

 Buck muss auch oft die Euphorie mancher Erben bremsen, die ihm Edelsteinschmuck auf den Schreibtisch legen. Denn auch hierbei gibt es große Unterschiede. Schmuckdesign wird interessant, wenn es 100 Jahre alt ist. Bei Diamanten gilt: Bis etwa 1920 schildert Buck, sind Diamanten nach Gusto des Diamantenschleifers geschliffen worden. Erst seit 1920 gibt es die sogenannten Brillanten mit exakt 57 Facetten, die Steine, die das „Feuer entfachen“, von dem Frauen so schwärmen. „Totalreflexion“ nennt das der Fachmann. Diese „Steine“ von hoher Qualität waren immer eine gute Geldanlage und erzielen bei fachmännischer Vermittlung mittlerweile Höchstpreise.

 Buck hat für die Situation auf dem Markt dieser „Wertgegenstände“ die einprägsame Vokabel „Traditionsabriss“ geprägt. Das Design, wofür sich die Ludwig-Erhard-Generation und danach die Siebziger und Achtziger begeistert hat, gilt heute als „altbacken“. Davon sind auch Möbel, Geschirr, Briefmarken, Münzen, Teppiche und Pelze nicht ausgenommen. Wenn ihm hoffnungsvolle Erben erzählen, der Nerzpelzmantel habe einmal zehntausend Mark gekostet und einen vergleichbaren Gegenwert erwarten, könne er nur empfehlen, das gute Stück umzuändern und nostalgisch beseelt selbst aufzutragen.

Im Grunde, sagt Buck, der mehr als 40 Jahre im Geschäft ist, geht es nur um die einzige Frage: Was ist was wert? Die Antwort sei eigentlich ganz einfach: Soviel, wie jemand bereit ist, dafür zu bezahlen. Und das macht den entscheidenden Unterschied zwischen Silber, Gold und dem Rest: Während man für Schmuck, Briefmarken, Teppiche immer einen individuellen Kunden finden muss, selbst für Diamanten, stelle sich bei Gold und Silber das Problem nicht.

 Feingold und Feinsilber kaufen Scheideanstalten zu täglich exakt festgelegten Preisen (Londoner Gold- und Silberfixing) auf, und es genügt ein Blick ins Internet um den aktuellen Gold- und Silberpreis zu ermitteln. Dieser schwankte zwar bisweilen dramatisch von 13 bis 43 Euro je Gramm innerhalb der letzten Dekade, ist aber eine feste Größe. „Laienaufkäufer“, sagt Buck, „interessieren sich deshalb nur für Gold, auch wenn sie etwas anderes behaupten.“

 Und über die Angebote bei eBay und die dort genannten Preise könne er oft nur schmunzeln. „Da sieht man auf den ersten Blick, hier fehlt jeder Sachverstand.“ wm

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