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Warum konnte Arminius die Römer besiegen?

Rinteln / "Kinderuni" Warum konnte Arminius die Römer besiegen?

Die „Kinderuni“ mit ihren vier Seminaren im Freizeitzentrum „Kulisse“ hat die insgesamt etwa 50 jungen Teilnehmer sicher nicht gleich zu akademischen Forschern gemacht. Wohl aber bewies sie, wie harmonisch und wissbegierig Kinder zusammenarbeiten können, wenn ein Thema sie wirklich interessiert und der entsprechende Unterricht richtig gut geplant ist.

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Fragen zum Cheruskerfürsten Arminius beantwortet Joachim von Meien (links). © tol

Rinteln (cok). Die meisten der sieben- bis zwölfjährigen „Studenten“ brachten eine gewisse Vorbildung mit, die sie vergnügt bei den einzelnen Veranstaltungen einfließen ließen. So spielten fast alle Teilnehmer des Kurses von Musikerzieher Jochen Mühlbach bereits selbst ein Instrument und waren nicht nur schnell in der Lage, den Rhythmus eines Tanzes des Komponisten Henry Purcell zu erfassen, sie schafften es auch, Blasinstrumenten wie Trompete oder Querflöte akzeptable Töne zu entlocken, und wussten durchaus, wie man eine Stimmgabel benutzt.

Gleichzeitig spürte man ihre Neugier, wenn der Dozent davon sprach, wie Schwingungen Töne erzeugen können, wie diese Töne über das Trommelfell ins Gehirn gelangen oder dass Querflöten, auch wenn sie aus edlen Metallen bestehen, als „Holzblasinstrumente“ bezeichnet werden – aus Tradition gewissermaßen, da die ersten Flötenbläser vor etwa 3000 Jahren Hirten waren, die sich ihre Instrumente aus Holz schnitzten.

Auch als es bei Jens Bertold um die Arbeit eines Archäologen ging und darum, wie die sorgsame Geduldsaufgabe des Ausgrabens dazu führt, dass selbst unscheinbare Fundstücke Aufschluss über unsere Vergangenheit geben können, trug das Vorwissen der Kinder dazu bei, dass sich zwanglos aus Bildervortrag und gemeinsamen Gesprächen ein Bild dieser Wissenschaft ergab. Wie viel Handwerksarbeit zur Archäologie dazugehört, zeigte sich sehr nett, als einer der Jungs nach vorne gerufen und nach und nach mit dem nötigen Ausgrabungswerkzeug versehen wurde. Später konnten alle einen Blick durch ein Höhenmessgerät werfen.

Dass man Liebe, Freundschaft oder das Leben nicht mit Geld kaufen kann, es war den Teilnehmern des Kurses „Geld regiert die Welt“ durchaus klar. Sie staunten aber, als Referentin Julia Kusch ihnen verdeutlichte, dass eine Familie das meiste Geld für das Wohnen ausgeben muss, nicht, wie viele es vermuteten, für Auto, Fernseher oder Computer. Auch wäre keiner von ihnen auf die Idee gekommen, dass die ersten Münzen aus echtem Gold und Silber bestanden, also konkret so viel Wert waren, wie die Gegenleistungen, die man mit ihnen erstand.

Sehr lebhaft ging es im Seminar zum Cheruskerfürsten Arminius zu, das der Historiker Joachim von Meien recht anspruchsvoll gestalten konnte, weil seine Zuhörer zum Teil schon mal im Museum in Kalkriese gewesen waren und sich alle sehr fasziniert zeigten von dem Germanen, der als Zehnjähriger nach Rom verbracht wurde, damit aus ihm ein Römer würde, der die Barbaren später bereit zur besseren Kooperation mit den Besatzern machen sollte. Ging es zunächst darum, das Leben der Germanen mit demjenigen im Kulturreich der Römer zu vergleichen, stellte sich zum Schluss die Frage, was für Gründe Arminius gehabt haben könnte, sich doch auf die Seite seiner ehemaligen Landsleute zu stellen.

Besonders spannend: Die Kinder stellten die Schlacht im Teutoburger Wald nach. Drei kleine Germanen standen 13 Römern gegenüber. Auf freiem Feld hätten sie keine Chance gegen die wohlorganisierte Übermacht gehabt. In einem mit durcheinanderstehenden Stühlen symbolisierten Wald aber konnte die Guerilla-Taktik greifen, mit der die schwer bewaffneten Römer besiegt worden waren. Warum nur war Arminius später von den eigenen Leuten ermordet worden? Sicher wird der eine oder andere selbst versuchen, eine Antwort zu finden.

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