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Weniger Probleme als erwartet

Zeit für eine Zwischenbilanz Weniger Probleme als erwartet

Als vor drei Monaten die Notunterkunft in der Prince Rupert School (PRS) eröffnet worden ist, haben Sorge und Angst die erste Bürgerversammlung dominiert.

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Flüchtlinge und ein Polizist bei einer Demonstration in Hameln.

Quelle: Dana

Von Ausschreitungen und heftigen Straftaten in Unterkünften anderer Städte wurde berichtet und eine ähnliche Entwicklung in Rinteln befürchtet. Nun ist Zeit für eine Zwischenbilanz.

„Wir hatten weniger Probleme als erwartet“, sagt Polizeichef Wilfried Korte gleich zu Anfang des Gesprächs, an dem auch Streifendienstleiterin Daniela Kempa und Kripo-Chef Jörg Stuchlik teilnehmen. Zu Beginn habe man noch zusätzliche Kräfte der sogenannten „Verfügungseinheit“ der Polizei nach Rinteln verlegen lassen. Drei bis vier Wochen waren die Beamten zusätzlich vor Ort. „Wir wussten ja nicht, was auf uns zu kommt“, so Stuchlik. Aber schnell war klar: Es ist überraschend ruhig in der Prince Rupert School. Die Verstärkung war nicht notwendig, „kann aber je nach Tageslage sofort herbeigerufen werden“.

Im Zeitraum vom 14. Oktober (der Eröffnung der Unterkunft) bis zum 19. Januar sind im Polizeikommissariat Rinteln insgesamt 462 Straftaten registriert worden. 13 davon haben einen Zusammenhang einen mit Bewohnern der PRS. Straftaten, bei denen entweder die Tat selbst im Wilhelm-Busch-Weg stattgefunden hat oder der Täter am Wilhelm-Busch-Weg lebt. „Das sind 2,8 Prozent aller Straftaten in diesem Zeitraum“, erklärt Korte.

Unter diesen 13 Straftaten befinden sich acht Körperverletzungen, in allen acht Fällen handelte es sich bei Täter und Opfer um Bewohner der PRS. „Das waren normale Auseinandersetzungen“, erklärt Korte, keine Massenschlägereien, keines der Opfer musste stationär ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zwei der Körperverletzungen seien der häuslichen Gewalt zuzuordnen. Zudem seien zwei Fälle von Bedrohung registriert worden, ebenfalls beide im Rahmen von häuslicher Gewalt. Zwei Männer seien deshalb auch der Unterkunft verwiesen und verlegt worden – einer nach Braunschweig, der andere nach Bramsche.

Des Weiteren gab es einen Fall von Sachbeschädigung und einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Hinzu kam ein Fall von übler Nachrede mit sexueller Grundlage zum Nachteil eines weiblichen Flüchtlings. In diesem Fall war der Täter kein Bewohner der Unterkunft.

Ein direkter Vergleich, ob Flüchtlinge straffälliger sind als die Gesamtbevölkerung, ist schwer möglich, da in der Prince Rupert School eine hohe Fluktuation herrscht und regelmäßig Menschen an- und abreisen. Geht man von der maximalen und bleibenden Belegung von 600 Personen aus, handelt es sich dabei um 2,21 Prozent der Gesamtbevölkerung Rintelns von aktuell 27155 Personen. Diese hätten dann 2,8 Prozent der Straftaten im betrachteten Zeitraum begangen haben.

Mit der DRK-Heimleitung und dem Sicherheitsunternehmen SDS gebe es eine sehr gute Zusammenarbeit, „über das normale Maß hinaus“. „Wir werden schnell über Verdachtsfälle informiert“, sagt Stuchlik.

Vonseiten der Polizei werde die Situation in der Flüchtlingsunterkunft außerdem täglich beurteilt. Nicht nur von Korte, Stuchlik und Kempa, sondern auch durch die Polizeiinspektion in Nienburg und den Polizeipräsidenten. „Natürlich haben wir wegen der Unterkunft mehr zu tun“, sagt Korte. „Aber es hat sich herausgestellt, dass wir zusätzliche Beamte der Verfügungseinheit nicht benötigen.“

Ein Grund könnte das große bürgerschaftliche Engagement in Rinteln sein. Während in der Großstadt Bürger genauso wie Flüchtlinge leichter in der anonymen Masse untergehen, hat man sich in Rinteln der Schutzsuchenden in der PRS angenommen. Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern des DRK und des Sicherheitsdienstes, die weit über dem normalen Maße engagiert seien, lobte Korte auch die Ehrenamtlichen. Frustration und Lagerkoller könnten durch die Arbeit der Rintelner, die sich in Vereinen, Kirchen und Organisationen für Flüchtlinge engagieren, verhindert werden. Prävention im besten Sinne. jak

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