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Weitere 200 Flüchtlinge bis Weihnachten

Prince Rupert School in Rinteln Weitere 200 Flüchtlinge bis Weihnachten

Karsten Pilz, der Leiter der Steuerakademie, hat gestern Abend nichts Negatives zu berichten gehabt. Als Nachbar der ehemaligen Prince Rupert School, die seit Oktober als Notunterkunft fungiert, habe es bislang keinerlei Probleme mit den derzeit rund 400 dort untergebrachten Flüchtlingen gegeben.

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Heidemarie Hanauske (Awo, von links), Eckhard Ilsemann und Bernd Koller (DRK), Landrat Jörg Farr, Bürgermeister Thomas Priemer, Alexander Götz vom Innenministerium, Daniela Kempa (Polizei) und Kreisdezernent Klaus Heimann haben so gut wie keine Fragen beantworten müssen.

Quelle: tol

Rinteln. So empfinden es offenbar auch viele Rintelner. Zumindest waren zur zweiten Bürgerversammlung zur Sache gestern in der Steuerakademie ungleich weniger Besucher gekommen als noch zur ersten.

Eingeladen hatte Bürgermeister Thomas Priemer. Dieser stellte unter anderem die Hauptaufgabe der Kommune heraus: die Integration der in Rinteln lebenden Asylsuchenden. Während die in der Prince Rupert School untergebrachten Flüchtlinge nicht zwingend in der Weserstadt bleiben, sondern auf andere Landkreise in Niedersachsen verteilt werden, befinden sich derzeit etwa 275 weitere Asylsuchende in den Gemeinschaftsunterkünften am Bahnhofs- und Kerschensteiner Weg sowie in vom Landkreis Schaumburg angemieteten Privatwohnungen.

Um die dezentrale Unterbringung weiter voranzutreiben, habe Priemer fünf seiner Mitarbeiter mit der Aufgabe betraut, weitere Wohnungen aus privater Hand zu finden, in denen Asylsuchende mit dem Landkreis als zahlenden Mieter untergebracht werden können.

Der Integrationsprozess in Rinteln sei bereits in vollem Gang. Es gebe Sprachkurse für die Erwachsenen, schulpflichtige Kinder gingen zur Schule und die Jüngeren würden künftig in Kindergärten betreut.

Alexander Götz vom Niedersächsischen Innenministerium teilte mit, dass die Anzahl der täglich in Niedersachsen ankommenden Flüchtlinge von 700 im September in den vergangenen zwei Wochen auf 200 bis 400 gesunken sei. Wie sich die Situation jedoch weiterentwickele, sei nicht absehbar. Das Land, so Götz weiter, werde „bis auf Weiteres“ an der Prince Rupert School als Notunterkunft festhalten. Es sei jedoch nicht geplant, daraus eine dauerhafte Erstaufnahmeeinrichtung zu machen.

Insgesamt, sagte Landrat Jörg Farr, habe der Landkreis in den vergangenen zwei Jahren 2300 Flüchtlinge aufgenommen. Er rechnet damit, dass in den kommenden vier Monaten 1700 weitere Menschen aufgenommen werden müssen. Folglich seien weitere Gemeinschaftsunterkünfte nötig. Eine wird derzeit in der ehemaligen Herderschule in Bückeburg eingerichtet, zwei weitere in Bad Nenndorf.

 Farr merkte an, dass 41 Prozent der Flüchtlinge minderjährig sind: 25 Prozent sind null bis sechs Jahre alt, 16 Prozent sieben bis 17 Jahre. Alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen sollen und können auf Schulen aller Schulformen, inklusive Sprachlernklassen, im Landkreis verteilt werden, kündigte Farr an.

Bernd Koller, Präsident des Schaumburger DRK-Kreisverbandes, teilte mit, dass derzeit 407 Flüchtlinge in der Notunterkunft untergebracht sind. „Wir erwarten vor Weihnachten noch 200 neue Flüchtlinge. Aber wir sind nicht über die 600 hinausgegangen, was auch ein Versprechen im Oktober gewesen war.“

Zwar ist die Registrierung der Flüchtlinge abgeschlossen, die ärztlichen Untersuchungen im Kreiskrankenhaus Rinteln dauern jedoch noch an. „130 Flüchtlinge sind inzwischen untersucht und entsprechend auch geimpft worden“, so Koller. Allerdings fehle aktuell der Grippeimpfstoff.

Langfristig solle die Anzahl der Flüchtlinge in der Prince Rupert School auf 780 erhöht werden. Das DRK befinde sich dazu aber noch in Gesprächen mit den eigenen Mitarbeitern und anderen Einrichtungen, schließlich müssten diese zusätzlichen Menschen ja auch betreut werden.

Schließlich listete Eckhard Ilsemann, DRK-Mitarbeiter und Leiter der Notunterkunft, die Angebote auf, die sich inzwischen gebildet haben: von zwei Kindergartengruppen und 13 Deutschkursen über eine Theatergruppe und Sportaktivitäten bis zur Schach-AG und Polizeisprechstunde. Zudem übernähmen die Flüchtlinge selbst Aufgaben: die Reinigung des Speiseraums, Sprachvermittlung und Begleitung von Flüchtlingen in Krankenhäuser (darunter drei Ärzte, ein Zahnarzt und eine Apothekerin), allgemeine Ordnungsdienste und die Organisation des Waschraums.

Abschließend hatte lediglich ein einziger Besucher Fragen: Wie lange die Asylverfahren dauern würden und wie schnell im Falle eines Ablehnungsbescheides eine Abschiebung erfolge, wollte er wissen. Fragen, auf die Götz nur sagen konnte, dass die Verfahren individuell voneinander abweichen und dass der Bund die Asylverfahren von derzeit fünf Monate auf maximal drei verkürzen wolle.

Albrecht Schäffer vom Kinderschutzbund wies darauf hin, dass noch ehrenamtliche Lotsen gesucht würden. pk

Heidemarie Hanauske (Awo, von links), Eckhard Ilsemann und Bernd Koller (DRK), Landrat Jörg Farr, Bürgermeister Thomas Priemer, Alexander Götz vom Innenministerium, Daniela Kempa (Polizei) und Kreisdezernent Klaus Heimann haben so gut wie keine Fragen beantworten müssen. tol

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