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Wenn das Grundstück größer wird

Katasteramt nimmt sich alte Fälle vor Wenn das Grundstück größer wird

Der eine gewinnt, der andere verliert, so läuft es auch bei der Neuberechnung von Grundstücksflächen durch das Katasteramt Rinteln. „Wir zaubern keine neuen Flächen herbei“, erklärt Dezernatsleiter Alexander Schenk.

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Grundstücksverzeichnisse gestern und heute: Udo Schobeß (von links) zeigt am Computer alte und neue Kartenausschnitte von Hohenrode, Alexander Schenk einen Theodolithen, wie er bis 1970 benutzt wurde, und Referendar Ralph Schmidt einen alten Kartenausschnitt auf Papier. dil

Rinteln. „Wir berechnen nur neu, was zum Teil schon vor 150 Jahren vermessen und in die Flurkarten aufgenommen wurde. Die Methoden haben sich verändert, seit vor 150 Jahren das Grundstückskataster für gerechte Besteuerung angelegt worden ist.“

 Berechnet wird in eigener Initiative des Katasteramtes und gemäß Gesetzesauftrag meist, wenn sich in einer Gemarkung etwas ändert. Neue Baugebiete, Straßen oder Gewerbeflächen, dann sind die Vermesser mit Lichtstrahlgeräten heute zu sehr exakten Messungen in der Lage. Als noch mit Maßband, Messlatten und Zwei-Meter-Zirkel gearbeitet wurde, gab es größere Toleranzen. Und ganz früher waren ja nicht mal die Maßeinheiten überall gleich. Heute gibt es Lichtstrahlen mit bis zu 50 Kilometer Reichweite und sogar Satellitenunterstützung für Vermessungen.

 „Wenn die Ergebnisse unserer Berechnungen erheblich anders sind als die Einträge im Liegenschaftskataster, schreiben wir die Grundstücksbesitzer an“, fährt Schenk fort. „Allein in Krankenhagen war dies bei 80 der rund 1500 Grundstücke so. Das betrifft zum Beispiel Flächenteilungen. Wir schaffen jetzt eine neue Qualität, das ist Teil unseres laufenden Geschäfts. Dabei hilft uns auch die in den achtziger Jahren vorgenommene Digitalisierung bisher analoger Verzeichnisse und Karten. Doch dabei wurden die Zahlen noch nicht verbessert, das nehmen wir uns jetzt seit wenigen Jahren schrittweise vor.“

 Betroffen sind zumeist Flächen, die nicht näher überplant sind und für die zum Beispiel kein Bebauungsplan existiert. Diese liegen zumeist im Außenbereich. Zuletzt waren Krankenhagen, Engern und Rinteln Nord dran. Das Industriegebiet Süd, Möllenbeck und Exten sind schon durch. Es müssen in Rinteln noch unbebaute Bereiche der Nordstadt, von Steinbergen, Hohenrode, Strücken und Teile von Todenmann neu berechnet werden. In Deckbergen, Schaumburg und Westendorf lief die Neuberechnung nur für Einzelflächen. Die Dörfer am Taubenberg kommen voraussichtlich ziemlich zum Schluss dran.

 Und was hat es für Auswirkungen, wenn man plötzlich Herr von 100 Quadratmetern mehr oder weniger ist? „Wir schreiben den entsprechenden Flächenbesitzer an, dass wir im Rahmen der Genauigkeitsverbesserung des Liegenschaftskatasters durch Neuberechnung des Flurstücks eine neue Fläche ermittelt haben.“ Die neue Fläche sei ins Liegenschaftskataster einzuführen. „Veränderungen in der Örtlichkeit, sowohl an den Grenzen als auch an der nutzbaren Fläche, sind mit der Flächenberichtigung nicht verbunden“, teilt Schenk mit. Das Amt gibt Gelegenheit, sich innerhalb eines Monats zu der vorgesehenen Flächenänderung zu äußern. Über die durchgeführte Veränderung erhält der Besitzer abschließend eine „Fortführungsmitteilung mit Rechtsbehelfsbelehrung“. Kosten entstehen dem Eigentümer nicht. Man kann dann dagegen angehen, sich näher erkundigen oder vor Gericht ziehen. Udo Schobeß, der die Briefe formuliert und verschickt: „Bisher ist so ein Widerstand aber noch nicht vorgekommen.“

 Schenk ergänzt: „Man sollte sich einfach mal den Notarvertrag vom Kauf ansehen. Verkauft wurde das Grundstück an sich, und die Fläche geht aus dem Liegenschaftskataster hervor. Wenn sie jetzt etwas größer oder kleiner ist, muss man das beim Weiterverkauf angeben.“ Aber der Notar überzeuge sich ohnehin von den aktuellen Daten. „Und wenn die Grenzen eines Grundstücks nicht bekannt sind, kann der Kunde deren Feststellung verlangen. Das würden wir dann erledigen.“

 Die neuen Quadratmeterzahlen gibt das Katasteramt an das Grundbuchamt beim Amtsgericht und an das Finanzamt weiter. Grundsteuern erhebt aber in Rinteln die Stadt, und diese wird zumindest vom Katasteramt nicht automatisch über Änderungen informiert. Sie würde am Ende aber auch nicht mehr einnehmen als jetzt.  dil

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